Energiekonzern: Vattenfall streicht 1500 Stellen in Deutschland

Energiekonzern
Vattenfall streicht 1500 Stellen in Deutschland

Der Umbau bei Vattenfall trifft die Mitarbeiter: Der schwedische Energiekonzern baut massiv Arbeitsplätze ab. 2500 Stellen sollen insgesamt wegfallen, Mitarbeiter in Berlin, Hamburg und Cottbus sind betroffen.
  • 5

StockholmDer schwedische Energiekonzern Vattenfall will bis Ende nächsten Jahres 2500 Stellen streichen, 1500 davon in Deutschland. Der Stellenabbau in Deutschland werde vor allem Mitarbeiter in Berlin, Hamburg und Cottbus betreffen, kündigte das Unternehmen am Mittwoch an.

Der Stellenabbau ist Teil des Sparprogramm des Unternehmens, in diesem Jahr will Vattenfall 360 Millionen Euro einsparen, nächstes Jahr sollen es noch einmal 180 Millionen Euro sein.

Die fortlaufenden Energieeffizienzmaßnahmen kombiniert mit einem verlangsamten Wirtschaftswachstum in 2013 und den kommenden Jahren werde zu einer dauerhaften schwachen Nachfrage nach Strom führen, erklärte das Unternehmen. „Die Welt hat sich verändert und wir haben unsere Strategie an die neue Realität angepasst“ sagte Vattenfall-Chef Øystein Løseth.

Vattenfall steckt derzeit im Umbau: Im Zuge des Ausbaus der Erneuerbaren Energien will der Konzern einen Teil des Braunkohlekraftwerks im sächsischen Lippendorf verkaufen. Eine Veräußerung von einem der beiden Blöcke der modernen Anlage werde geprüft, teilte Vattenfall am Freitag mit. Dies stehe im Zusammenhang mit der Trennung von Unternehmensteilen in Belgien, Polen und Finnland, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehören.

Ein Verkauf von Block R könne wesentlich dazu beitragen, die bis 2020 angestrebte Reduzierung des CO2-Ausstoßes auf rund 65 Millionen Tonnen von 94 Millionen 2010 zu erreichen. Deutschland bleibe aber für Vattenfall ein Kernmarkt und der Abbau sowie die Verstromung von Braunkohle ein zentraler Bestandteil.

Vattenfall will seine Erzeugung von Ökostrom aus Wind-, Wasser- und Sonnen-Energie in den kommenden Jahren deutlich ausbauen. Zugleich betreibt der Konzern große Kohlekraftwerke, die wegen des Ausstoßes von klimaschädlichem Kohlendioxid umstritten sind. Hierzulande ist Vattenfall der drittgrößte Stromerzeuger nach RWE und Eon. Die beiden Blöcke in Lippendorf erzeugen jeweils 920 Megawatt.

Die Schweden sind vor allem in Ostdeutschland breit aufgestellt. Schwerpunkt ist neben Berlin aber auch Hamburg. Vattenfall versorgt rund 2,8 Millionen Kunden in Deutschland mit Strom und erzielt 60 Prozent seines Umsatzes in der Bundesrepublik. Vattenfall ist auch an den Atomkraftwerken in Brunsbüttel und Krümmel beteiligt, die im Zuge der Energiewende stillgelegt worden sind.

Die Gewerkschaft IGBCE warnte davor, dass eine Zerschlagung des Vattenfall-Konzerns die Energiewende in Deutschland schwächen könnte. „Vattenfall hat in den letzten Jahren in anderen europäischen Ländern enorme Zukäufe getätigt“, erklärte der stellvertretende IGBCE-Chef und Vattenfall-Aufsichtsratsvize Ulrich Freese am vergangenen Freitag.

„Wenn sich diese Aktivitäten im Nachhinein als nicht profitabel herausstellen sollten und Vattenfall deswegen jetzt zu Verkäufen in Deutschland gezwungen ist, dann kann es dabei nur um einen Gesamtverkauf und nicht um Einzelverkäufe gehen.“ Ein Auseinandernehmen des Unternehmensverbunds von Bergbau, Energie und den Tochterfirmen brächte nur Nachteile mit sich, mahnte Freese.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Energiekonzern: Vattenfall streicht 1500 Stellen in Deutschland"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Könnte es auch sein daß dieser Konzern einfach nicht rechtzeitig die Zeichen der Zeit erkannt hat?

    Ein AKW-Neubau (ERP) in Finnland kostet in Finnland über 8 Mrd. Euro statt der geplanten 3 Mrd. Euro. Als Fertigstellungstermin plant man nun 2016 - ursprünglich sollte er 2009 fertig werden.

    Auch mit den laufenden AKWs hat man Probleme. Ich sage nur Brockdorf und Brunsbüttel

    Laut einem Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA waren die Vattenfall-Reaktoren in Schweden und Deutschland in den Jahren 2009 und 2010 nur zu 55 Prozent nutzbar. Verantwortlich für die schlechte Bilanz waren Sicherheitsmängel, die häufig Abschaltungen mit sich führten.
    Quelle:
    http://sverigesradio.se/sida/artikel.aspx?programid=2108&artikel=4563707

    Also bereits vor der Katastrophe in Fukushima hat der Konzern nur jede Menge Pannen produziert und viele AKWs produzierten gar keinen Strom.


  • Nun - es besteht auch noch großer Bedarf an Monteuren für Windkraft- und Photovoltaikanlagen. Aber auch bei der Rückholung des Asse-Atommülls könnte man die Verursacher einsetzen.

    Der Vattenfall-Chef stellt fest: "Die Welt hat sich verändert"
    Vattenfall muß sich anpassen durch Energieeffizienz wird Energie
    eingespart und Erneuerbare Energien sind heute weitaus profitabler als Kohle- oder gar neue Atomkraftwerke.
    Diese Erfahrung macht man in Finnland ebenso wie in Frankreich.
    Diese Erfahrung macht Vattenfall ebenso wie RWE, E.ON oder en.BW.

  • Zitat : Vattenfall streicht 1500 Stellen in Deutschland

    Da wird wohl jetzt der Bedarf an Hochqualifizierten gedeckt...??!!!
    Die überfluten jetzt das Land !

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%