_

Ärger um Mitbestimmung: US-Gewerkschaften greifen die Telekom an

Arbeitnehmervertreter werfen T-Mobile vor, Mitbestimmungsrechte in den USA mit Füßen zu treten. Der Konzern spricht von Verleumdung. Die Gewerkschaften monieren, der Konzern habe zwei Gesichter. Denn auf dem Heimatmarkt propagiert die Telekom Mitbestimmung, führt eine Frauenquote ein und schreibt sich nachhaltiges Wirtschaften auf die Fahnen.

Die Telekom hat bei ihrer Tochter T-Mobile USA Ärger mit Gewerkschaften. Quelle: dpa
Die Telekom hat bei ihrer Tochter T-Mobile USA Ärger mit Gewerkschaften. Quelle: dpa

NEW YORK/DÜSSELDORF. Offene Drohungen, anonyme Beichten und geheime Treffen im Hinterzimmer sind bei der Telekom-Tochter T USA-Mobile angeblich an der Tagesordnung. Jedenfalls dann, wenn sich Mitarbeiter für eine Gewerkschaft interessieren. Das behaupten die US-Gewerkschaft Communications Workers of America (CWA) und die deutsche Arbeitnehmervertretung Verdi.

Anzeige

Die Deutsche Telekom weist die Vorwürfe weit von sich. "Die organisierte Kampagne, die gegen die Deutsche Telekom wider besseres Wissen gefahren wird, ist verleumderisch und verantwortungslos", schimpft Personalchef Thomas Sattelberger.

Die Gewerkschaften berufen sich unter anderem auf einen Bericht des amerikanischen Arbeitsrechtlers John Logan von der San Francisco State University. Er hat Interviews mit zahlreichen Beschäftigten der amerikanischen Mobilfunktochter geführt und kommt zu dem Ergebnis: "Es herrscht ein Klima der Angst, wenn es um das Thema Gewerkschaft geht."

Verdi-Vorstand fordert Dialog

Vorgesetzte würden Mitarbeitern mit der Kündigung drohen, sobald sie Flugblätter der Gewerkschaftsvertreter annähmen. Verdi-Vertreter, die kürzlich in die USA gereist sind, erzählen, die Beschäftigten hätten sich nur in geheimen Hinterzimmern getraut, überhaupt mit den Deutschen zu reden. Über die Drohungen ihrer Chefs berichteten sie allenfalls anonym.

Die Deutsche Telekom kaufte im Jahr 2000 den amerikanischen Mobilfunker Voicestream für 50 Milliarden Dollar und nannte ihn anschließend in T USA-Mobile um. Die Vereinigten Staaten sind neben Deutschland der wichtigste Markt des Bonner Konzerns. Lothar Schröder, Verdi-Bundesvorstand und stellvertretender Telekom-Aufsichtsratchef, fordert nun den Konzern zum Dialog in den USA auf. Nur wenn die Beschäftigten sich über die Arbeit der Gewerkschaft informieren könnten, würden sie auch die gesetzlichen Möglichkeiten nutzen und darüber abstimmen, ob sie gewerkschaftlich vertreten werden wollen.

Ein Telekom-Sprecher erklärte, es gebe keine Ansage, dass Führungskräfte Mitarbeiter bedrohen oder die Gewerkschaft vor den Bürotüren verjagen sollten. Die Telekom könne nicht in jeder Auslandstochter die deutsche Mitbestimmung einführen, sondern halte sich in jedem Land an die nationalen Vorgaben.

Das ist den Gewerkschaften zu wenig. Sie monieren die zwei Gesichter des Konzerns. Die Telekom propagiere auf ihrem Heimatmarkt Mitbestimmung, führe eine Frauenquote ein und schreibe sich nachhaltiges Wirtschaften auf die Fahnen, während sie in den USA die Rechte der eigenen Arbeitnehmer mit Füßen trete.

