Energie

Zerschlagung des Energiekonzerns Innogy-Vorstand verhält sich bei Eon-Offerte neutral – und sorgt sich um Mitarbeiter

Der Vorstand hat sich erstmals zum Übernahmeangebot geäußert – lehnt aber eine Empfehlung ab. Am Freitag wird über die Zukunft der Mitarbeiter verhandelt.
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Der Innogy-Chef hielt sich lange mit einer öffentlichen Bewertung des Verkaufs zurück. Quelle: Reuters
Uwe Tigges

Der Innogy-Chef hielt sich lange mit einer öffentlichen Bewertung des Verkaufs zurück.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfFast zwei Monate lang hielt sich Innogy-Chef Uwe Tigges zur geplanten Übernahme durch Konkurrent Eon mit einer öffentlichen Bewertung zurück. Jetzt hat er sich gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen geäußert – und sich neutral verhalten: Gemeinsam mit dem Aufsichtsrat entschied der Vorstand „nach eingehender Prüfung“ der Angebotsunterlage „keine Empfehlung an die Innogy-Aktionäre“ abzugeben.

„Aufgrund von nicht-öffentlichen Vereinbarungen zwischen Eon und RWE können wir nicht beurteilen, ob der Angebotspreis insgesamt angemessen ist“, sagt Innogy-Chef Tigges am Donnerstagnachmittag im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung. Gleichzeitig bekräftigte er die Sorgen über die Zukunft der Mitarbeiter: „Unabhängig von der Höhe des Angebotspreises haben wir die große Sorge, dass der von Eon geplante Stellenabbau einseitig zu Lasten der Mitarbeiter von Innogy erfolgen wird.“
Eon hatte sich Mitte März mit RWE auf ein spektakuläres Tauschgeschäft geeinigt. Eon übernimmt dabei die 76,8 Prozent, die RWE noch an der Tochter hält.

Im Gegenzug erhält RWE unter anderem eine Beteiligung von 16,7 Prozent an Eon und die Aktivitäten von Innogy und Eon bei der Stromproduktion mit erneuerbaren Energien. Der Newcomer Innogy, den RWE erst vor zwei Jahren abgespalten und an die Börse gebracht hatte, verliert damit schon wieder die Selbstständigkeit und wird zerschlagen.

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Entsprechend groß ist seither die Unruhe bei der Belegschaft von Innogy. Zumal Eon-Chef Johannes Teyssen schon angekündigt hat, rund 5000 der 70.000 Stellen im fusionierten Konzern abzubauen. Tigges und der Vorstand hielten sich aber strikt an die Formalien im Übernahmeverfahren, die erst nach Veröffentlichung und Prüfung der Offerte eine „begründete Stellungnahme“ des Kaufobjekts vorsehen. Vor knapp zwei Wochen hat Eon die Offerte veröffentlicht. Die übrigen Aktionäre von Innogy sollen 36,76 Euro je Aktie erhalten – und die für 2018 zu erwarteten Dividende von 1,64 Euro. Der Abschluss der Transaktion wird sich schließlich bis Ende 2019 ziehen. Aktuell notiert die Innogy-Aktie mit 36,50 Euro knapp unter dem Barangebot.

Auf Basis der vorliegenden Informationen und unter Berücksichtigung der Beurteilungen der involvierten Investmentbanken halten Vorstand und Aufsichtsrat von Innogy den von Eon gebotenen absoluten Preis je Innogy-Aktie zwar „für angemessen“. Wegen der „weitreichenden Tauschgeschäfte“ zwischen Eon und RWE, können Vorstand und Aufsichtsrat nach eigenen Angaben „die Angemessenheit des Angebots für die Minderheitsaktionäre nicht abschließend beurteilen“.

Aktionärsschützer hatten den Aktionären geraten, zumindest die Stellungnahme des Vorstands abzuwarten – und am besten das Gebot gar nicht anzunehmen. Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) erwartet, dass Eon nach Abschluss der ersten Offerte ein zweites, höheres Gebot unterbreiten wird – um die Minderheitsaktionäre abzufinden und einen Beherrschungsvertrag schließen zu können. „Ich erwarte einen angemessenen Ausgleich für die Zukunft, die man den Innogy-Aktionären nimmt“, sagte Hechtfischer vor gut zwei Wochen auf der Hauptversammlung von Innogy. Auch Joachim Krekel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SDK) riet auf der Hauptversammlung zur Geduld: „Wir sehen den Wert eher bei 50 Euro denn bei 40 Euro.“

