Energie

Zwischen Recycling und Import
Das US-Dilemma um die Kohlenasche

Kohlenasche gilt als Abfallprodukt. Aufbereitet kann sie aber ein wertvoller Rohstoff für Beton oder für den Straßenbau sein. In den USA setzt ein Umdenken ein: Recycling ist günstiger als das Abladen auf einer Deponie.
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RichmondDie Container mit Kohlenasche im Hafen von Virginia kommen aus China, Polen oder Indien. Ausländische Firmen haben einen Markt gefunden für die Substanz, die bei der Verbrennung von Kohle entsteht. US-Unternehmen tun sich damit noch schwer. Kritiker sehen das als verpasste Chance. Denn die Asche kann wertvoller Rohstoff sein, etwa im Straßenbau, für Beton oder Wandplatten. Sie fordern Recycling jener Kohlenasche, die schon da ist – und die eine ernste Umweltgefahr werden kann.

„Wir haben Millionen von Tonnen hier entlang unserer Flussufer“, sagt der Aktivist Travis Blankenship, ehemaliger Manager der Umweltschutzgruppe Virginia League of Conservation Voters. „Warum um alles in der Welt sollen wir die Kohlenasche dann aus anderen Staaten und Ländern importieren?“

Weil die USA weniger Strom aus Kohle erzeugen, ist der Nachschub an frischer Kohlenasche zurückgegangen. Die Industrie muss sich anderweitig versorgen. Einige lassen sich aus dem Ausland beliefern. Andere überlegen, wie sie alte Asche, die vor Jahren in Gruben und Tümpeln abgeladen wurde, wieder aufbereiten können.

Kohlenasche ist ein Oberbegriff. Er umfasst die Schlacke, die bei Verbrennung entsteht, dazu die pulverartige Flugasche, die etwa in Kaminen zu finden ist, und den synthetischen Gips, ein Nebenprodukt von Kohlekraftwerksabgasen. Diese Materialen sind meist relativ preiswert direkt bei den entsprechenden Unternehmen zu erhalten. Wenn sie jahrzehntelang unter der Erde oder unter Wasser lagen, sind sie deutlich teurer. Deswegen können sich Importe lohnen, wenn der Nachschub knapp wird.

US-weit gibt es mehr als 1100 Kohlenasche-Deponien. Im Jahr 2014 bezeichnete die Umweltbehörde EPA den Stoff als ungefährlich, auch um ein Stigma zu vermeiden, das eine angemessene Aufbewahrung und Wiederaufbereitung behindert, wie die EPA einräumte. Sie betonte jedoch auch, dass dieses Abfallprodukt mit Schwermetallen wie Arsen, Quecksilber oder Blei angemessen behandelt werden müsse, um Gesundheitsgefahren für den Menschen auszuschließen.

Inzwischen hat Kohlenasche einen wirklichen Wert und die Technologie, sie aufzubereiten, wird immer häufiger eingesetzt. „Wir können das Material, das eine Umweltbelastung wäre, nehmen und in etwas verwandeln, was einen wirklichen Nutzen hat“, sagt Jimmy Knowles von der SEFA Group, die mit Partnern in South Carolina und Maryland sowohl alte wie neue Asche aufbereitet. Mitbewerber Separation Technologies tut das Gleiche.

Recycling-Firmen sehen langfristige Einsparungen, weil die Deponien nicht mehr in Stand gehalten und beobachtet werden müssen. Betonhersteller könnten ihre Produkte günstiger und haltbarer machen, wenn sie einen Teil des Zements durch Kohlenasche ersetzen würden.

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„Wir haben einen Engpass“

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  • Die Amerikaner können jetzt mit dem Recycling ein Haufen Geld verdienen! Gibt es eigentlich solche Unternehmen in Deutschland, die die Kohlenasche überarbeiten können? Oder würde es sich für uns besser lohnen, wenn wir die Kohlenasche exportieren?
    Hier könnte sich eine Marktnische für mittelständische Unternehmen eröffnen, die den Import bzw. den Export von diesem Kohlenmüll übernehmen würden. Die Frage ist, ob sich die Unternehmen mit dem Jahresumsatz von weniger als €500.000 auch daran beteiligen würden. Das sind solche, die keine Meldungen für die Intrahandelsstatistik abgeben müssen (http://www.intrastat-service.de/). Wichtig ist, dass alle Bewegungen von Kohlenasche registriert werden können, damit man in wenigen Jahren einschätzen kann, ob das ganze Recycling-Geschäft richtig funktioniert. Und ob Deutschland davon tatsächlich profitiert.

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