Energie

Windturbinenbauer Nordex wird von Branchenkrise voll erfasst

Gewinn halbiert, Umsatzziel verfehlt und kaum neue Aufträge: Der Hamburger Windturbinenbauer Nordex bereitet seine Aktionäre auf ein bescheidenes Jahr 2018 vor. Der Vorstand gelobt Besserung, doch die Anleger fliehen.
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Die Geschäfte des Windkraftunternehmens laufen schlecht. Quelle: dpa
Windkraftanlagen-Hersteller Nordex

Die Geschäfte des Windkraftunternehmens laufen schlecht.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs ist eigentlich eine erfreuliche Entwicklung: Die Preise für Windstrom fallen weltweit rasant. Verbraucher müssen für grüne Energie immer weniger bezahlen. In vielen Ländern ist die Elektrizitätsgewinnung mithilfe von Windmühlen zu bestimmten Zeiten schon heute günstiger als jene aus konventionellen Quellen wie Kohle, Öl oder Gas. Für die Hersteller von Turbinen, Rotorblättern und Türmen – den wichtigsten Komponenten von Windkraftanlagen – hat der Preissturz bei ihrer Technik aber dramatische Folgen: Kurzfristig implodieren ihre Erträge.

Das jüngste Opfer dieser Entwicklung ist Nordex. Deutschland drittgrößter Windradbauer kassiert sein Umsatzziel. 2017 erwartet Nordex nur noch Erlöse von weniger als 3,1 Milliarden Euro. Im Sommer hatte der Konzern noch ein Ziel von bis zu 3,3 Milliarden Euro ausgegeben. Nach neun Geschäftsmonaten hat sich der Gewinn des Unternehmens im Vergleich zum Vorjahr zudem mehr als halbiert – von 64 Millionen Euro auf 28 Millionen Euro.

Die größten Windkraft-Konzerne der Welt
Platz 14: XEMC (China)
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Nirgendwo auf der Welt werden jährlich mehr Windräder ans Stromnetz angeschlossen als in China. Zu den größten Profiteuren dieses fernöstlichen Grünstrom-Booms zählt XEMC. Der chinesische Elektrokonzern hat im Jahr 2009 die niederländische Energiefirma Darwind gekauft und sich so wertvolles Know-how für die Herstellung von Windturbinen und Rotorblättern gesichert, den wichtigsten Komponenten von Windenergieanlagen. Nach Berechnungen der Marktforschungsfirma FTI Intelligence brachte es XEMC 2016 auf einem Marktanteil von 2,2 Prozent.

Marktanteil 2,2 Prozent.  

Platz 13: Dongfang (China)
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Der chinesische Staatskonzern Dongfang stellt Schiffe, Lokomotiven und Gasturbinen her. Zu einem immer einträglicheren Geschäft werden aber auch die Windräder, die das Unternehmen aus der Provinz Sichuan fertigt.

Marktanteil: 2,2 Prozent.

Platz 12: Senvion (Deutschland)
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Deutschlands viertgrößter Windkraftkonzern Senvion rangiert global gesehen nur noch auf Platz 12. Die Hamburger kämpfen derzeit mit schwindenden Aufträgen, bröckelnden Marktanteilen und sinkenden Umsätzen. Nach einer Konsolidierungsphase soll der Erlös bis 2019 aber auf 2,6 Milliarden Euro in die Höhe schnellen. Damit die Konkurrenz Senvion in der Zwischenzeit nicht völlig enteilt, streicht der Konzern Hunderte Stellen und investiert in neue Produkte.

Marktanteil: 2,5 Prozent.

Platz 12: Sewind (China)
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Die Windkraftsparte des chinesischen Staatskonzerns Shanghai Electric produziert in zwei Fabriken jährlich mehr als 3.000 Windräder. Besonders erfolgreich ist das Unternehmen mit seinen Anlagen auf hoher See. Im Segment Offshore-Wind zählt Sewind zu den drei größten Herstellern weltweit. In Deutschland sind die Chinesen zudem am Maschinenbauer Manz AG beteiligt.

Marktanteil: 3,0 Prozent.  

Platz 10: CSIC Haizhuang (China)
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Unter den 14 führenden Windkraftkonzern der Welt befinden sich gleich acht Unternehmen aus China. Der Grund ist simpel: Im Reich der Mitte wurden alleine 2016 mehr als 40 Prozent der weltweit neu installierten Windräder ans Stromnetz angeschlossen. Ausländische Firmen kommen in China kaum zum Zug, der Markt ist weitgehend abgeschottet. Dieser Heimatbonus beflügelt Konzerne wie CSIC Haizhuang – sie prägen verstärkt den Weltmarkt.