Die Hoffnung hat Finanzvorstand Marc Spieker am Mittwoch bei der Präsentation des Zwischenberichts aber gedämpft. Eon wolle zwar so viele Aktien wie möglich erwerben, könne seinen Ziele aber schon mit dem von RWE angedienten Anteil erreichen. Sollten Aktionäre auf ein späteres Abfindungsangebot spekulieren, sei dies eine riskante Strategie. Dieses werde auf Basis eines Gutachtens eines unabhängigen Wirtschaftsprüfers ermittelt. „Das kann mehr sein, genauso hoch oder auch geringer.“

Am Freitag wird sich Tigges mit Eon-Chef Teyssen und RWE-Chef Rolf Martin Schmitz treffen, um über die Zukunft der Mitarbeiter zu sprechen. Flankiert wird das Gespräch unter anderem von Verdi-Chef Frank Bsirske, IGBCE-Vorstand Ralf Sikorski und den Betriebsratschefs der Unternehmen. Vor einer Woche hatte es ein erstes Treffen gegeben. Die Gewerkschaften drängen darauf, schon am Freitag ein Grundsatzpapier zu vereinbaren. Es soll festhalten, dass die Vereinbarungen der drei Unternehmen zum Kündigungsschutz zusammengeführt werden – und die Grundlage für entsprechende Detailverhandlungen legen.

„In die Gespräche mit Eon ist zwar gerade in den vergangenen Tagen etwas Bewegung gekommen“, sagte Innogy-Chef Tigges: „Den Verhandlungserfolg messen wir jedoch allein daran, dass den Innogy-Mitarbeitern verbindliche und verlässliche Zusagen für einen fairen Integrationsprozess gemacht werden.“

Teyssen hatte sich am Mittwoch auf der Hauptversammlung nicht nur bei den Aktionären, sondern auch bei den Mitarbeitern für die Fusion geworben: „Ich werde für eine faire und ausgewogene Integration sorgen. Keiner von Innogy wird schlechter behandelt, als ein Eon-Mitarbeiter“, versprach Teyssen: „Sie können mich beim Wort nehmen.“ Personalanpassungen habe Eon aber in der Vergangenheit „immer sozialvertraglich gestaltet“, betonte Teyssen – und versprach: „Alle anfänglichen Lasten und alle langfristigen Chancen gehen natürlich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Eon und Innogy gleichermaßen an. Keine Seite soll alleine Lasten tragen, alle sollen gemeinsam gewinnen.“

Nach seinen Worten ist die Zahl der betroffenen Stellen auch zu bewältigen. Allerdings dürften vor allem die Zentralen und Verwaltungseinheiten von Innogy und Eon im Ruhrgebiet betroffen sein, Während Auslands- und Regionalgesellschaften kaum betroffen wären. In Kreisen der Arbeitnehmervertreter wird schon befürchtet, dass hier jede Vierte Stelle abgebaut werden könnte.

Die Integration wird auch kulturell zur Herkulesaufgabe. Schließlich wird Innogy fast die Hälfte der neuen Mitarbeiter stellen – und Jahrzehntelang waren beide Unternehmen erbitterte Rivalen.
„Wir sind der festen Überzeugung, dass eine Zusammenführung von Innogy und Eon nur dann für alle Beteiligten erfolgreich sein wird, wenn alle Verantwortlichen das Vorhaben als gemeinsames Projekt betrachten und fair miteinander umgehen“, sagte

Innogys Aufsichtsratschef Erhard Schipporeit. „Die Kernregion Rhein und Ruhr wird langfristig davon profitieren, wenn der anstehende Integrationsprozess zwischen Eon, RWE und innogy so reibungslos und geordnet wie möglich über die Bühne geht.“
Da beide Unternehmen gemessen „an Börsenwert, Umsatz und Mitarbeiterzahl in etwa gleich groß“ seien, fordert das Innogy-Management, „dass die Starken beider Unternehmen honoriert werden und bei Doppelbesetzungen der jeweils geeignete Mitarbeiter zum Zuge kommt“. Zudem solle die Rahmenvereinbarung „von einem unabhängigen Dritten überwacht“ werden.

Offenbar ist das Management mit der Kompromissbereitschaft von Eon aber bislang nicht zufrieden. Obwohl Innogy in vielen Bereichen gegenüber Eon Wettbewerbsvorteile habe, lasse Eon bisher offen, „ob diese Vorteile im Integrationsprozess berücksichtigt werden“. „Auch ist Eon bisher nicht bereit, sich auf den Erhalt von innogy als Vertriebs- und Partnermarke festzulegen, obwohl der Marke von unabhängigen Instituten ein nachhaltigeres, innovativeres und kundenorientierteres Image und ein höherer Markenwert als der Marke Eon bescheinigt wird.“

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