Handelsblatt Firmencheck
Altlasten bedrohen deutsche Firmen

Goodwill entsteht immer dann, wenn bei der Übernahme eines Unternehmens der Kaufpreis über dem Buchwert des Nettovermögens liegt, das bei einem Kauf neu bewertet wird. Er ist somit ein Scheck auf die Zukunft. Seit der Mergers & Acquisition-Welle der vergangenen Jahre ist Goodwill zum Topthema geworden. In den Bilanzen deutscher Konzerne verbergen sich 175 Milliarden Euro davon. Wegen der Rezession drohen ihnen nun hohe Abschreibungen.

DÜSSELDORF. Deutschlands Vorzeigekonzern zeigt Stärke - mit unangenehmen Nebenwirkungen. Über Jahre zeichnete sich SAP bilanziell eher durch Unauffälligkeit aus. Bis die Walldorfer Softwarespezialisten ihre Zurückhaltung aufgaben und in großem Stil zukauften. SAP übernahm zum Jahresanfang den US-Konkurrenten Business Objects für fast fünf Mrd. Euro.

Für den deutschen Konzern war dies ein wichtiger Wachstumsschritt nach vorn, in der Bilanz allerdings machen sich die Amerikaner trotz solider Finanzierung des Deals nicht so gut. Die Position "Geschäfts- oder Firmenwerte" legt nach vollzogener Übernahme im ersten Halbjahr von 1,4 auf 4,9 Mrd. Euro zu - bei nur 6,5 Mrd. Euro Eigenkapital. Bricht das Geschäft der neuen Tochter im Zuge Bankenkrise unerwartet scharf ein, könnten massive Abschreibungen fällig werden und der erfolgsverwöhnten SAP den Gewinn verhageln.

Andere profitieren dagegen von Wertberichtigungen. BASF etwa hat die Chance genutzt, den Schweizer Feinchemiehersteller Ciba in einer Schwächephase zu kaufen. Nach Abschreibungen auf Goodwill in dreistelliger Millionenhöhe stürzte die ohnehin schwächelnde Ciba-Aktie im August ab. Das erleichterte der deutschen BASF die Entscheidung, ein Übernahmeangebot über 3,8 Mrd. Euro abzugeben. Welche Folgen das wiederum für BASF haben wird, muss sich zeigen. Der weltgrößte Chemiekonzern hat bislang 4,3 Mrd. Euro an Goodwill in den Büchern. Mit über 20 Mrd. Euro Eigenkapital ist BASF allerdings weit davon entfernt, ein Risiko durch überhöhte Kaufpreise einzugehen.

Goodwill ist nach der M&A-Welle der vergangenen Jahre zum Topthema geworden. Deshalb sorgt sich auch die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung, kurz Bilanzpolizei, um die wachsenden Risiken durch milliardenschweren Goodwill. Inzwischen sind es 175 Mrd. Euro bei den führenden 127 deutschen Konzernen. "In den vergangenen Jahren ist durch Übernahmeaktivitäten viel Goodwill in den Bilanzen der Unternehmen entstanden", sagte Präsident Herbert Meyer dem Handelsblatt. "Wenn sich die Zukäufe nicht wie erwartet rentieren, müssen die Unternehmen Wertminderungen mit entsprechenden Belastungen in der Gewinn- und Verlustrechnung vornehmen."

Nach den Erfahrungen der Bilanzpolizei, die die korrekte Rechnungslegung der börsennotierten Unternehmen prüft, haben vor allem kleinere und mittelgroße Firmen häufig Probleme, Geschäfts- oder Firmenwerte richtig zu buchen, zumal die zuletzt stark gestiegenen M&A-Aktivitäten die Bedeutung in den Bilanzen "zusätzlich erhöht" hätten, sagt Meyer.

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