Handelsblatt Firmencheck
Schwer lastet die Vorsorge

Nicht nur für die Mitarbeiter ist die finanzielle Absicherung im Alter ein riesen Thema, sondern auch für die Arbeitgeber. So haben die deutschen Konzerne in den vergangenen Jahren Milliarden zusätzlich für Pensionen zurückgelegt. Das zeigt der Handelsblatt-Firmencheck. Für die Aktivitäten gibt es einen guten Grund.

DÜSSELDORF. Hauptgrund für die Aufstockung der Pensionsrückstellungen ist die Umstellung von deutschen HGB-Bilanzierungsstandards auf eine internationale Rechnungslegung nach IFRS, erläutert Karlheinz Küting, Direktor des Instituts für Wirtschaftsprüfung (IWP) an der Uni Saarbrücken. Dabei müsse die Vorsorge häufig um bis zu 20 Prozent erhöht werden. Insgesamt erreicht das Volumen bei den führenden Konzerne laut Handelsblatt-Firmencheck 117 Mrd. Euro.

"Der Endpunkt und damit die Höhe der Auszahlung ist in beiden Systemen gleich", erläutert Küting, "aber der Weg ist unterschiedlich." So müssen beim IFRS künftige Entwicklungen schon heute in den Bilanzen abgebildet werden. Und das bedeutet in der Regel höhere Rückstellungen. Davon sind vor allem deutsche Unternehmen betroffen.

Nach einer Studie der Unternehmensberatung Mercer entspricht der Gesamtwert der Pensionsverpflichtungen der 30 Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) inzwischen 31 Prozent ihres Börsenwerts. Das ist dreimal so viel wie in Frankreich und ein Fünftel mehr als in Großbritannien oder den Niederlanden. "Die Pensionsverpflichtungen zehren also mit einem höheren Hebel am Marktwert der Unternehmen", sagt Raimund Rhiel von Mercer. Dabei liegt die Bandbreite in Deutschland zwischen weniger als einem Prozent der Marktkapitalisierung (SAP) und über 100 Prozent (Lufthansa).

Doch nicht nur die höheren Verpflichtungen bedeuten stärkere Risiken in Deutschland. Hier zu Lande sind nur 61 Prozent der Pensionsverpflichtungen durch ausgelagerte Vermögenswerte, das heißt in Pensionskassen, Pensionsfonds oder Treuhandvereinbarungen, gedeckt. Der Rest erscheint zum größten Teil als Pensionsrückstellung in der Bilanz. Hingegen sind Pensionspläne der niederländischen und britischen Unternehmen mit 92 bzw. 89 Prozent durch Vermögenswerte wie Fonds oder Pensionskassen gedeckt.

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