Frankreichs Spitzenunternehmen
Gierig auf Luxus und Beton

Was unterscheidet französische Großkonzerne von anderen? Eine Frage, die erst auf den zweiten Blick beantwortet werden kann: Viele Spitzenunternehmen gehören nur einem oder wenigen Aktionären. Prominentestes Beispiel ist dabei wohl der Luxuskonzern LVMH, der mit Bernard Arnault vom reichsten Mann Frankreichs kontrolliert wird. Während dieser und andere Bereiche ein ordentliches Wachstum verzeichnen, brach eine Weltmarke immens ein.

PARIS. Die 30 größten Unternehmen Frankreichs weisen eine Besonderheit auf, die sich nicht auf den ersten Blick erschließt. Denn bei vielen Top-Konzernen haben Familienaktionäre oder gar nur ein Großaktionär das Sagen. Das trifft zum Beispiel für den Mischkonzern Bouygues zu, der von der gleichnamigen Familie kontrolliert wird. Auch beim Autoriesen PSA Peugeot Citroën oder beim Reifengiganten Michelin haben die Gründerfamilien noch bestimmenden Einfluss.

Beim Luxusriesen LVMH, dem ein weltweit einzigartiges Portfolio an Marken wie Louis Vuitton, Moët Hennessy, Fendi, Dior oder Kenzo gehört, hat Frankreichs reichster Mann das Ruder in der Hand: Bernard Arnault. Der LVMH-Großaktionär macht derzeit aber weniger mit seinem Luxusimperium als mit der Investitionspolitik seiner privaten Holding Schlagzeilen: Im Frühjahr stieg er zusammen mit dem Fonds Colony Capital mit neun Prozent beim Einzelhandelskonzern Carrefour ein. Und in diesen Tagen spricht ganz Frankreich von Arnaults Plan, sich die größte Wirtschaftstageszeitung "Les Echos" für stolze 250 Millionen Euro einzuverleiben und im Gegenzug die Handelsblatt-Partnerzeitung "La Tribune" zu verkaufen.

Bei LVMH die Geschäfte zu führen lastet Bernard Arnault anscheinend nicht aus. Kein Wunder: Sein Luxusimperium läuft wie geschmiert: 2006 stieg der Gewinn um stolze 30 Prozent (siehe Tabelle). Keine Wolke scheint die Perspektiven des Luxusriesen einzutrüben - bis auf den starken Euro, der den Konzern im ersten Quartal sechs Punkte Wachstum gekostet hat.

Das Wachstum in den reifen Märkten wie den USA bleibt indes intakt, hinzu lechzt die neue Mittelschicht in China und Indien angesichts des ungebrochenen Booms nach echten Louis-Vuitton-Handtaschen. "Bei einigen unserer Marken wie Louis Vuitton oder Hennessy sind die Chinesen bereits unsere viertgrößte Kundengruppe", sagte Arnault in einem Interview.

Soweit ist der Weltmarktführer für Kosmetika, L?Oréal, noch nicht. Aber der Konzern bezieht bereits 54 Prozent seines Umsatzwachstums aus den neuen Märkten wie Asien, Osteuropa und Lateinamerika. Anders als der Luxusriese LVMH ist L?Oréal primär auf Massenmärkten unterwegs und spürt daher eher Preisdruck. Jean-Paul Agon, der neue CEO des Kosmetik-Weltmarktführers, will dem 100 Jahre alten Unternehmen neues Leben einhauchen und setzt dabei auch auf Zukäufe. Vergangenes Jahr verleibten sich die Franzosen die Wellness-Kette Body-Shop ein.

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