Aufsichtsräte im Dax
Bezahlung gut, Leistung unklar

Ihre Aufsichtsräte honorieren die Dax-Unternehmen höchst unterschiedlich: Einige geben Millionen aus, andere nur wenige hunderttausend Euro. Die offiziell ausgewiesenen Summen verraten aber nur die halbe Wahrheit, wird den Aufsichtsräten ihr Engagement doch vielfach mit Beraterverträgen versüßt. Nicht nur daran entzündet sich Kritik.

DÜSSELDORF. Die Aufsichtsräte des Chemiekonzerns BASF und des Energieversorgers Eon werden im Vergleich mit den anderen Dax-Konzernen am besten bezahlt. Das ergibt eine Handelsblatt-Analyse. BASF beziffert die Tantiemen seiner Kontrolleure mit 3,4 Mill. Euro, Eon mit 3,8 Mill. Euro für das Geschäftsjahr 2005. Im Durchschnitt wenden die Konzerne 1,8 Mill. Euro auf.

Andere Gremien kommen dagegen mit einigen hunderttausend Euro aus. Adidas etwa zahlt 300 000 Euro, Infineon, Epcos und FMC zwischen 400 000 und 600 000 Euro. "Zwischen Unternehmensgröße und den Bezügen gibt es aber keine lineare Beziehung", sagt Wirtschaftsprofessor Manuel Rene Theisen von der Universität München. Ohnehin ist nach Meinung des Corporate-Governance-Experten die Höhe der Aufsichtsratstantiemen kein Maßstab für die Angemessenheit.

Über die streiten sich Fachleute, weil die Anforderungen an Aufsichtsräte gestiegen sind. Neue Finanzmarktregeln nehmen die Aufseher stärker in die Pflicht. Auch wächst das Risiko, in Haftung genommen zu werden. "Die Berufsaufsichtsräte sind auf dem Vormarsch", sagt Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Unter den zehn meistbeschäftigten Aufsichtsräten gibt es keinen aktiven Vorstand mehr.

Das Problem sei, sagt Wissenschaftler Theisen, einen geeigneten Maßstab für die Bezahlung zu finden. "Es gibt keine wirklichen Indikatoren für die Leistung eines Aufsichtsrats, allenfalls den Zeitaufwand, den er für seine Aufgaben betreiben muss." Investoren bleibt damit nur die Möglichkeit, die Zahl der Sitzungen von Aufsichtsrat und Ausschüssen ins Verhältnis zu den Bezügen zu setzen. Diese Informationen weisen die 30 Dax-Konzerne auf Empfehlung des Corporate-Governance-Kodexes aus. Andere Kriterien, wie etwa Sanierungserfahrung oder Branchen-Know-how, lassen sich dagegen kaum bewerten. Die DSW kritisiert, dass Kontrolleure bis heute keinen Befähigungsnachweis bringen müssten. "Aufsichtsratschef kann jeder werden", klagt Hocker. Die Schutzvereinigung fordert daher einen Anforderungskatalog für Aufsichtsräte.

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