Energie

Windreich-Investment
Verbraucherzentrale warnt vor Windpark-Beteiligung

Der Windpark-Projektierer Windreich hat erstmals ein Bürgerbeteiligungsmodell für einen Offshore-Windpark ins Leben gerufen. Verbraucherschützer raten Privatanlegern davon ab, Anteile zu erwerben.
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DüsseldorfDie Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen warnt vor der von dem Windpark-Projektierer Windreich neu aufgelegten Bürgerbeteiligung am Offshore-Windpark Global Tech I. Im Gespräch mit Handelsblatt Online weisen die Verbraucherschützer vor den Gefahren an der Beteiligung hin.  „Grundsätzlich ist diese Form der Geldanlage für Verbraucher - zumindest für Kleinanleger oder Verbraucher mit einer durchschnittlichen Risikoneigung  - aufgrund des bestehenden Totalverlustrisikos nicht geeignet“, sagte Thomas Pfister, Experte für nachhaltige Anlagen bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen im Gespräch mit Handelsblatt Online, „es gibt keinen Insolvenzschutz und scheitert das Projekt, verlieren die Anleger ganz oder teilweise ihr angelegtes Kapital.“

Seit Mittwoch können sich Bürger der Gemeinde Wolfsschlugen, wo Windreich seinen Hauptsitz hat, am Offshore-Windpark Global Tech I beteiligen. Die Bürger „haben eine BGB-Gesellschaft gegründet, welche einen Anteil an der Unterbeteiligungsgesellschaft der Global Tech I GmbH besitzt“, heißt es in einer Mitteilung von Windreich. Bei der Unterbeteiligungsgesellschaft handelt es sich um eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Damit sei es für Privatleute erstmals möglich in Offshore-Wind zu investieren, schwärmt Windreich.

Mit dem Bau von Global Tech I wurde im Sommer 2012 begonnen, wenn der Windpark fertig ist, soll er 445.000 Haushalte mit Strom versorgen können. "Bevor wir hier im windarmen Süddeutschland verzweifelt versuchen aus nicht vorhandenem Windpotenzial Strom zu erzeugen, investieren wir lieber in der deutschen Nordsee mit über zehn Prozent Rendite“ zitiert Windreich in seiner Pressemitteilung einen Gesellschafter der BGB-Gesellschaft.

Bürgerbeteiligungsmodelle bergen grundsätzlich ein hohes unternehmerisches Risiko. Wenn das Projekt scheitert, ist oft auch die Einlage komplett verloren. Die Verbraucherzentrale bemängelt zudem die fehlende Risikostreuung in dem Fall von Global Tech I. „Der Anleger investiert in ein konkretes Projekt. Gäbe es unter der Gesellschaft mehrere Projekte, könnten Verluste eines Projektes durch ein anderes aufgefangen werden.“

Offshore-Windparks gehören derzeit noch zu den risikoreicheren Investitionen bei den erneuerbaren Energien. Zwar erhalten die Betreiber eine hohe Vergütung aus der EEG-Umlage. Allerdings hat es in der Vergangenheit bei verschiedenen Projekten Verzögerungen des Anschlusses ans Stromnetz gegeben. Windreich hat in den vergangenen Monaten vor allem mit negativen Nachrichten auf sich aufmerksam gemacht. Anfang März erschreckte das Unternehmen seine Anleiheeigner, weil es die Zinsen nicht pünktlich zahlte. Außerdem ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft gegen das Unternehmen wegen des Verdachts auf Bilanzfälschung. 

Wer sich an dem Windpark beteiligen will, sollte sich die Konditionen vorher genau anschauen, rät Anlageexperte Pfister. „Wer ernsthaft über einen Einstieg nachdenke, sollte neben dem bereits genannten auch noch folgende Faktoren berücksichtigen: Wie hoch ist die Mindestanlagesumme, wann und unter welchen Bedingungen kann man aus dem Vertrag aussteigen und welche Haftungsrisiken geht man im Speziellen ein?“

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Windreich-Investment: Verbraucherzentrale warnt vor Windpark-Beteiligung"

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  • Was sagt die BAFin dazu?

    Macht sie mit oder bezieht sie in Sachen Verbrauchschutz Position?

    Es gibt viele Themen, bei denen sie ihre Existenzberechtigung in Sachen Verbraucherschutz unter Beweis stellen könnte. Ich denke nicht zuletzt an die Praxis der Einbehaltung der hälftigen stillen Reserven bei fälligen seitens der Versicherer, die einer nicht vorgesehenen Enteignung zu gunsten der Versicherer entspricht.

    In dem Zusammenhang ist einiges aufzuräumen - passiert aber nicht. Vielleicht hängt dies auch mit der viel zu engen Bindung der Präsidentin mit der Versicherungswirtschaft zusammen.

    Hier ist Handlungszwang!

  • "Verbraucherzentrale warnt vor ........."

    Warum nicht auch vor, LOBBY-"Volksvertreter" und gierigen Lobbyisten ?

    Die VORGEHENSWEISE der "ERNERGIEwende" zeigt uns doch, mit welcher Qualität von "EXPERTEN" und "Sachkundigen" wir es zu tuen haben !

    NUR, langsam aber sicher muss jetzt auch der Bürger in die Gänge kommen. Ein stilles überraschtes zuschauen ist zu wenig, wie in anderen Bereichen auch !!!

  • EON und RWE lassen mit ihrem Kohleabbau Häuser einstürzen und die Kuhlen und Stollen bringen uns die sog. Ewigkeitskosten.

    Die Atommeiler sind so sicher wie unsere Renten.

    Was sie hier als Probleme der Offshore Windparks anführen ist dagegen geradezu niedlich.

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