Energie

Windenergie

Aufpusten um jeden Preis

Im Überlebenskampf der Windkraftkonzerne wird Größe zum alles entscheidenden Faktor. Doch in ihrem Übernahmeeifer sparen die Turbinenbauer bei Innovationen. Ein Fehler, der bereits die Solarbranche in den Abgrund führte.
Der Wettbewerb der Windkraftkonzerne wird immer härter. Quelle: dpa
Windenergieanlagen

Der Wettbewerb der Windkraftkonzerne wird immer härter.

(Foto: dpa)

DüsseldorfVolle Auftragsbücher, sattes Umsatzplus und ein Gewinnsprung: Nordex-Chef Lars Bondo Krogsgaard hatte seinen Aktionären viel Gutes zu berichten. Das abgelaufene Geschäftsjahr war das erfolgsreichste in der Geschichte von Deutschlands drittgrößtem Hersteller von Windturbinen. Und auch 2016 fängt gut an. Im ersten Quartal kletterten die Erlöse des Hamburger Konzerns im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Drittel – auf 637 Millionen Euro. Dennoch schwor Krogsgaard die Nordex-Anleger auf rauere Zeiten ein.

„Der Wettbewerbsdruck in der Windenergiebranche wird noch intensiver“, mahnte der Däne mit akzentfreiem Deutsch bei der Hauptversammlung am Dienstag in Rostock. Das werde auch Nordex zu spüren bekommen. Denn die Industrie kämpfe mit „signifikanten Überkapazitäten“. Es gebe „klare Konsolidierungstendenzen“ in der Branche, erklärte Krogsgaard. Und anders als früher seien es nicht mehr nur die kleinen Akteure, die untereinander fusionieren und den Preiskampf verschärfen, sondern die wirklich Großen des Geschäfts.

Die größten Windkraft-Konzerne der Welt
Platz 14: XEMC (China)
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Nirgendwo auf der Welt werden jährlich mehr Windräder ans Stromnetz angeschlossen als in China. Zu den größten Profiteuren dieses fernöstlichen Grünstrom-Booms zählt XEMC. Der chinesische Elektrokonzern hat im Jahr 2009 die niederländische Energiefirma Darwind gekauft und sich so wertvolles Know-how für die Herstellung von Windturbinen und Rotorblättern gesichert, den wichtigsten Komponenten von Windenergieanlagen. Nach Berechnungen der Marktforschungsfirma FTI Intelligence brachte es XEMC 2016 auf einem Marktanteil von 2,2 Prozent.

Marktanteil 2,2 Prozent.  

Platz 13: Dongfang (China)
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Der chinesische Staatskonzern Dongfang stellt Schiffe, Lokomotiven und Gasturbinen her. Zu einem immer einträglicheren Geschäft werden aber auch die Windräder, die das Unternehmen aus der Provinz Sichuan fertigt.

Marktanteil: 2,2 Prozent.

Platz 12: Senvion (Deutschland)
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Deutschlands viertgrößter Windkraftkonzern Senvion rangiert global gesehen nur noch auf Platz 12. Die Hamburger kämpfen derzeit mit schwindenden Aufträgen, bröckelnden Marktanteilen und sinkenden Umsätzen. Nach einer Konsolidierungsphase soll der Erlös bis 2019 aber auf 2,6 Milliarden Euro in die Höhe schnellen. Damit die Konkurrenz Senvion in der Zwischenzeit nicht völlig enteilt, streicht der Konzern Hunderte Stellen und investiert in neue Produkte.

Marktanteil: 2,5 Prozent.

Platz 12: Sewind (China)
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Die Windkraftsparte des chinesischen Staatskonzerns Shanghai Electric produziert in zwei Fabriken jährlich mehr als 3.000 Windräder. Besonders erfolgreich ist das Unternehmen mit seinen Anlagen auf hoher See. Im Segment Offshore-Wind zählt Sewind zu den drei größten Herstellern weltweit. In Deutschland sind die Chinesen zudem am Maschinenbauer Manz AG beteiligt.

