Formel-1-Streit eskaliert
Henkel verklagt Daimler-Rennstall

Der Formel-1-Rennstall Brawn GP bekam ein unschlagbares Angebot: 90 Millionen Euro von einem Sponsor. Nun verklagt der Weltkonzern Henkel den Rennstall des Weltkonzerns Daimler. Denn der Deal war das Werk eines gewieften Betrügers.
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HAMBURG. Einen Moment ist es still, als Dieter Zetsche das Telefon auflegt. Der Daimler-Chef hat schon viel erlebt. Aber so etwas? Ist der Mann denn wahnsinnig geworden? Und wer ist überhaupt dieser Kai von B.?

Gute Fragen. Sie beschäftigen nun die Staatsanwaltschaft Düsseldorf. Denn was an jenem Montag, den 28. September dieses Jahres, für Zetsche in seinem Stuttgarter Büro noch nach einer Räuberpistole ausgesehen haben mag, lässt sich inzwischen an wie ein Wirtschaftskrimi. In der Geschichte spielt Kai von B., 43, bis vor kurzem Manager des Düsseldorfer Konsumgüter-Herstellers Henkel, die Hauptrolle. Und die hat dazu geführt, dass ein namhafter deutscher Weltkonzern juristisch gegen einen anderen vorgeht. Henkel gegen Daimler. Es geht um einen dubiosen Sponsorenvertrag, um 90 Millionen Euro, es geht um Betrug und Urkundenfälschung.

Für die Täter bedeutet der 28. September der Tag X. Kai von B. ist noch guter Dinge. Er fährt mit einem Ferrari durch die Gegend. Doch nur drei Wochen später taucht von B. bei der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft auf. Selbstanzeige. Er kündigt seinen Job als Leiter der Sponsoring-Aktivitäten bei Henkel und taucht ab. Doch das Rad, das er gedreht hat, lässt sich nicht mehr anhalten. Es ist zu groß, sein Schwindel war zu gut.

Rennställe verbrennen Geld fast so schnell wie Benzin

Er beginnt an einem Sonntag, es ist der 24. Mai 2009. Der Formel-1-Zirkus macht in Monaco halt. Nach dem Rennen sind die Manager des Rennstalls Brawn GP in Champagnerlaune. Ihre beiden Fahrer sind als Erster und Zweiter ins Ziel gekommen. Und es hat eine renommierte Sponsoring-Agentur angerufen. Ein potenzieller Großsponsor habe sich gemeldet, der 30 Millionen Euro pro Saison anbietet. Ob man mal mit dem Unternehmen sprechen wolle?

Team-Manager Ross Brawn will. Sein Rennstall ist zwar unabhängig. Der japanische Autobauer Honda ist nicht länger der Besitzer, er hat sich aus der Formel1 zurückgezogen, hat Brawn aber stolze 100 Millionen Euro hinterlassen. Andererseits verbrennen die Rennställe Geld fast so schnell wie Benzin.

Ein Sponsor, der 30 Millionen Euro pro Saison anbietet, ist deshalb in der Glitzerwelt der PS-Monster und Boxenluder hochgeschätzt.

Das übliche Geplänkel beginnt, die Agentur, die Brawn von dem Angebot berichtet hat, ist nur der Mittler. Bevor ein Team erfährt, wer hinter einem solchen Angebot steht, muss eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterschrieben werden. Auch in diesem Fall.

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