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08.01.2009 
Fünf Fragen an: Joi Ito

„Mir reicht eine Dividende“

von Thomas Knüwer

Die Geldgeber konzentrieren sich bei ihren Investments auf ernsthafte Gründer und konservative Profile. Joi Ito, Investor und Chef der Rechtegesellschaft Creative Commons, spricht im Handelsblatt-Interview über die Chancen von Internet-Firmen im Krisenjahr 2009.

Joichi "Joi" Ito ist einer der großen japanischen Internet-Stars. Foto: apLupe

Joichi "Joi" Ito ist einer der großen japanischen Internet-Stars. Foto: ap

Handelsblatt: Herr Ito, wird 2009 auch ein Krisenjahr für Investitionen in Internet-Firmen?

Joi Ito: Die Spekulanten sind fort, aber die ernsthaften Investoren investieren weiter. Und das Profil, das sie bei Unternehmen suchen, ist konservativer: Die Geldgeber konzentrieren sich auf ernsthafte Gründer. Ich glaube schon, dass es eine Delle geben wird, aber dauerhaft wird der Anteil von Internet-Investments in den Portfolios steigen. Ich persönlich habe meine besten Investments gerade in harten Zeiten gemacht.

Derzeit haben Geldgeber sehr viel Macht. Es gibt die These, dies verändere sich durch die Krise: Künftig seien Gründer nicht mehr so stark angewiesen auf Investoren. Teilen Sie die Ansicht?

Absolut. Heute kostet es weit weniger, ein Unternehmen zu gründen – und das hat nichts mit der Krise zu tun. Deshalb werden Venture Capital-Gesellschaften in Zukunft einen harten Stand haben. Schon heute steigen Angel Investoren sehr früh ein. Wenn die VC dazu kommen wollen, ist das Produkt praktisch fertig. Und deshalb sind die Firmen nicht bereit, ihre Bewertung nach unten zu ziehen. Dann kommen fast nur noch VC ins Spiel, die einen guten Ruf haben und dem Unternehmen Know-how und Kontakte als Mehrwert liefern können.

VC-Firmen leben von der Ausstiegsmöglichkeit, dem Exit. Doch wo soll diese derzeit herkommen?

Es wird künftig länger dauern, bis man den Exit aus einem Investment schafft. So ist zum Beispiel der Markt für Börsengänge ausgetrocknet. Aber im Gegenzug werden einige Unternehmen weiter kleinere Firmen aufkaufen, weil die Preise für diese Akquisitionen niedrig sind. Als Investor oder Gründer macht man also weniger Geld.

Es gibt Prognosen, die von einer Bereinigung des Marktes für Venture-Capital-Firmen sprechen. Werden ganze VC-Geber verschwinden?

Definitiv. Aber in der letzten Blase wurden die Leute so verschreckt, dass die Investitionen gegen Null gingen. Diesmal werden sich viele an diese Zeit erinnern – und daran, dass die besten Investments gerade in der Krise gemacht wurden. Deshalb wird die Situation nicht so schlimm wie beim letzten Mal werden.

Trotzdem stellt sich ja die Frage: Lässt sich auf Dauer ausreichend Geld machen mit der Hoffnung auf den Verkauf oder den Börsengang einer Firma? Müssen sich VC-Firmen vielleicht künftig mit der Ausschüttung einer Art Dividende zufrieden geben?

Gut möglich. Angel-Investoren, zu denen ich auch zähle, begnügen sich bereits heute oft mit einer Dividende. Für mich ist das ausreichend, wenn ich das Gefühl habe, das Unternehmen liefert dauerhaft diese Dividende. VC-Firmen haben oft ein künstlich geschaffenes Exit-Ziel. Sie müssen ihre Denkweise ändern. Manche Unternehmen sind ein gutes Investment, auch wenn man sie nicht nach fünf Jahren abstoßen kann.

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