Energie

Zollstreit mit China
Schadet dieser Mann Europa?

Es klingt wie im Krimi: 25 Mittelständler provozieren einen europäischen Handelskrieg mit China. Dabei könnten die Zölle, die gegen chinesische Solarmodule verhängt werden sollen, sogar ihnen selbst schaden.
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Düsseldorf/Berlin Die Geschichte erinnert ein bisschen an David gegen Goliath, nur weiß man nicht genau, wer dabei der Böse ist: Die mittelständische Firma Solarworld aus Bonn, mit rund 600 Millionen Euro Jahresumsatz, setzt sich gegen eine Milliarden-Industrie durch und zieht dabei den Zorn der neun Billionen schweren chinesischen Volkswirtschaft auf sich. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ab dem 6. Juni chinesische Solarmodule in der EU mit Strafzöllen belegt werden. Es wäre ein Erfolg für die Initiative EU Pro-Sun, zu der sich 25 europäische Solarunternehmen unter der Führung von Solarworld zusammengeschlossen haben.

Wie schwer die Entscheidung der Europäischen Kommission zu Strafzöllen jedoch auf den Beziehungen zu China lastet, zeigt sich in diesen Tagen beim Besuch von Chinas Ministerpräsidenten Li Keqiang bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin. Dabei waren die Handelsschranken Thema. Merkel bemühte sich um Schlichtung und versicherte Li, dass sie nichts von dauerhaften Strafzöllen halte.

Auch deutsche Ökonomen kritisieren das Vorgehen der EU-Kommission. „In Zeiten der Globalisierung sind Strafzölle ein Anachronismus“, sagte Manuel Frondel, Leiter des Kompetenzbereichs „Umwelt und Ressourcen“ am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI). „Ein Strafzoll auf chinesische Solarmodule wird Wettbewerbsbeschränkungen auf chinesischer Seite nach sich ziehen“, fürchtet er.

Bereits an anderer Stelle wurde vor Vergeltungsmaßnahmen von chinesischer Seite gewarnt.

Doch damit nicht genug: Auch diejenigen, die die Geister riefen, könnten sie möglicherweise nicht mehr loswerden. „Wenn die Strafzölle umgesetzt werden, werden die Preise für Photovoltaik-Anlagen stark steigen und die Nachfrage extrem einbrechen“, vermutet RWI-Experte Frondel. „Darunter würden dann auch die Umsätze der deutschen Solarunternehmen leiden“, sagt er.

Das bestätigt auch eine vom Forschungsinstitut Prognos bereits im Februar vorgestellte Studie. Demnach würden Strafzölle höhere Preise für Solar-Panels nach sich ziehen. Daraufhin würde die Nachfrage einbrechen und damit weniger Solarmodule installiert und gewartet werden. Zwar hätten europäische Solarhersteller Vorteile von den Strafzöllen. Die dadurch entstehenden Arbeitsplätze entsprächen aber gerade einem Fünftel der an anderer Stelle verlorenen Jobs, heißt es in der Studie. Je nach Höhe der Strafzölle könnten innerhalb von drei Jahren allein in Deutschland bis zu 84.700 Jobs wegfallen. Deutschland wäre damit in Europa am stärksten betroffen.

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Solarenergie könnte wieder teurer werden

Kommentare zu " Zollstreit mit China : Schadet dieser Mann Europa?"

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  • Solarworld ist seit Monaten Insolvent! Die haben bereits ihr Eigenkapital aufgebraucht und Schieben einen 500 Mio. EURO Schuldenberg vor sich her. Dieser wird IMMER Größer!
    Die 600 Mio. EURO Umsatz sind ein Witz, weil Umsatz nicht gleich Gewinn bzw. Cashflow (Barbestand) bedeutet. So zu sagen macht Solarworld seinen Umsatz mit Verlust und somit zieht dies immer mehr Schulden nach sich!
    Und diese Pleitefirma und auf EEG-Zwangssubventionsabgeben angewiesene Abzockerfirma will China Strafzölle auf Kosten der restlichen Industriebranchen Europas/Deutschland verhängen lassen!? Das ist ein Witz und diese Solarfirmen ala Solarworld gehören endlich in das Insolvenzverfahren. Diese Firmen betreiben seit Monaten Insolvenzverschleppung!

  • Sehr geehrte Handelsblatt-Redaktion,
    in der Berichterstattung zu möglichen Strafzöllen auf chinesische Solarmodule durch die EU fehlt mir - und dies zum wiederholten Male - eine angemessene Betrachtung der Hintergründe und des Rahmens, in dem sich dieser Konflikt abspielt. Strafzölle sind üblicherweise eine Reaktion auf das Nichteinhalten von Handelsregeln, deren Einhaltung jedoch eine Grundvoraussetzung für einen (zukünfig hoffentlich) fairen globalisierten Wettbewerb ist. Leider erfährt der Leser wieder zu wenig über die Details der Handelsregeln, deren Einhaltung im konkreten Fall strittig ist, über die Strittigkeit bzw. einen Konsens zu den Regelungen selbst und warum dieser Streit sich gerade in der Solarbranche mit solcher Heftigkeit entlädt. Es geht bei diesem Thema doch nur in zweiter Ordnung um die Entwicklung in einer konkreten Branche (hier Solar), sondern vor allem um die zukünftige Entwicklung von Handelsregelungen in einer vollständig globalisierten Welt.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Namir Ljuhic.

  • Lieber Herr Wolf! EU-Recht? Auch dieses muss sich den WTO-Abkommen unterordnen. Die Welt ist eben größer als man annimmt und endet nicht in Brüssel.

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