Energie

Wintershall und Dea
BASF formt neuen deutschen Ölriesen

Der Chemiekonzern BASF steht nach Handelsblatt-Informationen kurz davor, sein Energiegeschäft mit Dea zu fusionieren. Durch den Deal entstünde ein neuer deutscher Ölprimus mit einem Marktwert von etwa 14 Milliarden Euro.
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Düsseldorf, FrankfurtDer Chemiekonzern BASF steht unmittelbar davor, einen neuen deutschen Öl- und Gasriesen zu formen. Nach Informationen des Handelsblatts aus Londoner Bankenkreisen steht die angedachte Fusion der BASF-Energietochter Wintershall mit der Dea-Gruppe vor dem Abschluss.

Vor knapp zwei Wochen hatte BASF erstmals über den möglichen Zusammenschluss seiner Energiesparte mit dem in Dea gebündelten Öl- und Gasgeschäft der Investmentgesellschaft Letter One des russischen Milliardärs Mikhail Fridman informiert. Analysten schätzen den Marktwert eines Gemeinschaftsunternehmens Wintershall Dea auf mehr als 14 Milliarden Euro.

BASF dürfte an dem neuen Konzern, das mehr als 4,3 Milliarden Euro umsetzt und etwa 210 Millionen Barrel (je 159 Liter) Öl- und Gas pro Jahr fördert, zunächst mindestens zwei Drittel des Kapitals halten. Mittelfristig ist auch ein Börsengang denkbar.

Die Investmentgesellschaft Letter One, die von Fridman kontrolliert wird, hatte Dea 2015 für rund 5,1 Milliarden Euro von RWE übernommen. BASF hatte sich damals ebenfalls für Dea interessiert, musste jedoch den Kürzeren ziehen. Dea hatte 2015 vom Energiekonzern Eon dessen Öl- und Gasquellen in der norwegischen Nordsee für 1,6 Milliarden US-Dollar übernommen.

Investoren und Analysten hatten die Pläne von BASF als Einstieg in den Ausstieg aus dem Ölgeschäft interpretiert. „Die Zusammenlegung von Dea und Wintershall könnte für BASF eine Gelegenheit darstellen, aus dem Upstream-Öl- und Gasgeschäft, das wenige Überschneidungen mit den sonstigen Aktivitäten des Chemiekonzerns hat, auszusteigen“, sagte John Feddersen, Chef des britischen Analysehauses Aurora Energy Research. Externe Experten spekulieren bereits seit Jahren darüber, dass sich der Ludwigshafener Chemieriese aus dem Öl- und Gasgeschäft zurückziehen könnte und sollte.

Mit einem schrittweisen Rückzug aus dem Bereich würde sich der Ludwigshafener Konzern von einer mehr als 100-jährigen Tradition als Produzent von fossilen Rohstoffen verabschieden. Sie begann bereits 1907 mit der Übernahme der Kohlezeche Auguste Viktoria und wurde Ende der 60er-Jahre mit dem Erwerb von Wintershall fortgesetzt.

Hinter den Engagements stand dabei stets das Prinzip der „Rückwärtsintegration“, das heißt die Strategie, möglichst alle wichtigen Ausgangsstoffe für die Chemieproduktion in eigener Regie zu produzieren. Die Öl- und Gassparte wurde lange Zeit auch als Ausgleich für schwankungsanfällige Chemieerträge betrachtet.

Die Transaktion würde aber in den Konsolidierungstrend der Ölindustrie passen, der bereits zu einer ganzen Reihe von Übernahmen führte. Cornelia Meyer, unabhängige Ölmarktexpertin in London, wertete den möglichen Deal daher auch als elegante Lösung, um das Geschäft attraktiv für andere Interessenten zu machen. „Jetzt ist eine gute Zeit für Fusionen und Asset-Deals, weil die Ölpreise wahrscheinlich steigen werden. Allein wäre Wintershall wohl zu klein.“

Meyer schätzt, dass zum Beispiel Konzerne wie die österreichische OMV mittelfristig an dem neuen Unternehmen interessiert sein könnten, nicht zuletzt weil Wintershall und Dea ein großes Erdgasportfolio besitzen. Bei Dea entfallen 44 Prozent der Gesamtproduktion auf Gas, bei Wintershall sogar rund 70 Prozent.

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