Angesichts Abwanderung ihrer Kunden an den Schienenverkehr will Air France
Bahnen in der EU mit eigenen Zügen Konkurrenz machen. Nur in Frankreich darf die französische Fluggesellschaft dies nicht tun.
bm HB DÜSSELDORF. Air France
will den europäischen Bahnunternehmen ab 2010 mit eigenen Hochgeschwindigkeitszügen Konkurrenz machen. Dazu sei eine strategische Partnerschaft mit dem französischen Transportunternehmen Veolia
geplant, sagte ein Air-France-Sprecher am Montag in Paris. Das gemeinsame Tochter-Unternehmen wird am 15. September gegründet. Ziel des neuen Unternehmens sei es, sich als ein Betreiber von Hochgeschwindigkeitszügen in Europa zu etablieren.
Der Hintergrund ist die Liberalisierung des Fernverkehrs der Bahn in der EU ab 2010, die den Markt für neue Unternehmen öffnet. Wegen der Konkurrenz durch die Hochgeschwindigkeitszüge hat Air France
auf etlichen Verbindungen Kunden an die Bahn verloren: Auf inländischen Verbindungen von Paris nach Marseille, Straßburg oder Bordeaux, sowie im internationalen Verkehr nach Brüssel, London und Amsterdam, weist die Bahn inzwischen eine Reisezeit von drei bis dreieinhalb Stunden auf.
Ab 1. Januar wird allerdings nur der Markt für den internationalen Schienenfernverkehr geöffnet. Um genehmigt zu werden, müssen neue Verkehrsdienste grenzüberschreitend sein. Deshalb will Air France
zunächst eigene Züge lediglich auf den Verbindungen von Paris nach Amsterdam und London einsetzen. Nach europäischen Richtlinien ist bis 2017 keine Liberalisierung im Binnenverkehr erforderlich und der französische Schienenverkehr bleibt voraussichtlich bis dahin Konkurrenten des Staatsunternehmens SNCF vorenthalten. Liberalisierung wie auf anderen europäischen Märkte hat nicht stattgefunden, "und das wird in absehbarer Zeit auch nicht passieren", meint Karl-Friedrich Rausch, Vorstand Personenverkehr bei der Deutschen Bahn.
Der deutsche Markt ist schon weitgehend liberalisiert. Hierzulande ist der neue Air-France-Partner Veolia
seit elf Jahren mit Tochterfirmen wie der Nord-West-Bahn im Regionalverkehr präsent. Aber Lufthansa
und Deutsche Bahn, die seit Jahren kooperieren, dürfen der SNCF in Frankreich keine Konkurrenz bieten. Sogar französische Partner wie Air France
und Veolia
dürfen das - nicht zuletzt wegen der starken Bahngewerkschaften - nicht. Die Deutsche Bahn habe schon erfahren, dass "manche Märkte - sagen wir mal - aus sicherheitstechnischen Gründen weniger zugänglich sind als andere", formuliert Rausch diplomatisch. "Nur da, wo Liberalisierung wirklich durchgesetzt ist, bewerben wir uns um Verkehrslizenzen."
So werden sich Unternehmen wie DB und Lufthansa
, Air France
und Veolia
damit begnügen müssen, Passagiere nach oder aus Frankreich zu befördern. Allerdings hat das Staatsunternehmen SNCF kein Monopol über seine stärkste Marke, den TGV. Berichte der französischen Zeitung "Le Parisien" zufolge wollen Veolia
und Air France
bei Alstom
TGV-Züge der nächsten Generation für Tempo 350 ordern und könnten sie sogar früher als die SNCF geliefert bekommen.

