Firmencheck
Cash-Flow weltweit auf dem Vormarsch

Wer die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens beurteilen will, greift meist zu Gewinn- oder Renditezahlen. Doch Jahresüberschuss, Ebit oder Return on Investment haben ihre Tücken. Bewertungsspielräume machen es Finanzchefs leicht, ihre Zahlen zu frisieren.

DÜSSELDORF. Der Ausweg aus dieser Falle lautet für viele Analysten daher „Cash-Flow“. Diese Kennziffer zeigt an, welche finanziellen Mittel ein Unternehmen aus dem laufenden Geschäft erwirtschaften kann. Bei grober Betrachtung werden hier von den zahlungswirksamen Einnahmen die zahlungswirksamen Ausgaben abgezogen. Der Unterschied zu anderen Erfolgskennziffern liegt vor allem darin, dass die Berechnung immer auf Grundlage von Zahlungsströmen erfolgt. Buchungstechnische Tricks etwa durch die Bewertungsfragen sind deshalb kaum möglich. „Cash-Flow ist die beste Näherung an die Ertragskraft eines Unternehmens“, sagt Thomas Kautzsch, Partner der Unternehmensberatung Oliver Wyman.

Für US-amerikanische Unternehmen ist Cash-Flow schon lange Standard in der Berichterstattung, für deutsche Firmen erst seit einigen Jahren. Wer hierzulande nach internationalen Regeln wie IAS oder US-GAAP bilanziert, muss zwar schon länger den Cash-Flow ausweisen; wer nach Handelsgesetzbuch (HGB) seine Zahlen berechnet, ist dazu seit 2004 verpflichtet. In jenem Jahr wurde im HGB für Konzernmuttergesellschaften die Veröffentlichung einer Kapitalflussrechnung verbindlich. Daraus lassen sich drei Kennziffern ablesen: Cash–Flow aus dem operativen Geschäft, aus der Investitionstätigkeit und aus Finanzierungsgeschäften.

„Trotz aller Vorteile ist der Cash-Flow ein umstrittenes Instrument der Bilanzanalyse“, sagt Karlheinz Küting, Direktor des Instituts für Wirtschaftsprüfung (IWP) an der Universität Saarbrücken. Dafür gibt es mehrere Gründe. Unter anderem diesen: Aufwendungen, die nicht zu Zahlungsströmen führen, werden vom Cash-Flow nicht erfasst. Die Deutsche Telekom liefert dafür ein gutes Beispiel. Der Bonner Konzern brilliert alljährlich zwar mit einem rekordverdächtigen Cash-Flow um 16 Mrd. Euro. Abschreibungen in zweistelliger Milliardenhöhe sind darin aber nicht zu sehen. Deshalb, so Küting, könne der Cash-Flow auch nur eine unter mehreren Kennziffern zur Bilanzanalyse sein.

Die breite Akzeptanz des Cash-Flow als Erfolgskennzahl wird zudem durch unterschiedliche Berechnungsmethoden gebremst. Bei einem Vergleich ist daher Vorsicht geboten. Das IWP korrigiert für den Firmencheck des Handelsblatts den operativen Cash-Flow aus der Kapitalflussrechnung um die Nettozinszahlungen. Diese Korrektur konnte beim Mehrjahresvergleich nicht vorgenommen werden weil die notwendigen Daten für 2004 fehlen. Der Free-Cash-Flow ist im Firmencheck der operative Cash-Flow abzüglich des Investitions-Cash-Flow. Er zeigt also die Mittel, die nach Investitionen für die Eigen- und Fremdkapitalgeber zur Verfügung stehen.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
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