Italiens Spitzenunternehmen
Staatsunternehmen sind Trumpf

Versorger, Telekommunikation, Rüstung und Post - die größten Unternehmen Italiens spielen meist in einem Marktumfeld, in dem sie sich nur beschränkt dem Wettbewerb stellen müssen. Das zeigt ein Blick auf das Ranking der größten italienischen Unternehmen.

MAILAND. Es gibt zwar auch löbliche Ausnahmen wie etwa den Autokonzern Fiat, der seine schwerste Krise in der Unternehmensgeschichte hinter sich gelassen hat und wieder profitabel arbeitet. Doch viele der größten Spieler sind ehemalige Staatskonzerne, die häufig eine Quasi-Monopolstellung in ihren Märkten haben oder zumindest nur wenige kleinere Konkurrenten. Versorger dominieren das Ranking ebenso wie reine Staatskonzerne wie die Poste Italiane, der Rüstungs- und Luftfahrtkonzern Finmeccanica und die italienische Eisenbahn Ferrovie dello Stato.

Der Chefökonom der Großbank Intesa Sanpolo, Gregorio De Felice (siehe nebenstehendes Interview), führt das vor allem auf die Dimension der italienischen Unternehmen zurück. Denn Italiens Wirtschaft ist von nur wenigen Großunternehmen und mehr als fünf Millionen kleinen und mittleren Unternehmen geprägt. Die meisten davon haben nur zehn bis 15 Mitarbeiter. Was in Deutschland noch als Kleinunternehmen durchgeht ist in Italien bereits Mittelstand.

Großkonzerne wie der Strom- und Gasversorger Eni und der Öl- und Gaskonzern Enel und Telecom Italia sind zwar heute privat. Aber sie sind aus ehemaligen Staatsunternehmen hervorgegangen. Noch heute hält der Staat rund ein Drittel der Aktien von Eni und Enel. Bei Telecom Italia dagegen hat Italien anders als Deutschland den ehemaligen Monopolisten zwar komplett privatisiert. Aber das Unternehmen beherrscht trotz ernster Konkurrenten wie Vodafone, Fastweb und Wind noch immer mehr als die Hälfte des Markts.

Zu den Ausnahmen zählt die zur Benetton-Familie gehörende Edizione Holding. Die Benetton-Geschwister aus dem damals armen Nordosten Italiens haben innerhalb von vier Jahrzehnten einen der größten industriellen Spieler in Italien aufgebaut. Heute macht das Geschäft mit Bekleidung nur noch weniger als ein Drittel des Umsatzes aus. Die Familie ist an Flughäfen beteiligt, ihr gehört die Raststättenkette Autogrill und der ehemalige staatliche Autobahnbetreiber Autostrade. Vor allem bei Autostrade ist jedoch auch bei den Benettons der Hang zum Quasi-Monopol zu erkennen. Denn die Benetton-Familie operiert hier de facto in einem Konkurrenz-freien Raum, da man die Landstraßen kaum als Wettbewerber der Autobahnen bezeichnen kann.

Eine weitere Ausnahmeerscheinung ist die Holding Fininvest, die dem Medienunternehmer und ehemaligen Regierungschef Silvio Berlusconi gehört. Mit Verlagen, Fernsehen, Kinos und Finanzberatung schafft es Fininvest immerhin auf Platz 16. Allerdings besteht im Fernsehmarkt in Italien de facto ein Duopol aus staatlichen Fernsehsender der Rundfunkanstalt Rai und den Kanälen der zur Fininvest gehörenden Mediaset. In jüngster Zeit holt zwar vor allem der kleine Sender La7 auf, der zum Telecom-Italia-Imperium gehört. Doch der ist nicht landesweit zu empfangen und kommt nur auf einen einstelligen Marktanteil.

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