Interview mit Peer-Michael Schatz
„Es wird immer schwieriger, gute Aufsichtsräte zu finden“

Peer Michael Schatz ist Vorstandschef des Biotech-Unternehmens Qiagen. Das Handelsblatt sprach mit ihm über die Kontrolleure seines Berufsstandes.

Herr Schatz, sollen Aufsichtsräte auch variable Tantiemen bekommen?

Ja. Die Vergütung von Aufsichtsräten sollte an den langfristigen Erfolg eines Unternehmens gekoppelt sein. Das schafft einen Anreiz für besondere Leistungen und regt gleichzeitig eine Diskussion über die Performance des Aufsichtsrates an.

Wie viel Prozent empfehlen Sie?

Es gibt verschiedene Modelle, die bis zur Hälfte der Gesamtvergütung reichen. Ich persönlich halte 20 bis 30 Prozent für angemessen. Aber es gibt sicher Unternehmen, bei denen auch höhere Anteile sinnvoll sind. Wenn eine Gesellschaft beispielsweise vor einer längerfristigen, großen Herausforderung steht, dann ist auch oft der Aufsichtsrat stark gefordert. Eine variable Komponente kann eine zielgerichtete Arbeit oft deutlich verbessern.

Gibt es ein Idealmodell für die variable Vergütung?

Nein. Das muss jedes Unternehmen basierend auf seiner speziellen Situation individuell entscheiden. Auf jeden Fall sollte das Vergütungsmodell nicht zu eng an die Vorstandsbezüge angelehnt sein, damit die Unabhängigkeit dieser Kontrollinstanz gewahrt bleibt.

Der Bundesgerichtshof hat auch deshalb Aktienoptionen für Aufsichtsräte verboten.

Ja, dies bedauere ich persönlich sehr. Hightech-Unternehmen wie Qiagen haben dadurch im internationalen Wettbewerb um qualifizierte Aufsichtsräte einen beträchtlichen Nachteil. In angelsächsischen Ländern sind solche Optionen bei Wachstums- und Technologiefirmen Standard, um die meist geringere Barvergütung zu kompensieren. Deutsche Hightech-Unternehmen können hier nun nicht mithalten.

Fehlen denn qualifizierte Aufsichtsräte in Deutschland?

Es wird immer schwieriger, gute Aufsichtsräte zu finden, da zeitliche, inhaltliche und auch die rechtlichen Anforderungen ständig steigen. Gerade Technologiefirmen müssen sich hier verstärkt im Ausland umsehen, da sie oft in engen Marktsegmenten arbeiten und spezifisches Know-How suchen Bei Qiagen kommen bereits drei der sieben Aufsichtsräte aus dem Ausland.

Brauchen wir hierzulande mehr Berufsaufsichtsräte?

Ein Industriemanager, der aktiv im Berufsleben steht, ist heute kaum mehr in der Lage, neben seinem Hauptberuf noch mehrere Aufsichtsratsmandate vernünftig auszufüllen. Es muss daher auch immer mehr Aufsichtsräte geben, die als ehemalige und erfahrene Manager genug Zeit für das Mandat mitbringen. Wichtig ist ein guter Mix aus aktiven und ehemaligen Managern.

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