Europas Top 50 nicht börsennotierte Unternehmen
Eine verschwiegene Gemeinschaft

Über Geld sprechen viele Familienunternehmen nicht, sie haben es. Die meisten Firmen, die es unter die 50 größten nicht-börsennotierten Unternehmen in Europa schaffen, befinden sich in Familienhand und veröffentlichen über den Umsatz hinaus keine weiteren Ergebnisse.

DÜSSELDORF. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe, erklärt Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen. "Sie fürchten weniger Gläubiger und Geschäftspartner als vielmehr ihre Wettbewerber." Vor allem, wenn aufgrund der Nischenstrategie unmittelbare Rückschlüsse auf einzelne Produkte und Maßnahmen sowie auf die Kalkulation möglich seien. "Hinzu kommt", sagt Heidbreder, "dass Familienunternehmen nach wie vor in der medialen Omnipräsenz der Publikumsgesellschaften untergehen." Dies und die Zurückhaltung der Familienunternehmen führten dazu, dass "sich in der breiten Öffentlichkeit der Eindruck festgesetzt hat, die Wirtschaft würde an der Börse gehandelt."

Doch der Schein trügt, denn beim Umsatzwachstum liegen die nicht-börsennotierten Firmen vorn. Im Schnitt setzten sie im vorigen Jahr 6,6 Prozent mehr um als 2006. Zum Vergleich: Die 500 größten börsennotierten europäischen Firmen wuchsen um fünf Prozent, die Top 50 unter den Letzteren steigerten ihren Umsatz sogar nur um 3,3 Prozent.

Im Jahr davor war das Verhältnis zwischen Publikumsgesellschaften und Privatfirmen noch umgekehrt. Die Börsennotierten wuchsen per Bilanz 2006 um elf Prozent, die Privaten um 5,3 Prozent. Eine Erklärung: Während sich viele börsennotierte Unternehmen in der europäischen Top-Liga auf ein Kerngeschäft fokussieren, gibt es vor allem bei den Familienunternehmen viele, die in mehr als einem Markt tätig sind und daher Einbrüche besser kompensieren können. Dass die Louis mit 23,8 Prozent den höchsten Umsatzzuwachs verzeichnet, könnte ein Beleg dafür sein. Das französische Unternehmen bietet vom Kaffee bis zu Telekommunikationsdienstleistungen vieles an.

Wie bereits in den vergangenen Jahren dominieren die deutschen Unternehmen deutlich. Mehr als die Hälfte (28) der 50 umsatzstärksten nicht-börsennotierten Firmen haben ihren Hauptsitz in der Bundesrepublik, zeigt das aktuelle Handelsblatt-Ranking.

Die Schwarz-Gruppe führt nun bereits im zweiten Jahr die Liste der deutschen Familienunternehmen vor Bosch und den anderen beiden Einzelhändlern Rewe und Aldi an. Damit bilden die Einzelhändler nicht nur aus Deutschland mit insgesamt 20 der Top-50-Plätze die größte Gruppe.

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