Firmencheck, Teil 8
Der Boom geht in die dritte Runde

Starke Auslandsgeschäfte und eine höhere Binnennachfrage lassen die Gewinne der deutschen Konzerne auch in diesem Jahr kräftig sprudeln.

DÜSSELDORF. Nach dem Rekordjahr 2005 erwarten die Experten noch bessere Erträge. Nichts deutet auf ein Ende des Booms hin. Auffällig: Die kleinen und mittleren Unternehmen dürften erneut stärker wachsen als die großen Konzerne im Deutschen Aktienindex (Dax).

Trotz sinkender Aktienkurse halten die Finanzexperten unbeirrt an ihren Wachstumsschätzungen fest. Die Analysten folgen nicht dem üblichen Trend, wonach die Börse die künftige Entwicklung widerspiegelt. Der Finanzdatenspezialist Factset-JCF erwartet, dass die Dax-Konzerne ihren Nettogewinn im laufenden Jahr durchschnittlich um 12,6 Prozent erhöhen. Das wäre zwar eine Halbierung gegenüber 2005, aber das dritte Rekordjahr in Folge. Die Ausgangsbasis wird also immer höher. Factset bündelt die Prognosen aller großen Finanzhäuser und der Firmen. "Die Quartalszahlen der Dax-Unternehmen weisen auf eine Erholung der Binnenwirtschaft in Deutschland hin. Während die Umsätze aus dem Ausland weiterhin kräftig steigen, verbuchen die meisten Firmen erstmals wieder positive Verkäufe aus dem Inland", kommentierte Europa-Ökonom Darren Williams vom amerikanischen Vermögensverwalter Alliance Bernstein die Ergebnisse zum ersten Quartal 2006. Diese Tendenz dürfte sich auch in den Folgequartalen fortsetzen und noch verstärken. Denn alle Indikatoren deuten darauf hin, dass sich in Deutschland die Konjunktur im zweiten Quartal abermals beschleunigt. Die Auftragseingänge der Industrie steigen Monat für Monat, ebenso die Zuversicht der Industrie und der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe.

Am meisten trauen die Experten VW zu. Für den Automobilhersteller, der von Restrukturierungen profitiert, erwarten die Analysten im Durchschnitt einen höheren Nettogewinn von 46 Prozent. Sehr hoch sind auch die Erwartungen für den Nutzfahrzeughersteller MAN (40 Prozent), den Autohersteller BMW (22 Prozent) und für Bayer (21 Prozent). Der Chemiespezialist hatte im vergangenen Jahr mit 166 Prozent stärker als alle anderen Dax-Konzerne zugelegt. Angesichts der robusten Weltkonjunktur läuft die Branche weiter rund. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) hob nach einem guten ersten Quartal seine Umsatzprognose für 2006 abermals an.

Noch höher als für die großen Unternehmen im Dax sind die Erwartungen für den MDax. Hier rechnet JCF mit einem Gewinnzuwachs von 34 Prozent. "Viele mittelgroßen Unternehmen profitieren vom Konjunkturaufschwung später als die Großen. Hinzu kommen niedrigere Vergleichswerte", sagt Carsten Klude von der Hamburger Privatbank M.M. Warburg. Während die Dax-Konzerne seit dem schweren Einbruch 2001 wieder ununterbrochen zulegen, erreichten die MDax-Firmen erst 2005 wieder Zuwächse. Das schmälert die Ausgangsbasis. Spät-Zykliker, die also erst in einem fortgeschrittenen Konjunkturaufschwung profitieren, sind die reichlich im MDax vertretenen Maschinen- und Anlagenbauer wie IWKA und Gea. Aber auch Baukonzerne wie Bilfinger Berger und Hochtief dürften 2006 deutlich zulegen.

Mit Fragezeichen versehen Analysten die Prognosen für die Technologiefirmen. Zwar rechnet Factset-JCF mit einem hohen Wachstum von 35 Prozent. Doch anders als die klassischen Unternehmen enttäuschten die High-Tech-Unternehmen in den vergangenen Jahren regelmäßig, so dass die Prognosen am Ende nie aufgingen. "Das selbe Bild sehen wir jetzt wieder: Allein in den vergangenen sechs Monaten gingen die Erwartungen für die TecDax-Firmen um 20 Prozent nach unten", sagt Warburg-Spezialist Klude.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%