Hohe Rohstoff-Preise beflügeln die Gewinne
Goldene Jahre für die Öl- und Bergbauriesen

15 Milliarden Dollar von Shell, 23 Milliarden Dollar in zwei Jahren von BP - auf die Aktionäre der Ölmultis geht ein Geldregen nieder wie noch nie. Was ihnen durch die hohen Rohölpreise zufällt, geben die Konzerne zum großen Teil an ihre Teilhaber weiter. Bei den großen Bergbaukonzernen sieht es ähnlich aus.

LONDON. Obwohl immer mehr Experten die Ölpreise längerfristig auf dem hohen aktuellen Niveau sehen, stützen die großen Ölförderer ihre Investitionspläne auf konservative Schätzungen und schöpfen gleichzeitig die Gewinne ab. Auch bei den Bergbauunternehmen schwemmt vor allem der steigende Verbrauch in Ländern wie China und Indien unerwartet hohe Gewinne in die Kassen. Und auch sie investieren vorsichtig, denn wer ein neues Bergwerk eröffnet, muss in Jahrzehnten denken.

In der Rangliste der 500 größten Unternehmen Europas haben Rohstoff-Unternehmen weite Schritte nach vorn gemacht. So zum Beispiel der britisch-australische Bergbau-Weltmarktführer BHP Billiton, der um mehr als 30 Plätze auf Rang 86 kletterte. Schon jetzt ist absehbar, dass der Konzern in der Liste für 2005 Richtung Top 50 aufsteigen wird, denn gerade hat er sich mit dem Kauf der australischen WMC verstärkt. Außerdem haben die Eisenerz-Produzenten zu Jahresanfang weitere Preiserhöhungen von mehr als 70 Prozent durchgesetzt.

Doch ganz vorne stehen unangefochten die Ölriesen - drei von ihnen finden sich unter den größten Fünf der Rangliste, sowohl was den Umsatz betrifft als auch mit Blick auf Gewinne und Börsenwert. Dabei hatte der Shell-Konzern ein ausgesprochen schweres Jahr zu bewältigen. Wie viel Vertrauen der Skandal um die systematisch überhöhte Berechnung von Öl- und Gasreserven kostete, zeigt sich darin, dass die beiden Konzernteile (Royal Dutch und Shell Transport) zusammen zwar einen höheren Gewinn ausweisen als BP, an der Börse dennoch niedriger bewertet werden als der britische Konkurrent. Die Vereinigung des britischen mit dem niederländischen Konzernteil soll Shell nun wieder nach vorne bringen.

Das Ausnahmejahr 2004 hat das hohe Gewicht der Ölriesen unter den 500 Top-Unternehmen in Europa weiter untermauert. Die Energiebranche einschließlich der Versorger setzt in dieser Liga jetzt jeden sechsten Euro um und fährt jeden vierten Euro Gewinn ein.

Gemessen an den Zuwachsraten haben allerdings andere Rohstoff-Branchen noch deutlich größere Sprünge gemacht als die Bergbau- und Ölkonzerne. Den Chemie- und Stahlfirmen in der Euro-500-Rangliste gelang es insgesamt, ihre Gewinne mehr als zu vervierfachen.

Doch während Analysten für Öl- und Bergbaukonzerne auch 2005 mit kräftigen Gewinnsteigerungen rechnen, sind sie für die Stahlerzeuger skeptischer. So argumentieren etwa die Experten des Bankhauses ABN Amro, dass China wohl eigene Stahlkapazitäten aufbauen, nicht aber genug Eisenerz fördern könne. Das heißt: Beim Stahl kann ein erhöhtes Angebot die Preise bald drücken, die Bergbaukonzerne dagegen sind auf der sicheren Seite.

Ein Ende des lang anhaltenden Rohstoffbooms ist nach Einschätzung der Analyseabteilung der Deutschen Bank nicht in Sicht. Es werde in den kommenden Monaten bei einer kleineren Korrektur bleiben. Die Aktionäre der Öl- und Rohstoffriesen haben also Grund zum Optimismus: Auch für 2005 können sie auf üppige Ausschüttungen hoffen.

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