Wachstum auf hohem Niveau Dax-Konzerne mit Rekordgewinn

Schon bevor Eon und Bayer als letzte Dax-Unternehmen ihre Geschäftszahlen präsentieren, zeichnet sich das beste zweite Quartal in der deutschen Wirtschaftsgeschichte ab. Zwischen April und Juni verdienten die Dax-Konzerne netto 15 Mrd. Euro. Doch schwache Ausblicke verderben die Stimmung.
Die Dax-Unternehmen haben beim Gewinn kräftig zugelegt. Grafik: Handelsblatt.com

Die Dax-Unternehmen haben beim Gewinn kräftig zugelegt. Grafik: Handelsblatt.com

DÜSSELDORF Zusammen mit den 15,5 Mrd. Euro Gewinn in den ersten drei Monaten schafften sie bereits 60 Prozent des erwarteten Gesamtgewinns für 2006. Traditionell ist das vierte Quartal das stärkste.

Auch die Margen überraschen: Von 270 Mrd. Euro Umsatz (plus zehn Prozent) blieben 5,5 Prozent Nachsteuergewinn übrig. Das ist fast doppelt so viel wie im langfristigen Mittel. Doch die Reaktionen an den Finanzmärkten blieben verhalten. Grund dafür sind höhere Erwartungen der Analysten, aber auch enttäuschende Ausblicke auf das zweite Halbjahr und 2007.

Auffälliges Beispiel für diese Entwicklung ist die Deutsche Telekom. Zwar verdienten die Bonner unter dem Strich mehr als eine Milliarde Euro und erfüllten damit die Prognosen. Die Telekom aber senkte ihre Vorhersage für das zweite Halbjahr und 2007. Der Aktienkurs brach binnen zwei Tagen um elf Prozent ein. Investoren und Analysten vermissen Perspektiven, wie der Ex-Monopolist den Preisverfall und Verlust an Kunden aufhalten will. Konzernchef Kai-Uwe Ricke ist nun Spekulationen über seine Person ausgesetzt.

Neben der Telekom schafften mit Allianz und Deutscher Bank zwei weitere Firmen im Dax beim Nettogewinn den Sprung über die Milliardengrenze. Eon dürfte am Dienstag folgen. Adidas erreichte dank des guten Geschäfts rund um die Fußball-Weltmeisterschaft mit 60 Prozent den größten Umsatzsprung. Doch kräftiges Wachstum garantiert den Konzernen keineswegs anziehende Aktienkurse. Linde etwa steigerte den Umsatz um zehn, den Nettogewinn um 30 Prozent. "Die Börse quittierte die Bilanz mit einem Achselzucken, weil Investoren nach den guten Ergebnissen in den Vorquartalen so viel bereits erwartet hatten", sagt Andreas Hürkamp von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP).

Hinzu kommen Anzeichen für eine Abschwächung der Weltwirtschaft. Der hohe Ölpreis schmälert die Konsumlust in den USA. "Das zweite Halbjahr wird noch nicht schwächer, aber 2007 drohen Einbußen. Die Unternehmen fahren ihre Ausblicke herunter", sagt Christian Kahler von der DZ-Bank. Kahler hat beobachtet: Die Konzerne konzentrieren sich auf neue Produkte, Marketing sowie Forschung und Entwicklung. Das erhöht zwar die Umsätze, geht aber zu Lasten der Gewinne. "Der im Sommer 2003 begonnene Gewinnzyklus dürfte Ende dieses Jahres auslaufen", glaubt er.

Durchschnittlich vermochten die Firmen in der Vergangenheit ihre Umsätze und Gewinne jeweils 30 bis 34 Monate zu steigern, ehe eine Schwächephase folgte. Bereits jetzt dauert der Boom 38 Monate.

Niemand mehr erwartet hohe Gewinnsteigerungen, zumal in Deutschland die höhere Mehrwertsteuer im nächsten Jahr die Inlandsgeschäfte dämpfen dürfte. Aber: "Wir sind optimistisch, dass die Dax-Unternehmen auch 2007 die erwarteten Gewinne von 60 Mrd. Euro erreichen", sagt Hürkamp. Das wären fast 20 Prozent mehr als die Prognosen für das laufende Jahr.

Die Zuversicht der Analysten gründet sich auf enormes Restrukturierungspotenzial bei vielen Unternehmen. Während Konzerne wie Continental und Linde ihre Margen bereits erfolgreich erhöhten, macht LRP-Experte Hürkamp bei Unternehmen wie VW und Siemens noch viel Potenzial aus. Gespart werden könne dort durch Arbeitsplatzabbau, effektivere Produktion und die Trennung von unrentablen Geschäftsfeldern.

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