Krise hat Gewerkschaften in den USA weiter geschwächt

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, hat die US-Gewerkschaft bereits große Pensionsfonds angeschrieben, die Aktien der Deutschen Telekom besitzen, und ihre Kritik dort vorgetragen. Der Konzern bestätigt, dass er verschiedene Nachfragen von Investoren erhalten hat. Sie habe man stets beruhigen können, indem die Telekom ihre Sicht geschildert habe. Schröder kündigte aber an, das Thema auch in Berlin vorzutragen. Der Bund ist mit 32 Prozent der Aktien größter Anteilseigner der Telekom.

Experten stärken der Telekom den Rücken. "Es ist völlig legitim, wenn sich ein Unternehmen nach den jeweils geltenden nationalen Regeln richtet", sagt Gernod Meinel, Arbeitsrechtsexperte bei der Kanzlei Hogan & Hartson Raue. "Das gilt für das Steuerrecht genauso wie für das Arbeitsrecht." Es sei aber ein Problem, dass das Arbeitsrecht nicht mit der Globalisierung Schritt halten könne.

T USA-Mobile ist nicht das einzige Unternehmen, in dem es die Gewerkschaft schwer hat. Nur jeder achte amerikanische Beschäftigte ist Mitglied einer Gewerkschaft. "Das ist die niedrigste Quote aller OECD-Länder", heißt es bei CWA. Das Drohpotenzial der US-Unternehmen ist groß: Zwar ist es in den USA verboten, Mitarbeiter zu entlassen, weil sie Mitglied einer Gewerkschaft sind. Passiert das dennoch und es kommt zu einem Prozess, sind die Strafen aber meist gering: Unternehmen müssen den Arbeitnehmern nur das Gehalt nachzahlen, das ihnen in der Zeit nach der Entlassung bis zu einer Neuanstellung entgangen ist. Experten zufolge beträgt die durchschnittliche Summe 2 000 Dollar.

Die Finanzkrise hat die Rolle der Gewerkschaften zusätzlich geschwächt. Die hohen Kosten für die Gesundheitsversorgung der Gewerkschaftsmitglieder waren ein maßgeblicher Grund für die Insolvenzen der Autokonzerne General Motors und Chrysler.

US-Präsident Barack Obama hatte im Wahlkampf ein neues Gesetz versprochen, das die Gründung von Gewerkschaften deutlich erleichtern soll. Die langen Verzögerungen bei der Gesundheitsreform und die hohe Arbeitslosigkeit haben das politisch heikle Thema jedoch schnell wieder in den Hintergrund rücken lassen - sehr zum Ärger der Gewerkschaften, die ihn im Wahlkampf stark unterstützt hatten.

  • Die aktuellen Top-Themen
Frauen gefragt: Dax-Aufsichtsräte werden weiblicher

Dax-Aufsichtsräte werden weiblicher

Der Anteil von Frauen in den Aufsichtsräten der DAX-Konzerne ist gestiegen. In ein paar Jahren könnten sie bereits knapp ein Drittel ausmachen. Das ist allerdings nicht der einzige Trend, der in den Gremien auffällt.

US-Kaffeehaus: Starbucks setzt auf Kaffeekapseln

Starbucks setzt auf Kaffeekapseln

Vom Siegeszug der Kaffeekapsel will auch die US-Kaffeehaus-Kette Starbucks profitieren: Noch vor dem Weihnachtsgeschäft sollen Kaffeemaschinen für Einzelportionen und Kapseln mit Starbucks-Logo verkauft werden

  • Video

Projekt Zukunft Wie die Dinosaurier-Forschung hilft, heutige Probleme zu lösen - ein Gespräch mit Oliver Wings

Ein Gespräch mit Dr. Oliver Wings, Dinosaurier-Forscher, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, über den Nutzen der Dino-Forschung für die moderne Wissenschaft

„Best Lawyers“-Datenbank Die Top-Wirtschaftsanwälte weltweit

Finden Sie für jeden Fall den Richtigen: Der US-Verlag Best Lawyers hat nach der Methode „Anwalt empfiehlt Anwalt“ zusammengetragen, welche Kanzleien für welches Fachgebiet bei der eigenen Profession hoch im Kurs stehen.

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DEUTSCHLANDS ANZEIGENPORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Verkaufsangebote Verkaufsgesuche




 

.