Handelsblatt Firmencheck
Konzerne bremsen den Fiskus aus

Deutsche Aktiengesellschaften zahlen im Schnitt 28,2 Prozent Ertragssteuern und damit etwa zehn Prozent weniger als theoretisch nach der Gesetzgebung fällig wäre. Fast drei Viertel der 130 Industrie-, Handels- und Dienstleistungskonzerne schaffen es sogar, die Steuerquote auf weniger als 38,6 Prozent zu drücken.

DÜSSELDORF. Bund und Gemeinden müssen deshalb auf 7,3 Mrd. Euro Steuereinnahmen verzichten. Die Unternehmen nutzen gesetzliche Möglichkeiten zur Steuergestaltung wie Abscheribungen und niedrigere Steuersätze im Ausland. Ohne Steueroptimierung wären 2005 knapp 27 Mrd. Euro fällig geworden. Das ergab der Handelsblatt-Firmencheck, der in Kooperation mit dem Institut für Wirtschaftsprüfung (IWP) und der Unternehmensberatung Mercer Management Consulting entsteht.

Die S-Dax-Firma Masterflex trifft mit 38,6 Prozent Steuerquote exakt den Durchschnittswert deutscher Firmen. 92 von 130 Unternehmen zahlen weniger Steuern als nach geltenden Steuersätzen theoretisch fällig wäre. Aber es gibt auch 23 Unternehmen mit zum Teil exorbitant hohen Steuerquoten. Die Spannbreite liegt zwischen Null und 208 Prozent. Nach Ansicht des IWP-Direktors Karlheinz Küting "sind einheitliche Steuerquoten deshalb eine Illusion".

Vor allem in der Standortdebatte spielt die theoretische Ertragssteuerbelastung von Kapitalgesellschaften in der Größenordnung von 38 bis 39 Prozent eine wichtige Rolle weil andere Länder geringere Unternehmenssteuern verlangen. Gründe für hohe Abweichungen zwischen theoretischen und tatsächlichen Steuern gibt es viele. Beim Stromkonzern RWE etwa brachten im Ausland versteuerte Gewinne einen Steuervorteil auf Konzernebene von 104 Mill. Außerdem wirkten sich teilweise steuerfreie Erträge mit weiteren 306 Mill Euro positiv auf die Steuerschuld aus. Am Ende traf RWE genau die vom Firmencheck ermittelte durchschnittliche Steuerquote deutscher Konzerne von 28,2 Prozent. Statt theoretisch 1,5 Mrd. (bei 38 Prozent) zahlt RWE nur gut eine Mrd. Euro Steuern.

Spitzenreiter im Firmencheck ist MTU. Die Super-Quote von 207,8 Prozent ist eine Folge der jüngsten Firmengeschichte: Verkauf durch Daimler-Chrysler an den Private-Equity-Fonds KKR und Börsengang im Juni 2005. Daraus haben sich Sondereffekte in Millionenhöhe ergeben. Nach Wegfall der Einmaleffekte wird die Konzernsteuerquote schon in diesem Jahr unter 100 Prozent fallen.

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