Energie

Windkraftkonzern
Siemens Gamesa tauscht nach Gewinnwarnung Finanzchef aus

Nach der zweiten Korrektur der Gewinnprognosen innerhalb von drei Monaten muss der Finanzchef des deutsch-spanischen Windkraft-Konzerns seinen Hut nehmen. Zudem wird Kritik am Siemens-Management laut.
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Madrid, MünchenBereits kurz nach der Fusion rumort es beim deutsch-spanischen Windkraft-Konzern Siemens Gamesa. Nach der zweiten Korrektur der Gewinnprognosen innerhalb von drei Monaten müssen Finanzvorstand Andrew Hall und zwei weitere Top-Manager gehen, wie die Siemens-Tochter am Freitag nach einer Verwaltungsratssitzung mitteilte. Der zweite Großaktionär neben Siemens, der spanische Versorger Iberdrola, hatte bei dem Treffen auf personelle Veränderungen gedrängt, wie es in Unternehmenskreisen hieß. "Man kann nicht zwei Gewinnwarnungen innerhalb von drei Monaten veröffentlichen ohne Konsequenzen im Top-Management", sagte einer der Insider. Siemens hält 59 Prozent an Siemens Gamesa.

Die Spanier seien unzufrieden mit der Art, wie Siemens das Unternehmen manage, hieß es im Umfeld des Konzerns. Doch auch die drei Neubesetzungen tragen die Handschrift des ehemaligen Siemens-Windkraft-Chefs Markus Tacke, der die Führung von Siemens Gamesa im Mai übernommen hatte. Neuer Finanzvorstand von Gamesa wird zum 1. Dezember Miguel Angel Lopez. Er arbeitet seit 16 Jahren für Siemens - zuletzt als Finanzchef der Digitalisierungs-Sparte "Digital Factory". Seine Erfahrung mit Übernahmen soll Gamesa bei "der Optimierung des Portfolios und der Steigerung der Profitabilität" auf die Sprünge helfen. Sein Vorgänger Hall war im April aus der Windkraft-Sparte von Siemens gekommen.

Vor einer Woche hatte der Windkraft-Riese, der mit der dänischen Vestas um die Weltmarkt-Führerschaft ringt, die Gewinnprognose um 110 Millionen auf 790 Millionen Euro gekürzt. Unter anderem erwiesen sich Windräder, die Gamesa in den USA und Südafrika - entgegen der Gepflogenheiten in der Branche - offenbar auf Halde produziert hatte, als unverkäuflich. Die Aktie ist seit der Fusion im April um 44 Prozent eingebrochen, am Freitag ging sie um weitere 5,7 Prozent in die Knie.

Ausgetauscht wird auch der Chef der Offshore-Sparte, die Windräder für den Einsatz auf hoher See produziert. Michael Hannibal, der sein Amt nach 13 Jahren bei Siemens ebenfalls erst im Frühjahr angetreten hatte, wird zum 1. November durch Andreas Nauen ersetzt. Er habe elf Jahre Erfahrung mit erneuerbaren Energien, betonte das Unternehmen. Auch der neue Generalsekretär des Verwaltungsrats und Chefsyndikus Jürgen Bartl, ist ein Siemens-Mann. Sein Vorgänger Jose Antonio Cortajarena muss nach zehn Jahren bei Gamesa gehen.

Iberdrola hatte vor allem die mangelnde Branchenerfahrung im Management moniert. Die Spanier halten acht Prozent an Gamesa, haben auf Grund einer Aktionärsvereinbarung aber Sonderrechte. Bei einem Bruch der Vereinbarung müsste Siemens dem Versorger die Aktien abkaufen - zu einem Preis, der etwa beim Doppelten des aktuellen Kurses liegt, wie Insider sagten. "Das Verhältnis war vom ersten Tag an schwierig", sagte ein Kenner von Siemens Gamesa.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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