Handelsblatt Firmencheck
Viel Luft in den Bilanzen

Deutsche Konzerne schleppen milliardenschwere Risiken aus Fusionen und Übernahmen mit sich herum. Laufen die Geschäfte nicht wie erwartet, können einige Unternehmen schwer in Bedrängnis geraten.

HB DÜSSELDORF. Kai-Uwe Ricke startete seinen Job als Chef der Deutschen Telekom mit einem Paukenschlag. Zur Amtsübernahme am 15. November 2002 präsentierte er den verdutzten Anlegern einen Rekordverlust von 24,6 Mrd. Euro. Das hatte noch kein deutscher Konzern geschafft.

Ursache war aber nicht der Zusammenbruch des Telefongeschäfts. Ricke bewertete vielmehr die Hinterlassenschaften seines Vorgängers Ron Sommer neu. Allein 13 Mrd. Euro des Rekordverlusts gingen deshalb auf das Konto von Wertberichtigungen beim Goodwill, also dem Firmenwert, als Folge überteuerter Zukäufe. Ricke schraubte vor allem die Erwartungen an das US-Tochterunternehmen Voicestream herunter. Das führte zu gigantischen Abschreibungen.

Geschäfts- oder Firmenwerte (Goodwill) entstehen immer dann, wenn Manager bereit sind, einen Kaufpreis zu zahlen, der über dem Buchwert des erworbenen Unternehmens liegt. Spektakulärster Fall ist bis heute die Übernahme der deutschen Mannesmann AG durch die britische Mobilfunkfirma Vodafone. Dabei entstanden 140 Mrd. Euro Goodwill bei Vodafone, weil deren damaliger Chef, Chris Gent, mit wachsendem Widerstand aus Düsseldorf das Angebot Schritt für Schritt aufstockte. Das Reinvermögen Mannesmanns veränderte sich natürlich nicht in dieser Zeit. Diese Wertlücke, sagt der Bilanzexperte Karlheinz Küting, ist beim Kauf "attraktiver Unternehmen mit hohen Zukunftserwartungen" kein Problem. Vodafone setzte darauf, dass Mannesmann eine maßgebliche Rolle im boomenden deutschen Mobilfunkmarkt spielen werde.

"Die strategische Logik muss stimmen", sagt Mercer-Berater Thomas Kautzsch. "Stellen sich Synergien nach einer Übernahme aber nicht ein, wird es kritisch." Gerade der Internethype hat gezeigt, dass die Erwartungen an Übernahmen oft übertrieben waren. Hier ist Ernüchterung eingekehrt. "Doch in der Technologie- und Medienbranche", warnt Kautzsch, seien derzeit schon wieder die Tendenz zu Übertreibungen bei den Kaufpreisen zu beobachten.

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