
Abu DhabiEs ist kurz nach halb sieben in der Früh auf dem Flughafen von Abu Dhabi, als James Hogan den noch leicht müden Hartmut Mehdorn in die Arme schließt. Beide haben den ersten sechsstündigen Nachtflug von Air Berlin zum neuen Drehkreuz in dem Emirat gemeinsam erlebt. „Es ist vollbracht“, sagt der der CEO von Etihad Airways und klopft dem Air Berlin-Chef auf die Schultern. Mehdorn antwortet erleichtert: „Endlich.“
Hogan, der Australier, hat die Fluggesellschaft aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) mit 29,2 Prozent zum größten Aktionär der deutschen Fluglinie gemacht. Und er mag an diesem Morgen kaum aufhören mit den verbalen Liebkosungen seines neuen Geschäftspartners aus Deutschland: „Natürlich geht es in der Luftfahrt um Geschäft. Aber auch um Vertrauen. Und ich vertraue diesem Mann.“
Die Top-Ten wird von westlichen Fluglinien dominiert. Handelsblatt Online zeigt die stärksten zehn Gesellschaften, sortiert nach dem Umsatz im letzten verfügbaren Geschäftsjahr (Daten von Bloomberg in Euro).
Mit einem Umsatz von 27,3 Milliarden Euro landet die deutsche Airline auf dem ersten Platz der börsennotierten Fluggesellschaften.
Auf dem zweiten Platz folgt die amerikanische Delta Airlines. Die Gesellschaft erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von umgerechnet rund 24 Milliarden Euro.
Die französische Gesellschaft landet auf dem dritten Platz - ihr Umsatz lag bei 23,6 Milliarden Euro.
Der vierte Platz geht an eine amerikanische Airline: United Continental erzielte Erlöse in Höhe von umgerechnet rund 17,5 Milliarden Euro.
Die Muttergesellschaft von American Airlines landet mit einem Umsatz von umgerechnet rund 16,7 Milliarden Dollar auf Rang fünf.
Die Gruppe, zu der unter anderem British Airways gehört, konnte im vergangenen Jahr einen Umsatz von umgerechnet 14,8 Milliarden Euro erzielen: Das war Platz Sechs.
Die japanische Fluggesellschaft landet im Ranking auf Platz sieben; sie erwirtschaftete umgerechnet rund 12 Milliarden Euro Umsatz.
Der achte Platz geht an einen Australier: Qantas Airways erzielte Erlöse in Höhe von umgerechnet rund 10 Milliarden Euro Umsatz.
Den neunten Platz belegt erneut eine amerikanische Fluggesellschaft: Southwest Airlines mit einem Umsatz von umgerechnet rund 9,1 Milliarden Euro.
Und auch der zehnte Platz geht an die USA. Mit Erlösen von umgerechnet rund 9 Milliarden Euro rutscht US Airways gerade noch so in die Top-Ten.
Wer in der neuen Allianz dominiert, wird schnell deutlich: Hogan, der mit seinem Finanzvorstand in Kürze in das Board der kriselnden deutschen Airline einzieht, spricht immer als Erster, länger, gestikulierender. Mehdorn, und das ist eher untypisch für den bulligen früheren Bahn- und Dasa-Chef, ergänzt, erläutert. Warum, macht er nach dem Jungfernflug von Air Berlin nach Abu Dhabi deutlich: „2012 wird wegen der Krise im Westen für die Flugindustrie ein schweres Jahr.“

Und seine Gesellschaft habe, eingeklemmt zwischen den Branchengrößen Lufthansa, Air France-KLM und British Airways-Iberia, kaum noch Wachstumschancen gehabt. Da sei Etihad, die 73 Millionen Euro für ein Aktienpaket aus einer Kapitalerhöhung und weitere 196 Millionen Euro als Kredit an die klammen Berliner zahlt, ein „Meilenstein“ für die Entwicklung.
Und die gehen Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft und ihr neuer Großaktionär nun entschlossen an. Dabei prüft Air Berlin auch die Streichung von Direktflügen in asiatische Urlaubsgebiete und deren Umleitung über das neue Drehkreuz am Flughafen in Abu Dhabi, wo Etihad beheimatet ist. „Das dient der Optimierung“, sagt Mehdorn in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Es seien bereits Arbeitsgruppen eingesetzt worden, die alle Optionen prüfen und mit Reiseveranstaltern über spezielle Angebote für Urlauber verhandeln, die neben Zielorten in Thailand oder den Malediven einen Zwischenstopp mit Hotelaufenthalt in Abu Dhabi beinhalteten.