Handelsblatt Firmencheck
Aufschwung, fast überall

Erfolgreich in der Masse, aber Probleme im Detail. Auf diesen Nenner lassen sich die Bilanzen der deutschen börsennotierten Unternehmen für das abgelaufene Geschäftsjahr bringen. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist besonders in den kleinen Indizes groß.

DÜSSELDORF. So stark viele Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen auch wachsen - 54 Konzerne steigerten ihre Umsätze prozentual mindestens zweistellig und 36 ihre Nettogewinne um mehr als 50 Prozent -, so groß sind bei etlichen Unternehmen die Probleme. Viele müssen Einbußen beim Nettogewinn hinnehmen, darunter die fünf Dax-Konzerne Henkel, Siemens, Metro, Tui und Infineon. Der Chiphersteller verbuchte als einziger Dax-Konzern Verluste. Das zeigt der Handelsblatt-Firmencheck.

Die Gründe sind hausgemacht und nicht Folge eines zu geringen konjunkturellen Wachstums. So bereitet Tui seit Jahren die Umstrukturierung vom Industrie- zum Touristikkonzern Schwierigkeiten. Die Reisebranche wirft wenig Rendite ab und ist krisenanfälliger als die früheren Geschäfte des Misch- und Vorgängerkonzerns Preussag. Metro wurde vom Gammelfleisch-Skandal überrascht, schrieb aber auch Steuerforderungen auf Verlustvorträge ab. Vor Steuern stieg der Gewinn. Infineon leidet unter dem harten Wettbewerb zu vieler Chipanbieter und dem daraus folgenden Preisverfall. Dieser macht eine rentable Produktion in Deutschland fast unmöglich.

Doch die große Masse ist erfolgreich und besticht durch Konstanz. Das zeigt sich in den geringen Veränderungen der Umsatz-Rangliste. Unter den großen Zehn gibt es nur eine Veränderung: Der Chemiespezialist BASF rückte nach vorn. Dafür fällt RWE auf Rang elf zurück. Grund sind aber keineswegs schlechtere Geschäfte des Stromanbieters, sondern Verkäufe der US-Tochter Consol (Steinkohleförderer) und von Beteiligungen an Heidelberger Druck.

Rund 20 Prozent der Konzerne erwirtschafteten zweistellige Umsatzrenditen; 63 Prozent wuchsen profitabel - steigerten also Umsatz und Nettogewinn. "Das ist im Vergleich zu vergangenen Daten und auch im internationalen Vergleich eine sehr positive Struktur", sagt Thomas Kautzsch, Berater bei Mercer Management Consulting. Generell profitieren Firmen mit hohem Exportanteil von der florierenden Weltwirtschaft. Dieser Trend beflügelt beispielsweise BASF und klassische Industriefirmen wie Salzgitter und Hochtief ganz besonders. Sie stechen mit einem Gewinnplus um mehr als die Hälfte hervor.

Noch größer als im Dax ist die Kluft zwischen Reich und Arm bei den mittelgroßen Unternehmen im MDax. Hier wuchsen zwar die Firmengewinne mit durchschnittlich 186,7 Prozent viel stärker als im Dax, wo "nur" 20,1 Prozent erreicht wurden. Dennoch gibt es im MDax mehr Ausreißer nach unten. Preisdruck und weniger Nachfrage belasteten das Ergebnis von Epcos, dem Hersteller passiver elektronischer Bauteile, wie sie in Autos und Laptops benötigt werden. Dem Maschinenbauer IWKA verhagelte das schlechte Geschäft mit der Prozesstechnik und den Montagerobotern für die Automobilindustrie das Geschäft. Jenoptik litt unter dem Wettbewerb asiatischer Konkurrenten in der Reinraumtechnik, also der Spezialisierung auf staubfreie Produktionsräume. Und Gea bekam zwar genügend Aufträge für seinen Großanlagenbau, konnte sie aber nicht profitabel abwickeln.

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