Marktanteil: 3,2 Prozent.

Platz 9: Mingyang (China)
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Chinas viertgrößter Windkraftkonzern will sich vom Maschinenbauer zum Service-Unternehmen wandeln. Zwar soll die Produktion von Turbinen, Gondeln und Rotorblättern weiterhin eine wesentliche Säule des Geschäfts bleiben, aber die Wartung und Instandhaltung von Windrädern verspricht höhere Renditen.

Marktanteil: 3,5 Prozent.

Platz 8: Envision (China)
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Lei Zhang ist das Enfant terrible der Windenergieindustrie. Der Chef von Envision bezeichnet sein Unternehmen gerne als das „Apple der Energiewelt“. Statt wie die Konkurrenz lediglich „dumme“ Windräder herzustellen, will Zhang künftig mit einer offenen Plattform Geld verdienen, die Angebot und Nachfrage im Energiemarkt synchronisiert. Schwankende Solar- und Windenergie will er im großen Stil mit Stromspeichern, Elektroautos oder Industrieanlagen koppeln und auf lange Sicht mit dem smarten Steuern von Energieflüssen Milliarden verdienen. Zumindest ein paar Jahre lang dürfte der Verkauf von Windmühlen aber noch das Kerngeschäft von Envision bleiben. Anders als die Wettbewerber lässt Envision aber die Anlagen von Subunternehmen fertigen. Damit braucht der Konzern fast zwanzig Mal weniger Fixangestellte als die Branchenführer. Nur das Design und die Patente gehören Envision. „Wie bei Apple“, meint Unternehmenschef Zhang.

Marktanteil: 3,5 Prozent.

„Die Windenergiebranche durchlebt bewegte Zeiten“, schreibt Nordex-Chef José Luis Blanco im Brief an seine Aktionäre. Der Spanier an der Spitze des Hamburger Windkraftkonzerns spricht von „intensivem Wettbewerb“ und „Marktverwerfungen“. Und er bereitet seine Anleger auf noch mehr Gegenwind vor. 2018 werde „herausfordernd“ und „schwierig“, erläutert Blanco. Konkrete Zahlen bei seiner Sicht auf das kommende Jahr möchte er aber noch nicht nennen – Marktbeobachter hingegen schon. 

„Wir erwarten für 2018 nur noch einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro“, sagte Arash Roshan Zamir dem Handelsblatt. Als Hauptgrund für den bevorstehenden Erlöseinbruch bei Nordex von voraussichtlich 20 Prozent im kommenden Jahr nennt der Analyst von Warburg Research den „sehr schwachen Auftragseingang“. Nach neun Geschäftsmonaten konnte Nordex lediglich Aufträge für die nächsten Jahre im Wert von 1,1 Milliarden Euro verbuchen. Das ist ein Minus im Vergleich zum Vorjahr von 49 Prozent.

Die schlechten Aussichten verschrecken die Investoren. Am Dienstag stürzte die Aktie von Nordex zunächst um fast sieben Prozent ab. Schon seit Monaten fliehen die Anleger bei den Hamburgern. Die Nordex-Papiere befinden sich aktuell auf einem Vierjahrestief. Allein in diesem Jahr ist der Aktienkurs des Konzerns von mehr als 30 Euro Anfang Januar auf aktuell kaum mehr als sieben Euro abgestürzt.

Roshan Zamir glaubt zwar, dass Nordex dem absoluten Tiefpunkt beim Aktienkurs damit schon „sehr nahe gekommen ist“. Damit eine weitere Kurskorrektur ausgeschlossen werden kann, müsse Nordex aber im vierten Quartal „wieder einen stärkeren Auftragseingang liefern“, sagt der Warburg-Analyst.

Herbe Flaute für die Branche
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7 Kommentare zu "Windturbinenbauer: Nordex wird von Branchenkrise voll erfasst"

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  • Totaler Quatsch. Windkraft rechnet sich eben nicht, wenn die Kosten einbezogen
    werden für die gesamte Stromversorgung, wenn der Wind eben man nicht bläst.
    Dann muss die Lücke aus anderen Quellen gestopft werden. Das ist aber nicht
    zum Nulltarif zu haben, im Gegenteil diese Lücke sehr teuer. Alles totale
    Dummschwätzer.

