Handelsblatt Firmencheck
SAP setzt den Maßstab

Die Gewinnexplosion bei deutschen Konzernen täuscht. Weil die Umsätze schneller wachsen als die Erträge, bricht Deutschlands führenden Konzernen die Rendite weg. Und die Lücke im internationalen Vergleich wird wieder größer - zum Beispiel zum unangefochtenem Renditekönig SAP.

DÜSSELDORF. Die 23 führenden deutschen Industrie-, Handels- und Dienstleistungskonzerne haben 2006 zusammen 38,4 Mrd. Euro Gewinn gemacht. Das ist eine Mrd. Euro mehr als im Vorjahr. Doch gemessen an den viel schneller gestiegenen Umsätzen sind die Dax-Konzerne zurückgefallen. Die durchschnittliche Umsatzrendite sackte von 5,4 auf 4,7 Prozent und damit auch unter die Fünf-Prozent-Marke des Boomjahres 2000.

Das zeigt der Handelsblatt-Firmencheck, der in Zusammenarbeit mit dem Institut für Wirtschaftsprüfung (IWP) und der Unternehmensberatung Mercer Management Consulting entsteht. "Der Vorwurf, die Unternehmen verdienten gigantisch viel, ist damit nicht zu halten", sagt Thomas Kautzsch von Mercer.

Unangefochtener Renditekönig ist inzwischen der Softwarekonzern SAP, der mit 19,9 Prozent als einziges Unternehmen eine zweistellige Rendite aufweist. Im Jahr zuvor konnten das auch Altana und Telekom. Beide sind jetzt in der Wertung abgestürzt. Während der Telekom das Festnetzgeschäft zu schaffen macht, hat Altana die rentable Pharmasparte verkauft. Für IWP-Direktor Karlheinz Küting stellt SAP damit seine "absolute Spitzenstellung" unter Beweis.

Den höchsten Überschuss erzielte 2006 der Strom- und Gasversorger Eon mit 5,46 Mrd. Euro, Schlusslichter sind Infineon und Tui, die Verluste ausweisen. Umsatz-Spitzenreiter ist mit großen Vorsprung Daimler-Chrysler mit 151,6 Mrd. Euro. Altana hat nach seiner Aufspaltung nur 1,3 Mrd. Euro Geschäftsvolumen und wird bald aus dem Dax herausfallen.

Auffallend an den Ergebnissen des Jahres 2006 ist laut Küting auch, dass es keinen Branchentrend gibt. "Das Bild wird von Firmenkonjunkturen beherrscht." Weder in der Chemie noch in der Autobranche entwickeln sich Umsatz, Ergebnis oder Rendite im Gleichklang. Für Kautzsch ein Beleg dafür, "dass die Strategie entscheidend ist". Viele klassische Industrieunternehmen hätten von der guten Konjunktur und Kostensenkungen profitiert und ihr Ergebnis dadurch überdurchschnittlich steigern können.

Schlecht gelaufen ist das Jahr für Tui-Chef Michael Frenzel. Doch sein überraschend angekündigter Fusionsplan mit dem britischen Veranstalter First Choice verdeckt das Bilanzdesaster. Mit 847 Mill. Euro Verlust ist Tui klares Schlusslicht unter den führenden Dax-Konzernen. Fast 800 Mill. Sonderabschreibungen verhagelten den ohnehin mickrigen Ertrag. Mit der negativen Umsatzrendite von 4,1 Prozent toppt Tui jetzt sogar den Dauerbrenner Infineon.

Im Boomjahr 2000 schaffte der Chipkonzern noch 15,5 Prozent Umsatzrendite und verwies damit alle Dax-Konkurrenten auf die Plätze. Das ist vorbei. Auch Telekom-Chef Rene Obermann dürfte Zeiten nachtrauern, als sein Konzern zweistellige Renditen erwirtschaftete. 2005 übersprang der Bonner Konzern gerade noch die Zehn-Prozent-Hürde.

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