Exklusivstudie Investor-Relations-Arbeit
RWE informiert am besten

Deutschlands führende Energiekonzerne kümmern sich im nationalen Vergleich am besten um ihre Anleger. In einer aktuellen exklusiven Umfrage unter europäischen Analysten hat RWE zum dritten Mal in Folge Bestnoten für die Kapitalmarktkommunikation bekommen. Doch die Konkurrenz ist den Essenern dicht auf den Fersen.

BERLIN. Die Investor-Relations-Arbeit in Deutschland wird von der renommierten Institutional Investor Research Group (IIRG) in London exklusiv für das Handelsblatt bewertet. 314 Analysten aus 50 europäischen Investmentbanken und Brokerhäusern hatten in der Umfrage mehr als 150 deutsche Unternehmen bewertet. Sie vergaben unter anderem Punkte dafür, wie gut der Zugang zum Topmanagement ist, wie schnell und tief gehend ihre Anfragen beantwortet werden und wie transparent die Finanzberichterstattung ist.

RWE erreichte mit Abstand den höchsten Wert. Der Energiekonzern hat sich in den vergangenen Jahren eine hohe Reputation am Finanzmarkt aufgebaut, und die Untersuchung des Londoner Forschungsunternehmens legt den Schluss nahe, dass die Chemie zwischen dem scheidenden RWE-Chef Harry Roels und den Analysten stimmt. Dieser Erfolg dürfte auch eine Herausforderung für den kommenden Vorstandsvorsitzenden Jürgen Großmann sein.

Insgesamt machen die deutschen Konzerne bei der Kapitalmarktkommunikation eine gute Figur: Der Umfrage zufolge besetzen sie im europäischen Vergleich ihrer jeweiligen Branchen Toppositionen. Gut bewertet wurden auch die IR-Abteilungen von Eon, BMW, SAP und der Allianz. Der Chemiekonzern BASF konnte seinen zweiten Platz aus dem Vorjahr nicht verteidigen; dennoch bescheinigt die IIRG auch den Ludwigshafenern eine qualitativ hochwertige Kapitalmarktkommunikation. "BASF, Bayer und Lanxess stehen in der europäischen Chemieindustrie an vorderster Stelle", sagt Trond Hana von der IIRG.

Für alle Unternehmen gilt: Die IR-Arbeit ist in den vergangenen Jahren wesentlich anspruchsvoller geworden. "Lange beschränkte sie sich nur auf Kommunikation, heute müssen IR-Manager ihren Vorstand strategisch beraten", erläutert Kay Bommer, Geschäftsführer des Deutschen Investor Relations Verbands. Das liegt zum einen daran, dass die gesetzliche Regulierung in der Kapitalkommunikation zugenommen hat. IR-Manager brauchen daher nicht nur tiefes Zahlenverständnis, sondern auch rechtliches Gespür.

Entscheidender aber sind die Veränderungen auf dem Kapitalmarkt selbst, der unübersichtlicher geworden ist: Hedge-Fonds und so genannte Activist Shareholders - auch "Schreihälse" genannt - setzen Unternehmen mit aggressiven Forderungen zu. Die Folge: IR-Manager müssen den Finanzmarkt und die Entwicklung der Aktionärsstruktur intensiver beobachten und auf die Anforderungen unterschiedlicher Investorentypen eingehen.

Angelsächsischer Fondsmanager, deutscher Analyst, amerikanischer Hedge-Fonds-Manager - "jeder fragt anders, man muss wissen, wer und was hinter den Fragen steckt", sagt Bommer. Unternehmen wie RWE legen daher detaillierte Investorenprofile an, analysieren, wer zu den meinungsbildenden Akteuren an der Börse gehört, und kennen die Ansprechpartner bei den wichtigsten institutionellen Investoren genau.

In der Kommunikation zählen persönliche Treffen zwischen einzelnen Analysten oder Investoren und der Unternehmensführung, auch um damit Offenheit zu demonstrieren und Glaubwürdigkeit zu stärken. "Trotz Internet ist das Eins-zu-eins-Gespräch noch immer am wichtigsten", sagt Ingo Alphéus, IR-Manager bei RWE. Dies beobachtet auch Hana von der IIRG: "Analysten schätzen nicht nur das Gespräch mit dem Vorstand, sondern auch mit Bereichsleitern." Die Forderung nach kurzen Drähten hat die Arbeit von Topmanagern verändert: BASF-Chef Jürgen Hambrecht widmet bereits ein Viertel seiner Arbeitszeit Roadshows und Investorenkontakten.

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