Top 50 der deutschen Privatunternehmen
Verschlossen, aber erfolgreich

Es braucht kein Kapital von der Börse, um als Unternehmen zu einem international tätigen Milliardenkonzern zu wachsen. Viele der 50 größten Privatunternehmen Deutschlands, die Handelsblatt.com auflistet, meiden gar das Parkett wie der Teufel das Weihwasser. Sie haben gute Gründe dafür.

DÜSSELDORF. Wie grundverschieden Unternehmen sein können, zeigte sich vor wenigen Wochen beispielhaft im westfälischen Gütersloh. Da gab ein Konzern rund 4,5 Mrd. Euro dafür aus, um nicht das tun zu müssen, wovon andere Unternehmen seit vielen Jahren träumen. Es geht um den Börsengang, der - wenn er gut läuft - für ein Unternehmen nicht nur die Kasse ordentlich füllt, sondern auch Prestige und einen Image-Schub bringen kann. Schließlich steht man fortan im Lichte der Öffentlichkeit und der Finanzwelt. Doch genau dieses scheut Liz Mohn, die Sprecherin der Gründerfamilie von Bertelsmann. Rund 4,5 Mrd. Euro zahlt der Medienkonzern für den 25-prozentigen Anteil des belgischen Investors Albert Frère, der gedroht hatte, dieses Paket an die Börse zu bringen. Damit ist das Gütersloher Unternehmen künftig wieder zu 100 Prozent in Hand der Familie und der Bertelsmann-Stiftung.

Der Rückkauf der Anteile sichert Bertelsmann Platz zehn im aktuellen Handelsblatt-Ranking der fünzig größten deutschen Unternehmen, die nicht an der Börse notiert sind. Ihnen hat der Platz fernab des Aktienmarkts auch im abgelaufenen Geschäftsjahr nicht geschadet: Die im Ranking vertretenen Unternehmen steigerten den Umsatz im Schnitt um 9,03 Prozent und wuchsen damit stärker als die 130 größten Börsenkonzerne aus Deutschland, die im Schnitt um 5,8 Prozent zulegten. Der Gesamtumsatz der fünfzig größten börsenfernen Unternehmen lag bei rund 511 Mrd. Euro.

Nicht alle Unternehmen in dem Ranking sind typische Familienunternehmen - Bosch etwa gehört einer Stiftung, der Handelskonzern Rewe ist genossenschaftlich organisiert. Doch hinter der überwiegenden Zahl der Firmen stehen eine oder mehrere selbstbewusste Eigentümerfamilien, deren Mitglieder die Geschäfte entweder selbst steuern oder dies in enger Verbindung mit familienfremden Managern an der Spitze tun. So macht es Bertelsmann, so macht es der Mischkonzern Haniel, der Versandhändler Otto und so machen es die großen Einzelhändler wie etwa Aldi und die Drogeriekette dm.

Dieser private und meist kleine Kreis an der Unternehmensspitze soll das langfristige Überleben des Unternehmens sichern - und damit auch das der Eigentümerfamilien und deren Vermögen. Diese beiden Motive nennen deutsche Familienunternehmen an erster Stelle, wenn sie nach ihren Interessen befragt werden, ergab eine Untersuchung der Münchener Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner.

In dieses verschlossene Entscheidungs- und Beziehungsgeflecht lassen sich die deutschen Familienunternehmer nicht gerne hineinreden - erst recht nicht von jungen Analysten, Finanzinvestoren oder gar Hedgefonds. Denn diese denken meist kurzfristig und greifen zugleich bei börsennotierten Unternehmen mehr und mehr auch in Strategieentscheidungen ein.

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