Neues Risiko: Konzerne weisen hohe Firmenwerte in den Bilanzen aus

Neues Risiko
Konzerne weisen hohe Firmenwerte in den Bilanzen aus

Bei einer Reihe großer deutscher Konzerne hat sich in der Bilanz ein neues Risiko aufgebaut: Übernommene Unternehmen stehen oft mit hohen Werten in den Büchern. Diese müssen aber nach der kürzlich eingeführten Internationalen Rechnungslegung IFRS abgeschrieben oder reduziert werden - wenn sich die in den Zukauf gesetzten Hoffnungen nicht erfüllen.

DÜSSELDORF. Unternehmen wie die Deutsche Telekom, aber auch Energiekonzerne wie Eon (15 Milliarden Euro Geschäfts- und Firmenwerte) oder RWE (12 Milliarden Euro) spüren heute die Folgen ihrer Einkaufstour. Dies geht aus dem Handelsblatt Firmencheck hervor, der auf einer äußerst umfangreichen Bilanzdatenbank beruht: Unter der Regie von Karlheinz Küting, Direktor des Instituts für Wirtschaftsprüfung an der Uni Saarbrücken, analysieren Forscher seit Jahren die Kerndaten börsennotierter Industrie-, Handels- und Dienstleistungskonzerne. Partner ist die Unternehmensberatung Oliver Wyman.

Bei den Untersuchungen erwies sich, dass im Laufe der Jahre auch Daimler, EADS und Thyssen-Krupp (jeweils rund eine Milliarde Euro) sowie RWE und Tui (jeweils über 700 Millionen Euro) den Goodwill in ihren Bilanzen kräftig korrigiert haben.

Nach einer früheren Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers auf der Basis von 357 Unternehmen aus den Leitindizes der wichtigsten europäischen Börsen macht der Goodwill aus Übernahmen im Schnitt gut 50 Prozent des Kaufpreises aus. Dementsprechend groß ist das Risiko, erhebliche Abschreibungen vornehmen zu müssen.

In der momentanen Großwetterlage ist das Risiko einer Abwertung eher gering. Das liegt an der momentan guten Konjunktur bei den meisten Industrie- und Dienstleistungsunternehmen, die den Firmenwert konservieren oder gar steigen lassen. Es gehört zu den Aufgaben der Wirtschaftsprüfer, jährlich in einem so genannten Impairment-Test zu ermitteln, ob der in den Büchern angegebene Goodwill noch den Tatsachen entspricht oder angepasst werden muss. Trübt sich die Konjunktur ein, dürfte der Zeiger naturgemäß eher nach unten weisen. Aber bis dahin dürfte es noch dauern: "Es wird sicher noch einige Zeit dauern, bis der Impairment-Test durchschlägt", sagt Thomas Kautzsch, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Oliver Wyman.

Bei Banken oder Immobilienfirmen, die nicht Gegenstand des HB-Firmenchecks sind, erwartet Kautzsch wegen der Marktturbulenzen dagegen akuten Abschreibungsbedarf. Beobachten müsse man auch die Unternehmen, die hohe Preise für Übernahmen bezahlt und noch schwierige Integrationsaufgaben zu lösen hätten.

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