Energie

Zeche Auguste Victoria schließt
Das Ende des Kohle-Zeitalters

Schicht im Schacht: Das Steinkohlebergwerk Auguste Victoria in Marl wird dichtgemacht. Bald folgen auch die letzten beiden verbliebenen Zechen in Deutschland. Denn der Klimakiller Kohle ist ein Auslaufmodell.

MarlDeutschlands Steinkohle stirbt. Doch Ralf Zander will es immer noch nicht so recht glauben. Erst als er sieht wie seine Kumpel, das letzte Gefäß mit Kohle aus der tausend Meter tief hinabragenden Zeche Auguste Victoria ans Tageslicht fördern, realisiert der 46-jährige Bergmann, dass sein Beruf nicht mehr gebraucht wird. „Da trifft einen die Realität urplötzlich voll ins Gesicht“, sagt Zander. Seit 1986 arbeitet er unter Tage. Er ist hier ein Urgestein. Zander ist in Marl geboren und aufgewachsen. Ein typisches Kind des Ruhrgebiets: breite Schultern, große Klappe. Schroff und herzlich zugleich.

Wie dutzende seiner Kollegen wollte er am Freitag Abschied nehmen. Zum letzten Mal läutete auf der Auguste Victoria die Glocke, die den Bergleuten den Schichtwechsel signalisiert. Nach 116 Jahren wurde damit eines der letzten Steinkohlebergwerke Deutschlands offiziell geschlossen. Schicht im Schacht. Übrig bleiben hierzulande nur noch die Zechen in Ibbenbüren am Rande des Münsterlandes und in Bottrop. Doch auch dort ist Ende 2018 Schluss.

Kohle ist ein Auslaufmodell. Die Klimabilanz des Rohstoffs ist miserabel. Wegen des schlechten Brennwerts setzt die Verfeuerung von Kohle der Erdatmosphäre massiv zu. Zudem rechnet sich Bergbau in Deutschland schlichtweg nicht mehr. In tausend Meter Tiefe nach Kohle zu buddeln, ergibt selbst mit Subventionen keinen Sinn, wenn zeitgleich etwa in Australien riesige Schaufelradbagger den Rohstoff im Tagebau gewinnen können. Bereits 2007 hat der Bundestag deshalb das Aus für Deutschlands Zechen beschlossen. 2018 endet der subventionierte Bergbau in Deutschland endgültig.

Wurden 1995 noch 53 Millionen Tonnen Steinkohle in Deutschland gefördert, sind es heute weniger als acht Millionen Tonnen. Das entspricht in etwa 14 Prozent des deutschen Steinkohle-Verbrauchs. Der Rest wird günstig aus aller Welt importiert. Einst haben mehr als 600.000 Menschen ihr Geld mit dem schwarzen Gold in der Bundesrepublik verdient. Heute sind es nur noch knapp 10.000. Auch in Großbritannien schloss am Freitag das letzte Kohlebergwerk.

„Keiner fällt ins Bergfreie“, rief Hannelore Kraft den verbliebenden Bergmännern am Freitag bei der Zechenschließung in Marl zu. Die Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalens betonte: „Wir werden das Ruhrgebiet nicht im Stich lassen.“ Die Kumpel sind gut abgesichert. All jene, die unter Tage gearbeitet haben, gehen mit 50 quasi in den Vorruhestand und machen nur mehr Kurzarbeit. Wer das Rentenalter noch nicht erreicht hat, wird umgeschult. Kraft verwies darauf, dass das Know-how der Bergleute auch bei der Energiewende gefragt sei – etwa bei Pumpspeicherkraftwerken. Dennoch ist das Aus für den Bergbau ein harter Schlag für die Region.

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Die letzten Bergmänner bauen zurück

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