Handelsblatt Firmencheck
Bilanzen bergen brisante Altlasten

In den Bilanzen führender Konzerne Deutschlands schlummern hohe Risiken. Grund sind teure Firmenkäufe vergangener Jahre. Dadurch lasten insgesamt 123 Mrd. Euro an immateriellen Firmenwerten (Goodwill) auf den Konzernen - im Durchschnitt ist das eine Mrd. Euro pro Unternehmen. Das ergab der Handelsblatt-Firmencheck, der in Kooperation mit dem renommierten Institut für Wirtschaftsprüfung (IWP) und der Unternehmensberatung Mercer entsteht.

HB DÜSSELDORF. Diese Goodwill-Positionen müssen nach den neuen Bilanzierungsrichtlinien spätestens zum Jahresende überprüft werden. Müssen sie berichtigt werden, kommt es zu Abschreibungen, die das Ergebnis schwer belasten können. "Goodwill", sagt IWP-Chef Karlheinz Küting, "kann für die Unternehmen sehr brisant sein."

Goodwill entsteht bei Übernahmen, wenn der Kaufpreis über dem Zeitwert der erworbenen Vermögenswerte und Schulden liegt. Solche Aufpreise waren zu den Boomzeiten der Börse der Normalfall. Aber auch heute noch sind viele Konzernchefs bereit, aus strategischen Gründen mehr als das Nettovermögen zu zahlen.

Bei acht Konzernen, darunter die Dax-Schwergewichte RWE und Tui, ist der Goodwill sogar deutlich größer als das bilanzierte Eigenkapital. Welche Folgen das haben kann, zeigt das aktuelle Beispiel Degussa. Der im MDax notierte Feinchemiekonzern musste gerade 712 Mill. Euro und damit 26 Prozent des gesamten Goodwills abschreiben. Degussa rutschte dadurch im dritten Quartal tief in die roten Zahlen. Auch dem Energiekonzern RWE könnten im Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf des Wassergeschäfts in Großbritannien und in den USA empfindliche Abschreibungen drohen.

Die ungünstigste Relation im Handelsblatt-Firmencheck beim Verhältnis Goodwill zu Eigenkapital hat der IT-Dienstleister Teleplan (SDax) mit 178 Prozent. Quoten über 100 Prozent stellen ein hohes Risiko dar. Müssen die entsprechenden Bilanzposten stark abgeschrieben werden, ist schnell das Eigenkapital aufgezehrt. Allerdings nutzen noch längst nicht alle Analysten die Goodwill-Quote als Risikoindikator.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
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