Energie

Zitterpartie für Anleger
Die Windgeschäfte des Willi Balz

Durchsuchungen bei Windreich werfen ein zweifelhaftes Licht auf den Projektentwickler für Windparks. Ein Anlagesegment gerät damit in Misskredit – denn die Firma hat sich über Mittelstandsanleihen mit Geld versorgt.
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Düsseldorf35 Einsatzkräfte des Landeskriminalamtes durchsuchten am Dienstag die privaten Wohnungen und Geschäftsräume von Windreich. Das Unternehmen ist als Projektentwickler verantwortlich für den Aufbau von Offshore-Windparks in Deutschland. Der Verdacht der Staatsanwaltschaft Stuttgart: Bilanzmanipulation.

Es ist kein kleiner Fisch, den die Staatsanwälte da an der Angel haben: Laut dem Marktforscher Wind Research ist Windreich mit 35 Prozent der gesicherten Flächen für Offshore-Windparks Marktführer in der deutschen Nordsee. Nach Unternehmensangaben verfügt der Projektentwickler zudem „als einziger Marktteilnehmer“ über planmäßig verlaufende Offshore-Windparkprojekte mit einer Kapazität von über 1000 Megawatt. Das Unternehmen kündigte an, „vollumfänglich“ mit der Staatsanwaltschaft zu kooperieren. „Die Anschuldigungen werden sich als haltlos erweisen“ hieß es in einer Presseerklärung. „Ich fühle mich als Opfer“ sagte Windreich-Vorstandschef Willi Balz dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe), „die Verlierer der Energiewende gönnen mir den Erfolg nicht“.

Laut Informationen des Handelsblatts ermittelt die Staatsanwaltschaft nicht nur gegen Vorstandschef Willi Balz sondern auch gegen Technikvorstand Heiko Roß, Anil Srivastava, als Vorstandsmitglied zuständig für Internationales und Projektfinanzierung, sowie den im Mai abgetretenen Finanzvorstand Matthias Hassels und den im Juli ausgeschiedenen ehemalige stellvertretende Vorstandschef Walter Döring.

In der Branche zeigte man sich laut Medienberichten seit langem erstaunt darüber, dass Windreich die Finanzierung der Riesen-Offshore-Projekte trotz zahlreicher Unsicherheiten wie fehlender Netzanbindungen stets stemmen konnte. Große Konzerne wie der Energieversorger EnBW lassen hingegen ihre Windparkprojekte auf dem Meer wegen der zahlreichen Unsicherheiten oft ruhen.

Erst am Montag war Windreich in die Schlagzeilen geraten, weil das Unternehmen seinen Anleihezeichnern die Zinsen nicht pünktlich gezahlt hatte. Zudem setzte die Stuttgarter Börse den Handel der Windreich-Anleihen im Mittelstands-Segment BondM aus Anlegerschutzgründen vorübergehend aus. Laut „Börsen-Zeitung“ war der Grund, dass das Unternehmen seiner Pflicht, ein aktuelles Rating zu veröffentlichen, nicht nachgekommen war.

Die säumigen Zinsen hat Windreich inzwischen zwar bezahlt. Aus dem BondM-Segment der Börse Stuttgart hat sich das Unternehmen jedoch zurückgezogen, angeblich um damit Kosten in Höhe von 500.000 Euro zu sparen. „Dass Windreich angibt, durch das Downgrade in den Freiverkehr 500.000 Euro zu sparen, ist schwer vermittelbar“, sagt Peter Thilo Hasler, Kapitalmarktexperte von Blättchen & Partner, zu Handelsblatt Online. „Die Kosten für die Börse, den BondM-Coach und die Ratingagentur liegen weit unter 100.000 Euro“.

Wie auch immer, nun muss Windreich kein neues Rating mehr veröffentlichen. Der Windkraft-Projektierer schiebt hohe Schulden vor sich her. Das Unternehmen hatte zuletzt bei einem Eigenkapital von rund 152 Millionen Euro Anleiheverbindlichkeiten von rund 131 Millionen Euro und zusätzlich noch Fremdkapitalverbindlichkeiten von rund 114 Millionen Euro in den Büchern. Mit den Anleihen liegt es bei einem Verschuldungsgrad von weit über 100 Prozent. Zudem schreibt Windreich tiefrote Zahlen.

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  • So stand es im Handelsblatt:

    "Und seine Turbo-Propeller-Flugzeuge – eine Pilatus PC 12 mit zehn Sitzen und eine Piper Malibu mit sechs Sitzen – vermietet er hin und wieder an prominente Politiker wie den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus."

    ...und...

    "Im Jahr 2009 habe Windreich seinem Eigentümer Balz Darlehen von 48,5 Millionen Euro gewährt, die er vor allem für den Erwerb historischer Rennwagen verwendete; ... Die kostbaren Oldtimer, kritisierte Creditreform, gehörten wohl eher in die „Privatsphäre“.

    Seine Pilatus PC 12 (gibt es gebraucht schon für unter 2 Mio. Dollar/oder man least) nutzte Herr Balz gerne, um Journalisten seinen im Bau befindlichen Windpark aus der Luft zu zeigen. Mit diesem Flugzeug ist man halt schnell von Süddeutschland in den hohen Norden gespurtet. Ob das aber wirtschaftlich sinnvoll ist?!

  • Sie haben Recht, ja das ganze EEG Gesetz ist eine staatlich gelenkte Planwirtschaft.
    Die Asiaten freuen sich über derartige Einschränkungen zu Lasten unserer Industrie!

  • @Gaffel
    Über Unternehmensrisiken brauchen Sie mir/uns nichts erzählen. Visionen haben sich früher oder später dem Markt zu stellen. Bei den Erneuerbaren Energievisionen war von vorherein klar, dass dies Visionen bleiben würden. Darum hat man auch politisch über das EEG den Endverbrauher dazu gezwungen, diese Visionen mit EEG-Zwangsabgaben über mind. 20 Jahre zu subventionieren. Zwangsabzocke im Namen der Vision! Mit dem EEG hat die gesamte Erneuerbare Energiebranche die Unternehmensrisiken eines am Markt auftrettenden Unternehmens abgenommen bekommen. Auf Kosten von steigenden Strompreisen in Form von einer EEG-Zwangsabgabe,Offshore Abgabe, Netzentgeltausbau Abgabenerhöhung. Das ist nicht mehr marktwirtschaftlich, sondern planwirtschaftliche Abzocke am Bürger!

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