Auslandsgeschäft
Globalisierung pur

Das Auslandsgeschäft gewinnt an Bedeutung: In puncto Umsatz, Mitarbeiter und Investitionen setzen Dax-Konzerne, aber auch kleine Unternehmen des M- und SDax mehr in der Ferne als in der Heimat um. Ausnahmen bestätigen die Regel, der Trend zur Auslagerung ist unverkennbar. Deutsche Firmen erobern die Weltmärkte, die ausländischen Investoren den Dax.

DÜSSELDORF. Eine ganze Reihe von Unternehmen scheint nur noch ihre Zentrale in Deutschland zu führen. Denn 80 und mehr Prozent Umsatz, Mitarbeiter und Investitionen im Ausland sind keinesfalls einmalige Sonderfälle. Solche Quoten finden sich gleich dutzendfach unter deutschen börsennotierten Firmen. Und wer glaubt, nur die ganz Großen à la Siemens, Linde oder Continental ziehe es derart in die Ferne, täuscht sich.

Zwar kommen die Dax-Konzerne auf den größten Auslandsanteil bei Investitionen (52 Prozent), Umsatz (68 Prozent) und Mitarbeitern (58 Prozent). Das zeigt der "Firmencheck". Doch auch die kleineren Unternehmen im M- und SDax setzen mit 60,6 bzw. 55,7 Prozent mehr in der Ferne als in der Heimat um. Ausnahmen bestätigen die Regel: Rhön-Klinikum betreibt nur in Deutschland Krankenhäuser. Auch die Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 beschränkte sich zumindest bis 2006 auf Deutschland. Im nächsten Geschäftsbericht werden Erträge aus der Übernahme der europäischen Senderkette SBS zu Buche schlagen.

Doch der Gesamttrend zielt klar in die entgegengesetzte Richtung: Das Auslandsgeschäft gewinnt gegenüber dem Vorjahr noch mehr an Bedeutung. In allen vier Indizes steigerten die Unternehmen, im Durchschnitt betrachtet, ihren Auslandsumsatz. Am stärksten ausgerechnet die noch sehr binnenmarktorientierten Technologiefirmen. Im TecDax stieg die Quote von 40,6 auf 51,1 Prozent.

Allerdings ist diese Zahl noch etwas mehr als in den anderen Indizes mit einer Portion Vorsicht zu betrachten. Im Technologie-Index fehlen die entsprechenden Daten gleich für die Hälfte der Firmen. Der Standard IAS 14 für die Abfassung von Geschäftsberichten schreibt den börsennotierten Konzernen zwar vor, eine Segmentberichterstattung jeweils nach operativen und geografischen Gesichtspunkten zu erstellen. Doch steht es den Firmen frei, nach eigenem Ermessen Regionen zu klassifizieren. Deutschland ist keine normierte Größe. Der Sportartikelhersteller Adidas beispielsweise nimmt die regionale Segmentierung nach Europa, Nordamerika, Asien und Lateinamerika vor. Der Heimatmarkt Deutschland wird jedoch nicht als eigenständiges Segment klassifiziert. Deshalb finden sich bei den Herzogenaurachern keine Angaben darüber, wie viel sie hierzulande umsetzen. Dasselbe gilt im Dax für Henkel und die Deutsche Lufthansa.

Gemessen am Gesamtgeschäft, macht Fresenius Medical Care die meisten Umsätze im Ausland. Der Bad Homburger Dialysespezialist erwirtschaftet nur noch ganze 3,4 Prozent seines Geschäfts in Deutschland. Im Vorjahr waren es noch 4,3 Prozent. Größter und attraktivster Markt sind die USA mit den vielen margenträchtigen privaten Blutwäsche-Kliniken.

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