Energie

Zwist unter Aufsichtsräten
Konflikt um Stellenabbau bei Salzgitter

Die Lage ist brisant: Der Aufsichtsratschef von Salzgitter sieht das Werk in Peine „in seiner Existenz bedroht“. Großaktionär Niedersachsen ist gegen eine Schließung, auch die Gewerkschaft kündigt Widerstand an.
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FrankfurtDer Aufsichtsratschef von Salzgitter will den Stahlkonzern umkrempeln. „Die Wege von der Ofenbühne zum Spitzenmanagement müssen kürzer werden und die Produktion flexibler“, sagte Rainer Thieme der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Die Lage sei brisant und man müsse gegensteuern.

Das Werk in Peine sieht Thieme „in seiner Existenz bedroht“. Peine dürfe nicht den gesamten Konzern in Gefahr bringen. Am Standort Peine arbeiten weniger als fünf Prozent der Konzernbelegschaft - aber das Stahlträgerwerk sorgte zuletzt für mehr als die Hälfte der Verluste im laufenden Geschäft. Die Tochter wird nun immer mehr zur entscheidenden Zukunftsfrage. Management und Belegschaftsvertreter arbeiten derzeit hart an einem Sanierungskonzept. „Nur wenn sich hier etwas bewegt, möchte ich heute die schlimmstmögliche Entscheidung ausschließen“, ergänzte Thieme.

Salzgitter hatte in der vergangenen Woche den Abbau von mehr als 1500 Stellen angekündigt, nachdem der Konzern Anfang August seine Geschäftsprognose erneut gesenkt hatte. Nun rechnet das Unternehmen für das laufende Jahr mit einem Vorsteuerverlust von 400 Millionen Euro. Auf der Suche nach Lösungen für den kriselnden Stahlhersteller deutet sich im Aufsichtsrat nun ein handfester Konflikt zwischen Kapital- und Arbeitnehmerseite an.

Inzwischen hat sich das Land Niedersachsen gegen eine schärfere Gangart bei der Sanierung Salzgitters ausgesprochen. Das Land ist mit 26,5 Prozent größter Einzelaktionär des Konzerns und hat eine entscheidende Machtposition. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte vergangene Woche, dass der Standort Peine nicht zur Debatte stehe.

Details im Jobabbau sollen Ende September festgezurrt werden, wenn der Aufsichtsrat die Sparpläne berät. Die IG Metall, deren Vorstand Hans-Jürgen Urban Vize-Aufsichtsratschef ist, wies das Sparziel von gut 1500 Stellen bereits als „spekulativ und überflüssig“ zurück. Betriebsbedingte Kündigungen dürfe es auf keinen Fall geben und konzernweit müssten tragfähige, nachhaltige Perspektiven her.

Aufsichtsratschef Thieme sieht Fehler in der Konzernführung, die in den guten Zeiten der vergangenen Jahre die Hausaufgaben nicht gemacht und Vorsorgen verpasst hätte. „In dieser guten Zeit hätten wir uns noch stärker auf Schlechtwetter vorbereiten sollen.“ Eigene Versäumnisse sieht der Chefkontrolleur aber nicht. „Die Wettbewerbsfähigkeit der Standorte zu sichern, ist Aufgabe des Vorstands.“

Das Problem sei nicht nur die Schwäche des Stahlmarktes, „sondern auch die Verschachtelung und der mangelhafte Informationsfluss im Konzern“. Niedersachsens Finanzminister Peter-Jürgen Schneider sagte, er rechne damit, dass sich der Aufsichtsrat am 26. September mit dem Sanierungsplan befassen werde. Eine Woche vorher solle der Haushaltsausschuss des Landtags über die geplanten Einschnitte unterrichtet werden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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