Energie

Zehn Milliarden Kubikmeter
RWE liefert der Ukraine Gas

Wegen der Preissteigerung für russisches Gas will die Ukraine die Energieversorgung über deutsche und französische Firmen sichern. Den Anfang macht RWE, das rund ein Fünftel des ukrainischen Gesamtbedarfs liefern könnte.
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Düsseldorf/Essen/KiewDer Essener Energiekonzern RWE startet am Dienstag als erster europäischer Versorger Gaslieferungen an die Ukraine. Die Tochter RWE Supply & Trading habe am Dienstag Lieferungen an die staatliche Gasgesellschaft Naftogaz of Ukraine aufgenommen, teilte RWE am Dienstag mit. Das Gas fließe über Polen und werde zu europäischen Großmarktpreisen einschließlich der Transportkosten abgerechnet. Die Liefermenge wurde nicht genannt.

Grundlage ist ein 2012 unterzeichneter Rahmenvertrag mit dem ukrainischen Staatsunternehmen Naftogaz mit der Option zur Lieferung von jährlich bis zu 10 Milliarden Kubikmetern Gas. Das ist eine erhebliche Menge: Der gesamte Gasverbrauch Deutschlands liegt bei 80 bis 90 Milliarden Kubikmetern im Jahr, der der Ukraine bei rund 55 Milliarden Kubikmetern.

Russland hatte im Zuge des Konfliktes mit der Ukraine den Gaspreis für seine Lieferungen in das Nachbarland massiv erhöht. Der von Gazprom aktuell verlangte Preis liege nun nicht mehr deutlich unter dem europäischen Niveau, sondern rund 100 Dollar (72,50 Euro) pro 1.000 Kubikmeter darüber, hieß es aus Marktkreisen. Deshalb seien Lieferungen aus dem Westen für die Ukraine derzeit äußerst attraktiv. Gas kostet auf den europäischen Märkten in etwa 380 Dollar (275 Euro) pro 1.000 Kubikmeter.

Die Ukraine hatte erklärt, ihre Energieversorgung mit Hilfe deutscher und französischer Unternehmen sichern zu wollen. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte angekündigt, dass Russland die ehemalige Sowjetrepublik künftig nur noch gegen Vorauszahlung mit Erdgas beliefern und notfalls die Versorgung drosseln werde.

RWE hat 2013 bereits eine Milliarde Kubikmeter Gas an die Ukraine geliefert und deshalb Erfahrungen mit den Abläufen. Die Pipeline durch Polen ist eher klein. Weitere bedeutende Mengen könnten durch eine größere Leitung durch die Slowakei geführt werden. Dazu müssten aber politische und technische Probleme an der slowakisch-ukrainischen Grenze in den nächsten Wochen und Monaten gelöst werden, hieß es in der RWE-Mitteilung. Näher erläutern wollte das ein Sprecher nicht.

Die Slowakei-Pipeline transportiert vor allem russisches Erdgas in den Westen. Sie hat aber genug freie Kapazität, um in Teilen per Schubumkehr („reverse flow“) auch Gas aus dem Westen nach Osten zu bringen. RWE bezieht sein Gas unter anderem aus Russland, Norwegen und den Niederlanden. Nach dem milden Winter 2013/2014 sind die Speicher bei vielen europäischen Versorgern gut gefüllt.

Einen Bilanzcheck von RWE finden Sie zum Download im Kaufhaus der Weltwirtschaft.

Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Zehn Milliarden Kubikmeter: RWE liefert der Ukraine Gas"

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  • Ein sehr kluger Schachzug von RWE.
    JEtzt werden die Russen, wenn alles läuft wie geplant, die Lieferungen einstellen. Dann kann man die Verträge die es gibt für nichtig erklären und das Erdgas zum halben Preis auf dem Weltmarkt einkaufen. Anlanden kann man dann in Holland am LNG Terminal. Mal sehen ob die Russen drauf reinfallen.

  • Die Russen werden nichts dagegen haben, solange wir dafür bezahlen. Und das ist zum Kotzen! Wir, die Steuerzahler in D werden für die Spielchen der Amis gerade stehen...

  • Die RWE bezieht auch Gas aus Russland. Leitet man dieses Gas jetzt in die Ukraine um? Russland dürfte das nicht gefallen.

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