Handelsblatt Firmencheck
Konzerne verheimlichen Auslandsgeschäft

Ihren Sitz haben die großen deutschen Konzerne zwar noch in Düsseldorf, München oder Stuttgart. Das große Geschäft machen die Unternehmen aber im Ausland, wo auch die meisten Mitarbeiter sitzen und die höchsten Investitionen hinfließen. Diese Tatsachen verschweigen die Firmen ihren Aktionären aber gerne.

DÜSSELDORF. Die Bilanzanalyse bei den 130 größten börsennotierten Unternehmen zeigt, dass 39 Konzerne in ihrem Geschäftsbericht bei ihren Umsätzen nicht zwischen In- und Ausland differenzieren. Geht es um ihre Mitarbeiter und Investitionen, dann macht gar gut die Hälfte keine eindeutigen Angaben. 31 Unternehmen legen nicht einmal eine der drei wichtigen Kennzahlen verständlich offen, darunter mit Adidas, Bayer, Lufthansa und Henkel vier Dax-Konzerne mit außerordentlich hohem internationalen Anspruch.

"Es erstaunt und ist unbefriedigend, dass viele Unternehmen in ihren oft mehrere hundert Seiten starken Berichten über solch wichtige Selbstverständlichkeiten nicht konkret informieren", sagt Karlheinz Küting, Direktor des Instituts für Wirtschaftsprüfung (IWP) an der Uni Saarbrücken.

Die Zeiten, in denen Unternehmen solch detaillierte Auskünfte verweigern, sind eigentlich seit 1998 vorbei. Vor acht Jahren entschied sich Deutschland für die international bereits übliche Segmentberichterstattung. Doch in den heutigen Geschäftsberichten finden sich häufig nur Unterteilungen zwischen EU- und Nicht-EU-Ländern oder deutsch- und nicht-deutschsprachigem Raum. "Damit umgehen die Unternehmen die Antwort auf die einfache, aber wichtige Frage, wie viel sie etwa in Niedriglohnländern wie den osteuropäischen EU-Ländern produzieren", kritisiert Küting.

Adidas beispielsweise fertigt seit vielen Jahren einen Großteil seiner Sportartikel in asiatischen Niedriglohnländern und setzt sie in aller Welt ab. Mit dem Erwerb des 3,5 Mrd. Euro teuren Wettbewerbers Reebok in den USA verlagern sich die Umsätze noch weiter ins Ausland.

Der Kosmetikkonzern Henkel verzichtet ebenfalls auf die drei Kennzahlen Auslandsumsatz, -investitionen und-mitarbeiter. Vorstandschef Ulrich Lehner sagte dem Handelsblatt, dass der Konzern inzwischen 80 Prozent seiner Umsätze "nicht in Deutschland erzielt". Doch anstelle im Geschäftsbericht zwischen In- und Ausland zu unterscheiden, differenziert Henkel nach Regionen: zwischen Europa/Afrika/Nahost, Nordamerika, Lateinamerika und Asien/Pazifik.

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