Handelsblatt Firmencheck
Hintergrund: Bewertungstests legen Gefahren offen

Für den Handelsblatt Firmencheck untersucht das Institut für Wirtschaftsprüfung (IWP) unter Leitung von Professor Karlheinz Küting 132 Geschäftsberichte börsennotierter Gesellschaften.

fo DÜSSELDORF. 124 Unternehmen weisen zum Beginn des Geschäftsjahres 2003/2004 einen Goodwill aus. Beim Firmencheck steht die Quote aus Goodwill und Eigenkapital im Mittelpunkt. Sie macht deutlich, wie hoch das bilanzielle Risiko durch teure Firmenzukäufe für die einzelnen Konzerne ist.

Geschäfts- oder Firmenwerte (Goodwill) entstehen bei Übernahmen, wenn der Kaufpreis über dem Zeitwert der erworbenen Vermögenswerte und Schulden liegt. Diese Differenz wird als immaterieller Vermögenswert in der Bilanz ausgewiesen und muss nach der Rechnungslegungsvorschrift IFRS regelmäßig auf seine Werthaltigkeit überprüft werden. Notwendige Korrekturen wirken sich über Abschreibungen auf den Gewinn der Unternehmen aus. Die Konzerne sind nur verpflichtet, Goodwill in Summe auszuweisen, nicht nach einzelnen Zukäufen.

Grundlage des Firmenchecks sind die Geschäftsberichte von 24 Dax-, 38 M-Dax, 41 S-Dax- und 29 Tec-Dax-Gesellschaften. Banken, Versicherungen und reine Beteiligungsunternehmen sind wegen der mangelnden Vergleichbarkeit ihrer Jahresabschlüsse mit denen von Industrie- Handels- oder Dienstleistungsunternehmen ausgenommen.

Die meisten Konzerne haben inzwischen auf die internationale Bilanzierungsnorm IFRS umgestellt. Davon profitieren die Anleger durch etwas mehr Transparenz. Denn jetzt zeigen sich Korrekturen am Goodwill direkt im Jahresergebnis der Unternehmen, weil sie über Abschreibungen den Gewinn belasten. Nach den früher genutzten HGB-Regeln, so Küting, hätten zahlreiche Finanzchefs die Chance genutzt, Geschäfts- oder Firmenwerte erfolgsneutral mit den Rücklagen zu verrechnen. Vor den Aktionären sei dadurch verschleiert worden, welche bilanzpolitische Brisanz in den Geschäfts- und Firmenwerten tatsächlich liege.

Jetzt muss die Werthaltigkeit des Goodwill mindestens einmal im Jahr in einem so genannten Impairmenttest überprüft werden. Doch von den 124 im Firmencheck untersuchten Unternehmen hatten nur 36 im vergangenen Jahr außerplanmäßige Abschreibungen vorgenommen. Küting befürchtet deshalb, dass Abschreibungen künftig "nur noch dann vorgenommen werden wenn es gar nicht mehr anders geht." Überraschungen sind deshalb nicht auszuschließen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%