  • Dieser Satz ist betriebswirtschaftlich FALSCH:
    „In vielen Ländern ist die Elektrizitätsgewinnung mit Hilfe von Windmühlen schon heute günstiger als jene aus konventionellen Quellen wie Kohle, Öl oder Gas.“
    Die Windkonzerne, die Profiteure der Subvention, rechnen sich hier reich: Günstiger ist Windkraft nur, wenn auch die Kw/h mitgezählt werden, die überhaupt NICHT genutzt werden können. Vor 20 jahren wurde alles genutzt. Wenn aber der Anteil der Windräder mehr als 30% beträgt, wird nur noch die Hälfe des Stroms sinnvoll genutzt (Quelle: GF Stadtwerke Rosenheim).
    Den Windkraftinvestoren kann es NOCH egal sein, sie verkaufen wegen der Zwangsabnahmegarantie (Subvention) auch überflüssigen Strom an die Netzbetreiber und die verschenken ihn z.T. für unter 0€ an Polen. Dort sinken die Strompreise. Die Netzbetreiber holen sich die Verluste über das EEG vom Endverbraucher wieder.
    Man müsste den zur falschen Zeit produzierten Strom speichern. Aber diese Speicherung hat Wirkungsgradverluste zwischen 30 bis 55% und kostet Geld und ist nicht umweltfreundlich. Speicherung ist noch unrealistischer.
    Es ist leider schade, dass selbst Wirtschaftsmedien & Börsenzeitungen das nicht durchschauen.

    Es gilt:
    - Keine Investitionen in Subventionsgeschäftmodelle.
    - Jeder Subventionsgeschäftmodellebetreiber wird pleitieren und das ist auch gut so.
    - Wir haben ziviel Flatterstrom. Wur brauchen mehr Netstabilität und nciht weniger.
    - Windkraft zerstört Wälder.
    - Wir brauchen effregenerative Energien, die sich bessere rechnen, wie z.B. Holzvergasung mit anschließender Wärme-Strom-Erzeugung, energetischer Verwertung von Müll, Wärmedämmung, Solarthermie statt PV, usw. Es gibt bis heute im Bundesumeweltministerium keine Liste, welche die reg. Ener. nach Effizienz (Subvention je kw/h) bewertet. (Q: Röttgen 2012). Diese Bewertung ist unerwünscht, denn dann sind PV und Wind tot.
    - Ohne Kernkraft steigt der CO-2 Ausstoss, wie man nun seit 6 Jahren sieht. Eine Wahrheit die keiner gerne hört

  • Kaufkurse gibt es bei unter 5,00 €.
    Viel Erfolg.

  • @ Frau Annette Bollmohr:
    Wenn erneuerbare Energien günstiger sind, hat niemand etwas dagegen. Doch eine massive, ideologisch verblendete Übersubventionierung stört das Gemeinwohl. Wie gesagt, der Windbauer wird reich, die Oma arm!
    Ach ja, in unserer Gesellschaft sind auch diejenigen gesünder, die sich eine vernünftige Ernährung und medizinische Versorgung leisten können. Hier sollte es auch einen Selbsterhaltungstrieb geben, bezahlbar! Doch Biogasanlagen ermöglichen den Bauern ca. 3.000 EUR pro Hektar zu verdienen, mit Gemüse gibt es nur ca 1.500 EUR - AUCH DAS IST EINE ÜBERSUBVENTIONIERUNG - DANKE LIEBE GRÜNEN - DA HABT IHR MIST GEBAUT!!!! okay, bei Biogas ist Seehofer aber auch nicht besser....

  • „In vielen Ländern ist die Elektrizitätsgewinnung mit Hilfe von Windmühlen schon heute günstiger als jene aus konventionellen Quellen wie Kohle, Öl oder Gas.“

    Allein das – sowie Ausbau und Weiterentwicklung der Technologien für erneuerbare Energie-Quellen - sollte(!) angesichts der immer dramatischeren Auswirkungen des Klimawandels schon aus reinem menschlichen Selbsterhaltungstrieb ausschlaggebend sein.

    Nicht irgendwelche „Erträge“ aus bzw. auf dem Papier.

  • Solarworld ist pleite, Nordex entlässt - also so einen richtigen Aufschwung bei erneuerbaren Energien Unternehmen, wie uns die Grünen versprachen, gibt es nicht. Nur die stark subventionierten Windbauern werden reich. Das ist alles.
    Wer zahlt es? Die Oma, der Sozialhilfe Empfänger, wir alle, die höhere Strompreise zahlen. Das ist gar nicht gut.

  • Wenn erst dämmert , wenn es schon dunkel ist, ist reichlich spät !

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