Top-50 nach Umsatz
US-Konzerne verlieren an Boden

Amerikas jahrzehntealte Dominanz in der Unternehmenswelt schwindet. Die größte Volkswirtschaft stellt nur noch 15 der 50 umsatzstärksten Industrieunternehmen der Welt. Das ist so wenig wie noch nie. Aus Europa kommt mit 24 Konzernen erstmals knapp die Hälfte. Auch deutsche Konzerne sind darunter.

DÜSSELDORF. Noch stärker schwindet Amerikas Einfluss an der Börse. Hier verlieren fast alle US-Konzerne an Wert. Von der Schwäche profitieren die rohstoffreichen Schwellenländer und auch Deutschland. Das belegt die vom Handelsblatt berechnete Rangliste der 50 größten Unternehmen. Gerade haben als letzte große Unternehmen die russischen Firmen ihre Geschäftsabschlüsse für 2007 veröffentlicht.

Der Autobauer BMW schaffte als neuntes deutsches Unternehmen den Sprung in die Top 50 nach Umsatz. Mit Ausnahme von Volkswagen und den beiden Ex-Monopolisten Post und Telekom verbesserten alle heimischen Unternehmen ihre Position. VW legte beim Umsatz zwar kräftig zu, musste aber den noch rasanter wachsenden chinesischen Ölkonzern China Petroleum vorbeiziehen lassen. Die Wolfsburger rutschten eine Position auf Rang 13 ab und sind damit Deutschlands größtes Unternehmen. Hingegen büßten fast alle US-Konzerne zum Teil empfindlich Positionen ein. Deutlich verbessern konnte sich allein der Telefonriese AT&T. Der frühere Monopolist wuchs aber nicht organisch. Er kaufte für 70 Mrd. Dollar die vor über 20 Jahren abgespaltene Gesellschaft Bellsouth zurück.

Grund für die Stärke Deutschlands ist der investitionsgetriebene Boom der Weltwirtschaft. Er begünstigt traditionelle Industriefirmen wie den Mischkonzern Siemens, den Versorger Eon oder den Chemiespezialisten BASF. Sie alle kletterten mehrere Plätze nach oben. Bemerkenswert ist, dass deutsche Konzerne bei zwei anderen wichtigen Kennzahlen, dem Nettogewinn und der Umsatzrendite, noch stärker zulegen als beim Umsatz. "Viele deutsche Konzerne haben in den vergangenen Jahren Kosten gesenkt, neue Märkte erschlossen und ihre Wettbewerbsfähigkeit deutlich gesteigert", sagt Hendrik Hollweg, Vorstandsmitglied der Unternehmensberatung Ernst & Young.

Von traditionell niedrigen Margen einst schwerfälliger Industrietanker kann keine Rede mehr sein. Pro 100 Euro Umsatz blieben bei deutschen Konzernen 5,10 Euro hängen. Das sind 20 Prozent mehr als im Vorjahr. US-Firmen erlösten mit 6,90 Dollar pro 100 Dollar Umsatz zwar nach wie vor mehr, verringerten ihre Rendite binnen Jahresfrist aber um zehn Prozent.

Besonders deutlich sind die Unterschiede im Branchenvergleich, vor allem in der Autoindustrie. Während Volkswagen, Daimler und BMW Umsatzrenditen zwischen 3,8 und 5,6 Prozent erlösten, fuhren die US-Hersteller Negativrenditen ein. Der weltgrößte Hersteller General Motors (GM) stellte den Negativrekord auf: Er häufte mit jedem Dollar Umsatz 21,4 Cent Verlust an. Die Ertragsunterschiede schlagen sich an der Börse nieder. Hier schwindet die Dominanz der USA noch stärker. Nur fünf der zehn größten Schwergewichte kommen noch aus den USA.

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