Vorstandsgehälter
Kartell der Schweiger ist geknackt

Die Transparenz der Dax-Konzerne in der Vorstandsvergütung hat ein Rekordniveau erreicht. Treiber sind das seit dem Geschäftsjahr 2006 geltende Offenlegungs-Gesetz (VorstOG), nachdem die Vorstände ihre Bezüge individualisiert offenlegen müssen, aber auch präzisierte Empfehlungen der Corporate-Governance-Kommission. "Die Unternehmen überlegen es sich inzwischen zweimal, ob sie vom Kodex abweichen", sagt Vergütungsexperte Heinz Evers.

DÜSSELDORF. Für das Handelsblatt hat Evers erneut das Publizitäts-Ranking im Dax 30 zur Vorstandsvergütung zusammengestellt. Ergebnis: In den vergangenen drei Jahren stieg die durchschnittliche Transparenz-Quote von 54 auf 71 Prozent der maximal erreichbaren Punktzahl. Spitzenreiter ist der Softwarekonzern SAP mit 92 Prozent. Das wäre nur noch vom Chemie- und Pharmakonzern Altana (96 Prozent) übertroffen worden. Doch Altana gehört nach der Aufspaltung vor einigen Monaten nicht mehr zum Kreis der führenden Dax-Unternehmen. Aufsteiger Merck allerdings bekommt gleich die rote Laterne. "Dieses Unternehmen ist in puncto Publizität noch nicht im Dax angekommen", kritisiert Evers.

Die Pharmafirma Merck begründet ihre mangelhafte Transparenz mit der Rechtsform Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Doch das Beispiel des Konsumgüterherstellers Henkel zeigt, dass dies nur ein vorgeschobenes Argument ist. Die Düsseldorfer liegen voll im Durchschnitt des Rankings. Vergeben werden maximal 36 Punkte in sechs Kategorien. Diese reichen von den Angaben über Gesamtbezüge, Festgehälter, kurz- und langfristige variable Bezüge, die Altersversorgung bis zu Nebenleistungen und weiteren Leistungszusagen. Bewertet wird nicht die Höhe der Bezüge, sondern ob die Angaben der Konzerne vollständig, übersichtlich und verständlich sind.

Wie groß inzwischen der Transparenz-Vorsprung von Dax-Konzernen gegenüber anderen wichtigen Unternehmen ist, zeigt ein Vergleich: Einer der weltgrößten Medienkonzerne, Bertelsmann, oder der Sportwagenhersteller Porsche begnügen sich mit höchstens fünf Zeilen Erläuterung zur Vorstandsvergütung. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ist erklärter Gegner jeglicher Transparenzregeln. SAP dagegen erläutert die Bezüge der Topmanager auf zehn Seiten. Nach wie vor muss aber einschränkend gesagt werden, dass viele Dax-Konzerne es den Investoren schwer machen, die Informationen im Geschäftsbericht zu finden. Oft gibt es nicht einmal Hinweise im Inhaltsverzeichnis, häufig sind die Angaben über den gesamten Geschäftsbericht verstreut. "Für Evers ist die Informationspolitik immer noch zu sehr defensiv.".

Aufgelöst hat sich durch den Zwang des Gesetzes immerhin das "Kartell der Schweiger". Alle Dax-Unternehmen publizieren detailliert und individuell die Bezüge ihrer Vorstandsmitglieder. Die Bundesregierung hatte vor zwei Jahren das VorstOG verabschiedet, weil die freiwillige Empfehlung der Kodex-Kommission zu langsam Wirkung zeigte.

Kritisch sieht es nach wie vor bei einigen Details aus. Als "absolut unbefriedigend" bezeichnet Evers die Berichterstattung über die aktienkursorientierten Long-Term-Incentives. Während die Angaben zu den im Geschäftsjahr 2006 gewährten Optionen durchweg befriedigend seien, bleibe der Wert früherer noch nicht ausgeübter Optionen meist im Dunkeln. Als markantestes Beispiel gilt Ex-Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp, dessen Bezugsrechte sich auf etwa 50 Mill. Euro summieren. Aus dem Geschäftsbericht Daimlers ist das allerdings nicht ablesbar.

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