Handelsblatt Firmencheck
Schweigsame Konzerne

Eine aktionärsfreundliche Unternehmenspolitik ist keine Frage der Größe. Während Firmen aus der zweiten Reihe ihre Anteilseigner hervorragend informieren, verstecken etliche Dax-Konzerne Entscheidendes in ihrer Bilanz. Der Handelsblatt Firmencheck deckt auf, wer sich um seine Aktionäre müht und wer nicht.

DÜSSELDORF. Kleine Gesellschaften schlagen international operierende Konzerne bei Transparenz und Informationsqualität. Keine Überraschung ist es deshalb, dass die Topliga des Handelsblatt-Firmenchecks aus der zweiten Börsenreihe kommt: Die besten Geschäftsberichte unter Deutschlands Aktiengesellschaften präsentieren der Personaldienstleister DIS (SDax), Heidelberger Druck (MDax), Hugo Boss (MDax) und die ostdeutsche Jenoptik (TecDax). Nur der Energiekonzern RWE kann als einziges Dax-Schwergewicht in dieser Spitzengruppe mithalten.

Jedes dieser fünf Unternehmen erreichte 950 von 1000 möglichen Bewertungspunkten, die das Institut für Wirtschaftsprüfung (IWP) zu vergeben hatte. Unter der Leitung von Karlheinz Küting untersuchte das IWP in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt und der Unternehmensberatung Mercer Management die Informationsqualität von 132 Geschäftsberichten (siehe » Die Methode des Bilanzprüfers). "Die Geschäftsberichte werden von Jahr zu Jahr zwar besser", lobt Bilanzexperte Küting. Aber noch immer gebe es zu viele Kandidaten, die sich einfach weigerten, "ihre Aktionäre verständlich und umfassend zu informieren".

Dabei sind die gedruckten Jahresreports der Unternehmen auch im Zeitalter des Internets eine wichtige Informationsquelle - vor allem für Kleinaktionäre. "Die Geschäftsberichte sind das entscheidende Informationsmedium zwischen Unternehmen und Aktionären", sagt Rüdiger von Rosen, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts (DAI). Vor allem aber: "Sie sind das entscheidende Medium für Privatanleger."

» Tabelle: Alle 132 Unternehmen im Firmencheck

Wer die Flops des Handelsblatt Firmencheck nur unter den Nebenwerten der Börse vermutet, liegt falsch. Selbst große Konzerne mit breit gestreutem Aktionärskreis halten es offensichtlich nicht für nötig, eine gute Corporate Governance durch Transparenz und verständlich aufbereitete Informationen zu beweisen. "Wer als Anleger aber Risiken richtig beurteilen will", sagt Küting, "der braucht umfassende Informationen." Top-Information ist zudem erstklassiges Marketing: "Ein guter Geschäftsbericht ist die Visitenkarte der Unternehmen", wirbt DAI-Mann von Rosen.

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