Energie

Windreich-Vorstand
„Um mich aufzuhalten, müsste man mich einsperren“

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Chef des Windparkentwicklers Windreich Bilanzfälschung vor. Im Gespräch gibt sich Willi Balz siegessicher.
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WolfschlugenWilli Balz - graues kurzes Haar, sonnengebräuntes Gesicht, und eine Aussprache, die seine Herkunft zweifelsfrei belegt - sitzt in seinem Büro im schwäbischen Städtchen Wolfschlugen. Der 53-Jährige ist hier aufgewachsen. Das Elternhaus steht um die Ecke von seiner Firma, die er in einem unspektakulären Gewerbebau untergebracht hat. Das Büro schmücken Souvenirs, die seine Erfindungen und sein Lebensinhalt sind: Flugzeugmodelle - Balz ist begeisterter Pilot. Echte Renn-Motorräder - Balz fährt auch diese Maschinen und hat in jungen Jahren einen speziellen Lufteinlasskanal konstruiert, der die Motoren schneller macht. Und natürlich Windräder – der Bau von Windparks ist Balz` Lebenswerk.

35 Prozent der Offshore-Flächen in Deutschland, also jener Bereich im Meer, wo riesige Windräder aufgestellt werden dürfen, gehören zu Windreich. Die Firma ist ein wichtiges Rad für das Gelingen der Energiewende. Doch Balz steht unter Druck. Die Staatsanwaltschaft hat seine Räume durchsucht. Er sieht sich dem Vorwurf des Bilanzbetrugs ausgesetzt. Balz ist angespannt. Nach unserem Gespräch setzen wir uns in seinen auf Elektroantrieb umgebauten Jaguar-E-Type. Balz entspannt sich. „Geht nicht, gibt es nicht“, sagt er. Es könnte sein Lebensmotto sein.

Handelsblatt Online: Herr Balz, was ist Ihr Geschäftsmodell?
Willi Balz: Meine Firma baut Offshore-Windparks und beschafft alle für deren erfolgreiche Umsetzung erforderlichen Komponenten. Das heißt: Wir sorgen für die Baugenehmigung, beschaffen die Maschinen, die Netzanbindung und die Finanzierung . Am Ende verkaufen wir schlüsselfertige Windparks in der Nord- und Ostsee und bieten Finanzinvestoren hierfür auch die technische und kaufmännische Betriebsführung an.

Und wo liegt das Problem?
Welches Problem?


Am 5. März haben 30 Beamte unter Leitung der Staatsanwaltschaft ihre Räume hier in Wolfschlugen durchsucht und Unterlagen beschlagnahmt. Die Ermittler haben den Verdacht, dass Bilanzen manipuliert wurden. Seither ist die Finanzierung ihrer Projekte in Gefahr. Zwei Anleihen sind derzeit in die Knie gegangen. Sie zahlen ihre Angestellten teilweise aus eigener Tasche, der Zugang zu Investoren ist schwer, das Vertrauen ist weg.
Alle gegen mich von meinen Gegnern in anonymen Anzeigen erhobenen Vorwürfe kann ich entkräften. Meiner Firma gehören 35 Prozent der Offshore-Windpark-Flächen vor den deutschen Küsten. Derzeit habe ich 19 Offshore-Projekte am Laufen. Das erste, Global Tech I, liefert bereits Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe pro Monat. Es wird ab jetzt jedes Jahr ein neuer Offshore-Windpark in Betrieb genommen. Es ist doch klar, dass es bei den großen in der Energiebranche Begehrlichkeiten schürt, wenn ihnen ein kleiner Mittelständler aus Schwaben vormacht, wie es geht. Aber um mich aufzuhalten, müsste man mich schon einsperren oder erschießen. Die Verlierer der Energiewende würden viel verlorene Zeit aufholen, wenn sie unsere erheblichen Vorleistungen unter sich aufteilen könnten.

Wie haben Sie den Tag, an dem der Staatsanwalt klingelte, erlebt?
Ich war zufällig an diesem Tag im Betrieb. Um neun Uhr klingelte es und 30 höfliche und freundliche Beamte standen vor der Tür. Sie haben alles mitgenommen. Dann sitzt man abends in seinem leeren Büro und versucht sich zu sortieren. Ich war kurz geschockt. Aber nach drei Tagen waren wir wieder arbeitsfähig.

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„Um mich aufzuhalten, müsste man mich einsperren“

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„Ich bin deutscher Mittelstand“

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„Döring war eine Fehlentscheidung“

Kommentare zu " Windreich-Vorstand: „Um mich aufzuhalten, müsste man mich einsperren“"

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  • Hier muß man sich eigentlich über die Redaktion des Handelsblatt wundern. Hinterfragt Ihr keinerlei Behauptungen von Interview-Partnern?

    Willi Balz ist seit Frühjahr 2010 in keiner operativen Form mehr an Global Tech 1 und der Realisierung beteiligt. Auch niemand anderes bei der Windreich.
    Hier hält er als Kleinanteilseigentümer eine Kapitalbeteiligung.
    GT1 kann er nicht als Referenz für Offshore-Erfolge nehmen, MEG1 und Dt. Bucht sind seit Jahren auf Investorensuche und ein Baubeginn ist nicht absehbar.
    Herr Balz hat noch nie, weder er noch die Windreich, einen Offshore-Park erfoilgreich realisiert.
    Im Sommer 2012 hat Balz 450 Mio an Schulden in der Halbjahresbilanz angewiesen und keinerlei nennbaren Gegenwerte aufweisen können. Auch die Anzahl angeblich im gehörender Windparkrechte ist völlig falsch - bitte BSH fragen.

    Überprüft man sämtliche Veröffentlichungen über angeblich erfolgreiche Windparkprojekte, Vermögen und Leistungen stellt manb fest, dass alles falsch ist.

    Wo hat der Mann oder die Windreich je einen Windpark selbst gebaut ? Bis dato sind nur Auf - und Weiterverkäufe bekannt.

    Wenn mal ein Präsident des Fraunhofer Instituts, ein Wirtschaftsminister oder andere davon laufen, spricht das für sich.

    Die Zahl der Klagen wegen Zahlungsverweigerung in Stuttgart bei Gericht wächst tätglich - bitte im Archiv überprüfen ( Neckarstr 5)

    Das ist nicht deutsches Unternehmertum im Mittelstand sondern genau das, was die Staatsanwaltschaft derzeit aufarbeitet.
    Ein Satz von WB ist war. Man muß in wegsperren um ihn aufzuhalten.
    Warten wir auf das Ergebnis der Staatsanwaltschaft und wünschen uns

  • ...stimmt lieber Wolfi, Windreich Anleihen sind sooo interessant wie, ein Griff in's Klo. ;-) Wenn er sich nur mal an seine (privaten) Versprechen bzw. Verträge halten würde...

  • Wer bei dem Anleihekurs nicht kauft dem ist wirklich nicht zu helfen.

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