Energie

Wintershall-Chef zum Ölpreis
„Tanken wird langfristig wieder teurer“

Neuer Optimismus in der Ölindustrie: Wintershall-Chef Mehren prophezeit für die nächsten drei Jahre steigende Ölpreise. In der Krise hat die Branche ihre Investitionen massiv gekappt. Jetzt entstehe eine Angebotslücke.
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DüsseldorfEgal, ob Multi, Staatskonzern oder Spezialanbieter: Die globale Ölindustrie ist in den vergangenen Jahren in einen nie dagewesenen Sparrausch verfallen. Als Reaktion auf den Ölpreisverfall, der im Sommer 2014 einsetzte, erklärten Konzerne wie Saudi Aramco, Exxon Mobil oder Shell Effizienz und Kostendisziplin zur obersten Maxime. Um die erodierenden Erlöse und wegbrechenden Gewinne irgendwie zu kompensieren, wurden in der Branche in den vergangenen drei Jahren mehr als 440.000 Jobs gestrichen.

Die Industrie kürzte aber nicht nur beim Personal. Auch ihre angedachten Investitionen für die Erschließung neuer Öl- und Gasreserven kappte die Branche in Summe um ein Fünftel. Nach Berechnungen der Unternehmensberatung Wood Mackenzie entspricht das der unvorstellbaren Summe von rund einer Billion Dollar. Parallel mit dem Anstieg der Ölpreise Ende 2016 haben zwar die ersten Unternehmen wieder damit begonnen, mehr Geld für das Aufspüren neuer Quellen zu investieren. Aber Wintershall-Chef Mario Mehren ist überzeugt, dass die Kürzungsorgie, die davor stattgefunden hat, nicht ohne Folgen bleiben wird.

„In diesem Jahr rechnen wir beim Öl mit einem verhältnismäßig stabilen Preis von durchschnittlich 55 Dollar pro Barrel. Langfristig rechne ich aber wieder mit steigenden Preisen“, sagte Mehren dem Handelsblatt. Konkret rechnet der Vorstandsvorsitzende von Deutschlands größtem Öl- und Gaskonzern damit, dass in den Jahren 2018, 2019 und 2020 das Angebot im Ölmarkt deutlich hinter der Nachfrage zurück bleibt. „Ich bin deshalb vorsichtig optimistisch, dass wir eine schöne Ölpreisentwicklung sehen werden“, erklärte Mehren.

Ausgangspunkt für die Zuversicht des 46-jährigen Managers ist die Tatsache, dass die Ölindustrie jedes Jahr aufgrund versiegender alter Quellen ungefähr fünf bis sechs Millionen Fass Rohöl (159 Liter) an Tagesproduktion verliert. „In den vergangenen drei Jahren hat die Branche aber nicht ausreichend investiert, um diese Menge ersetzen zu können“, erklärt Mehren. Schon heute sei das Angebot im Ölmarkt unter die Nachfrage gerutscht. Langfristig dürfte diese Lücke noch „viel größer werden“, prophezeit Mehren. Die logische Folge: steigende Preise.

Was dem Wintershall-Chef ein Lächeln ins Gesicht zaubert, dürfte allerdings für viele Verbraucher zu einem echten Ärgernis werden. Pünktlich zu Ostern stellt Mehren Autofahrer jedenfalls darauf ein, dass Tanken langfristig wieder teurer werden dürfte.

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