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30.09.2008 
Folgen der Steuerreform

Wagniskapitalgeber fliehen vor Steuerdramen ins Ausland

von Sarah Roth

An die 800 Mill. US-Dollar kostet die Entwicklung eines neuen Medikaments nach Branchenuntersuchungen, Fehlversuche nicht eingerechnet. Um ihre Forschung vorzufinanzieren, sind gerade kleine Biotech-Unternehmen oft auf private Risikokapitalgeber angewiesen - doch nach der Steuerreform drohen die Geldquellen zu versiegen.

Die Entwicklung eines neuen Medikaments ist eine teure Angelegenheit. Foto: dpaLupe

Die Entwicklung eines neuen Medikaments ist eine teure Angelegenheit. Foto: dpa

AUGSBURG. Zwischen Entdeckung eines Wirkstoffes und Verkauf liegen aufwändige klinische Studien und etwa zehn Jahre Forschungszeit. Ein Kraftakt, der kleine Unternehmen existentiell bedrohen kann. So sind sie regelmäßig auf Risikokapitalgeldgeber angewiesen, auf Venture Capital (VC).

"Dem innovativen Mittelstand der europäischen Biotechnologiebranche stehen für die Finanzierung einer Produktentwicklung selten mehr als 130 Mill. Euro zur Verfügung", sagt Jan Schmidt-Brand, Vorstand der Heidelberg Pharma AG, die sich der Entwicklung von Medikamenten gegen Krebs und HIV verschrieben hat. Zu wenig, wie er als Vorstandsmitglied des deutschen Biotechnologie-Branchenverbandes BIO bemerkt.

"Wenn eine Entwicklung in der Biotechnologie reif genug ist, die Universität oder andere Forschungsinstitutionen zu verlassen, bleibt in den meisten Fällen nur die Finanzierung über private Eigenkapitalgeber", bestätigt auch Rainer Strohmenger vom VC-Geber Wellington Partners. Für Kreditgeber sind die Risiken der Branche meist zu hoch, Börsengänge kommen nur bei fortgeschrittener Unternehmensentwicklung in Frage.

Doch die Unternehmensteuerreform erschwert den Weg, denn sie macht VC weniger attraktiv. Geldgeber investieren deshalb immer öfter in internationale Fonds mit günstigeren Steuern. Schuld daran ist vor allem die Erweiterung der Mantelkaufregelung, die den Handel mit Unternehmensverlusten verhindern soll. Ein Unternehmer könnte sonst eine nicht mehr aktive Kapitalgesellschaft kaufen und in diesem "Mantel" ein neues Unternehmen aufziehen - mit den bereits gemachten Verlusten, die der neue Eigentümer dann von den Steuern absetzt.

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