Marktanteil: 3,0 Prozent.  

Platz 10: CSIC Haizhuang (China)
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Unter den 14 führenden Windkraftkonzern der Welt befinden sich gleich acht Unternehmen aus China. Der Grund ist simpel: Im Reich der Mitte wurden alleine 2016 mehr als 40 Prozent der weltweit neu installierten Windräder ans Stromnetz angeschlossen. Ausländische Firmen kommen in China kaum zum Zug, der Markt ist weitgehend abgeschottet. Dieser Heimatbonus beflügelt Konzerne wie CSIC Haizhuang – sie prägen verstärkt den Weltmarkt.

Marktanteil: 3,2 Prozent.

Platz 9: Mingyang (China)
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Chinas viertgrößter Windkraftkonzern will sich vom Maschinenbauer zum Service-Unternehmen wandeln. Zwar soll die Produktion von Turbinen, Gondeln und Rotorblättern weiterhin eine wesentliche Säule des Geschäfts bleiben, aber die Wartung und Instandhaltung von Windrädern verspricht höhere Renditen.

Marktanteil: 3,5 Prozent.

Platz 8: Envision (China)
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Lei Zhang ist das Enfant terrible der Windenergieindustrie. Der Chef von Envision bezeichnet sein Unternehmen gerne als das „Apple der Energiewelt“. Statt wie die Konkurrenz lediglich „dumme“ Windräder herzustellen, will Zhang künftig mit einer offenen Plattform Geld verdienen, die Angebot und Nachfrage im Energiemarkt synchronisiert. Schwankende Solar- und Windenergie will er im großen Stil mit Stromspeichern, Elektroautos oder Industrieanlagen koppeln und auf lange Sicht mit dem smarten Steuern von Energieflüssen Milliarden verdienen. Zumindest ein paar Jahre lang dürfte der Verkauf von Windmühlen aber noch das Kerngeschäft von Envision bleiben. Anders als die Wettbewerber lässt Envision aber die Anlagen von Subunternehmen fertigen. Damit braucht der Konzern fast zwanzig Mal weniger Fixangestellte als die Branchenführer. Nur das Design und die Patente gehören Envision. „Wie bei Apple“, meint Unternehmenschef Zhang.

Marktanteil: 3,5 Prozent.

„Der Windbranche steht eine Konsolidierungswelle einer neuen Qualität bevor“, urteilt die Unternehmensberatung Oliver Wyman in einer Marktanalyse, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Demnach müssen selbst die führenden Hersteller von Windturbinen, der wichtigsten Komponente von Windrädern, rasch handeln, um im Wettbewerb nicht zerrieben zu werden. Und die Riesen reagieren – das große Fressen beginnt.

In München feilt Siemens-Chef Joe Kaeser seit Wochen an einer Übernahme des spanischen Konkurrenten Gamesa. Klappt der Deal wäre Siemens mit einem Schlag die neue Nummer eins im Windturbinengeschäft. Aber die Konkurrenz wehrt sich erbittert gegen die Attacke des Dax-Schwergewichts. Erzrivale General Electric (GE) bekundete erst vergangene Woche reges Interesse am französisch-spanischen Windkraftkonzern Adwen. Und die dänische Vestas, seit Jahren Branchenprimus bei Umsatz und Marge, rüstete bereits Anfang des Jahres auf – mit dem Zukauf des Wartungsspezialisten Availon.

Es gibt zu viele Akteure im Windmarkt. Der Wettbewerb wird immer härter. „Im Kampf ums Überleben wird Größe mitentscheidend“, sagt Wolfgang Krenz. Der Energieexperte von Oliver Wyman erwartet einen  Ausleseprozess in der Branche. Obwohl der Markt für Windturbinen allein in den vergangenen beiden Jahren um mehr als 30 Prozent gewachsen ist, könne sich kein Turbinenhersteller ein „Durchatmen“ leisten, so Krenz. Denn das Geschäft mit Ökostromanlagen ist längst kein Selbstläufer mehr.

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