Fünf Fragen an: Hermut Kormann
„Keine kurzfristigen Dummheiten“

Hermut Kormann ist Vorstandschef des Technologiekonzerns Voith. Mit dem Handelsblatt sprach er über die Wachstumsstärke deutscher Familienunternehmen, Gefahren für ihren Fortbestand und was die Betrieben tun müssen, um diesen zu sichern.

Herr Kormann, Familienunternehmen sind im vergangenen Geschäftsjahr im Schnitt erneut stärker gewachsen als die Dax-30-Firmen. Überrascht Sie das?

Überhaupt nicht, denn Familienunternehmen haben großes Wachstumspotenzial. Sie können einen Großteil ihrer Gewinne thesaurieren und dadurch ihr Wachstum selbst finanzieren. Wenn sich familienfremde Manager einmal etabliert haben, bleiben sie länger als in Aktiengesellschaften, und sie schichten das Portfolio nicht so schnell um. Das schafft auch in der Belegschaft Ruhe. Generell haben Familienunternehmen die Freiheit, einige kurzfristige Dummheiten nicht machen zu müssen.

Was sind die größten Gefahren für den Fortbestand der Familienunternehmen?

Die Erbschaftsteuer. Letztendlich muss die ja das Unternehmen bezahlen. Aber mit dem geplanten Reformmodell machen wir einen Schritt in die richtige Richtung. Eine weitere Gefahr ist der nachlassende Zusammenhalt von Familien.

Wie müssen sich Familienunternehmen vor diesem Hintergrund wandeln, um zukunftsfest zu sein?

Die Unternehmen müssen wachsen. Wenn man von drei Kindern in einer Generation ausgeht, dann muss ein Unternehmen seine Größe in 35 Jahren verdreifachen, um jedes einzelne Mitglied gleichzustellen. Das müsste eigentlich zu schaffen sein.

Kann Voith dies schaffen?

Bei Voith hat sich der Auftragseingang in sieben Jahren verdoppelt. Das bedeutet zehn Prozent Wachstum im Durchschnitt. Nicht nur für uns ist es aber eine Herausforderung, die Familienmitglieder ins Geschäft und in die Strategie einzubeziehen, damit das Verständnis für das Unternehmen und die Bindung bestehen bleibt. Aber heutzutage sind Familiengesellschafter in der Regel wesentlich aufgeschlossener und interessierter als früher.

Können und sollten Familienunternehmen stärkere Orientierung in Gesellschaft und Öffentlichkeit bieten?

Familienunternehmen sind nicht so stark in der Öffentlichkeit vertreten, weil sie nicht so breit und detailliert publizieren. Große Familienunternehmen tun sich da etwas leichter. Aber es hängt auch von der Einstellung der Gesellschafter ab, wie aufgeschlossen und aktiv sie sich in der Öffentlichkeit präsentieren. Denken Sie nur an die positive Ausstrahlung von Frau Leibinger-Kammüller (Vorsitzende der Geschäftsführung der Trumpf GmbH & Co KG aus Ditzingen, die Red.). Welches börsennotierte Unternehmen hat schon eine Vorstandschefin? Familienunternehmen bilden da die Gesellschaft bereits besser ab.

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