Ranking
Europas Top 500: Hoch klettern, tief fallen

Nach vier Rekordjahren in Folge hing die Messlatte hoch. Viel zu hoch. Und weil die Ausgangslage extrem gut war, rutschen Europas 500 größte börsennotierte Unternehmen beim derzeitigen Konjunktureinbruch umso tiefer in die Krise. Sie haben ihr Wachstum 2008 teuer erkauft.

DÜSSELDORF. Insgesamt erhöhten die größten börsennotierten Industrie-, Handels- und Dienstleistungskonzerne im abgelaufenen Geschäftsjahr 2008 ihre Umsätze um 7,8 Prozent. Das ergibt sich nach Auswertung aller Bilanzen. Die letzten Unternehmen präsentierten in den vergangenen Tagen ihre Jahresabschlüsse. Doch die Konzerne erkauften sich die Aufträge und Umsätze mit herben Einbußen: Die Nettogewinne brachen europaweit um 22 Prozent ein. Pro 100 Euro Umsatz blieben unter dem Strich (Umsatzrendite) nur noch sechs Euro übrig. Im Vorjahr waren es 8,33 Euro.

Scheinbarer Verlierer im Umsatzranking ist die Nummer eins, Großbritannien. Gegen den europäischen Trend sanken die Umsätze um 1,6 Prozent. Die Briten stellen 13 Unternehmen weniger unter den Top 500 als noch vor einem Jahr. Doch Ursache dafür ist "nur" der schlechte Wechselkurs: Das Pfund verlor 2008 gut 20 Prozent gegenüber dem Euro. Das verminderte die Umsätze auf Euro-Basis. Auf der anderen Seite wurden britische Produkte auf dem Kontinent billiger und damit wettbewerbsfähiger. Das schlug bei der wichtigen Kennzahl Umsatzrendite positiv zu Buche. Sie sank nur leicht von 8,7 auf immer noch hohe 7,8 Prozent. Großbritannien hat relativ wenig klassische Industrie- und damit konjunkturempfindliche Firmen. Die vielen Finanzinstitute, die besonders unter der Krise leiden, sind im Ranking nicht enthalten. Ihre Kennzahlen lassen sich nicht mit denen anderer Branchen vergleichen.

Großer Verlierer ist Deutschland. Zwar stellt die größte Volkswirtschaft Europas zwei börsennotierte Unternehmen mehr als im Vorjahr. Zudem verbesserten sich 35 Firmen im Ranking, und nur 25 verschlechterten sich. Doch die Deutschen erkauften sich ihre bessere Stellung auf Kosten der Gewinne. Sie brachen durchschnittlich um 34 Prozent ein. Die ohnehin traditionell geringe Rendite sank kräftig auf 3,4 Prozent. Ein schlechteres Verhältnis zwischen Umsatz und Gewinn gibt es in keinem anderen Industrieland der Welt.

Die deutsche Misere spiegelt sich in vielen kleineren Ranglisten wider: Unter den zehn Top-Gewinnern findet sich kein deutsches Unternehmen. Hingegen tauchen in der Top-10-Liste der größten Kapitalvernichter mit dem Chiphersteller Infineon, der Deutschen Post, dem Reifenspezialisten Continental und dem Einzelhändler Arcandor gleich vier heimische Konzerne auf.

Einzig Porsche taucht in einer Positivliste ganz vorne auf: Beim Premiumhersteller blieben pro 100 Euro Umsatz 84,30 Nachsteuergewinn hängen. Das schaffte sonst niemand. Der 6,3-Mrd.-Euro-Gewinn - mehr als jeder Dax-Konzern - resultierte aber nicht aus dem Verkauf von Autos, sondern auf Derivatespekulationen an der Börse. Eine Wiederholung scheint ausgeschlossen. Porsche hat sich mit der versuchten Übernahme von Volkswagen verhoben und verkauft obendrein weniger Autos.

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