Europas Fahrzeughersteller
Der Osten und seine Autos

Allen Krisenmeldungen zum Trotz: Die Automobilindustrie gehört in Europa noch immer zu den wichtigsten Branchen. Die Hersteller verdienen unerwartet gut, erkaufen sich die Gewinne aber nicht zuletzt durch harte Einschnitte in Westeuropa, besonders in Deutschland. In Osteuropa hingegen herrscht Aufbruchstimmung.

FRANKFURT. Jede zehnte der hundert größten europäischen Börsengesellschaften kommt aus der Branche. Unter den 25 größten Konzernen befinden sich mit Daimler-Chrysler, VW, Peugeot-Citroën, BMW, Fiat und Renault sechs Automobilhersteller, davon allein drei aus Deutschland.

Nach den Zahlen des europäischen Automobilverbandes Acea arbeiten in Europa 2,3 Millionen Menschen direkt für die Branche, der Verband der deutschen Hersteller VDA beziffert die Zahl für Deutschland auf 767 000 Personen direkt und 1,4 Millionen insgesamt.

Überraschend ist angesichts der schwierigen Lage - die Märkte sind gesättigt, und die Konzerne bedrängen sich mit Dumpingpreisen - auch die Ertragsentwicklung: Mit Ausnahme der französischen Autobauer Peugeot-Citroën (PSA) und Renault hat sich die Situation aller großen Hersteller im vergangenen Jahr verbessert. Umsätze und Exportquoten zeigten durchweg nach oben. Der Widerspruch zu den Negativmeldungen lässt sich am besten am Beispiel VW erläutern: Der Konzern hat zwar 2005 nach Jahren rückläufiger Gewinne wieder mehr verdient, doch die Verluste der deutschen Standorte verharrten auf einem hohen dreistelligen Niveau.

Wie auch beim Konkurrenten Daimler-Chrysler regiert daher vor allem in Deutschland der Rotstift. Nachdem im vergangenen Jahr der Stellenabbau bei Opel die Zahl der in Deutschland beschäftigten Personen erstmals seit Jahren sinken ließ, hat sich diese Entwicklung auch 2006 auf Grund der Einschnitte bei VW und Mercedes fortgesetzt.

Die Unternehmen folgen einem Trend, der durch Umsatz- und Ertragstabellen nicht abgebildet wird: Die Zentralen der Konzerne bleiben in Westeuropa, doch die Gewichte bei der Wertschöpfung verlagern sich immer stärker in die Niedriglohnländer Asiens und Osteuropas. Die Erweiterung von Produktionsanlagen mit positiven Beschäftigungseffekten in Deutschland und Westeuropa wie zuletzt bei Porsche wird immer seltener.

Doch der Sportwagenhersteller mit seinen komfortablen Preisaufschlägen kann es leichter als ein Massenhersteller verkraften, Lohndifferenzen auszugleichen: Er baut sein neues, viersitziges Coupé in Leipzig, der Motor kommt aus Stuttgart, die Karosserie von Volkswagen aus Hannover.

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