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Diskussion: Kommentare zu: Billig um jeden Preis

Oliver Stock, Chefredakteur Handelsblatt Online

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Oliver Stock
Chefredakteur Handelsblatt Online

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  • 26.11.2012, 07:50 UhrTom

    Ich bin Geschäftsführer in einer Zeitarbeitsfirma auf die die Gewerkschaften sich seit Jahren eingeschlossen haben.
    Warum solche Arbeitsverhältnisse wie bei Amazon von den Gewerkschaften nicht angegangen werden ist mir ein Rätsel. Nach BGB sind 2 Wochen Kündigungsfrist vorgesehen, Mitarbeiter erhalten Ihr Geld nicht pünktlich? Wo gibt es denn sowas? Ach ja bei Amazon! Mitarbeiter für die der Steuerzahler - das Arbeitsamt - einen erheblichen Teil des Lohns übernimmt? Das gibt es? Klar bei Amazon.
    Nun mal ehrlich, wie Blind sind die Gewerkschaften eigentlich? -Schleichen aber weiterhin um Amazon herum! Das Prektaiat befindet sich eben oft grade in großen Firmen und Weltkonzernen wieder. Der Buchhändler an der Ecke wird an die Wand gedrückt und die dortigen Beschäftigten verdienen schon sehr wenig. Bei diesem Berufsbild führt die Liebe zum Buch zu der Berufung und schließlich zum Beruf.
    Und noch etwas: In der Zeitarbeitsbranche verdienen die Mitarbeiter mindestens € 8,51/Stunde. (Einfache Helfer!)+Urlaubsgeld+Weihnachtsgeld+Zuschläge+++ Wo bleibt der Mindestlohn? Wo sind die Gewerkschaften die ewig polemisieren? Warum waren bei Schlecker so schlechte Arbeitsbedingungen? Warum sind beim Hermes (Ottoversand) so schlechte Arbeitsbedingungen? Wo ist der Aufschrei wie unsere Steuergelder in die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit von Amazon gesteckt werden? Glaubt der Staat wirklich, daß dadurch auch nur ein Arbeitsplatz mehr bei Amazon geschaffen wird? Amazoin braucht doch die Arbeitnehmer - auch! Aber bitte zu fairen Bedingungen. Auch das ist eine Art von Fair-Traide..

    • 26.11.2012, 08:32 UhrRealo

      Ich bin auch völlig entsetzt, so etwas hätte ich in Deutschland nicht für möglich gehalten. Als gut verdienender Angestellter mit geregelten Arbeitszeiten und einigermaßen sicherem Job kommt mir der Bericht über Amazon vor wie eine Reportage über Arbeiter in China. Bei uns springen zwar noch keine Arbeiter von den Dächern wie bei Foxconn, aber viel fehlt da auch nicht mehr.

      Ein Skandal, dass die Regierung so etwas zulässt. Das Arbeitsrecht müsste sofort geändert werden. Hire and fire in einem solchen Ausmaß ist ja wohl überhaupt nicht zu vertreten. Kein Wunder, wenn solche Leute irgendwann mal die Ultrarechten wählen.

    • 26.11.2012, 08:43 UhrFredi

      @ Realo
      Gehen sie mal in das Billiglohnland Sachsen. Da sind solche Zustände fast schon Normalität. Bis in mittlere Einkommensgruppen.
      Die Zahl der Leiharbeitsfirmen ist dort riesig. Die Stundenlöhne kaum höher als 7,80€. Und Überstunden werden nicht bezahlt. Und da die dort keine Unterstützung im Kampf gegen diese Verhältnisse bekommen, scheint es nun die Blaupause für ganz Deutschland zu werden. Die Gewerkschaften haben versagt, in den Billigfirmen sind sie nicht zu finden.

    • 26.11.2012, 08:50 Uhrihr

      Die Regierung sorgt doch mit Ihrem Tun erst dafür, dass dies möglich wird.
      Gegenmaßnahmen sind nicht zu erwarten, schließlich wünscht das die Wirtschaft so!
      Liberalisierung, Globalisierung, Freie Marktwirtschaft. Dort geht die Reise hin. Es ist erst der Anfang!

    • 26.11.2012, 11:37 UhrWeihnachten

      Gestern ein O-Zitat von U. von der Leyen im Fernsehen:

      in einer globalisierten Welt werden Sie sehr hart arbeiten müssen....Madame findet das also ganz normal. Von der kann man nichts erwarten.

      Das sagt doch schon alles und das bedeutet auch, dass es bei solchen Zuständen nicht stoppt, wenn sich der Bürger nicht endlich wehrt.
      Erst wenn man wirklich bei chinesischen Zuständen angekommen ist, ist man zufrieden, weil man dann wettbewerbsfähig ist, als Betrieb. Lang lebe die Feudalherschafft.

      Ich kaufe nichts mehr bei Amazon, weil als Konsument hat man auch eine Verpflichtung und dieser Macht sollte man sich langsam bewusst werden. Dann zahle ich halt ein bisschen mehr. Auf Geschenke, die von Sklaven produziert und verschickt wurden, kann ich verzichten.

      Dann kann ich zumindest meinen Kindern in die Augen sehen beim Weihnachtsfest.

    • 26.11.2012, 14:03 UhrSylvia

      @ Weihnachten,

      "Dann zahle ich halt ein bisschen mehr"

      Solange Sie sich das leisten können. Wer mit Geld seit mindestens 10 Jahren immer knapper gehalten wird, KANN oft nur noch billig(st) kaufen. So er überhaupt noch Bock auf Kaufen hat bzw. haben wird demnächst ...

      Wobei teurer kaufen heutzutage ja nicht einmal mehr sagt, dass man da etwa bessere Qualität dafür bekäme.

      Klar, nun tut sich für den Binnenmarkt ein ganz, ganz tiefer Graben auf. Wer Personal vorhält für echten Service (der in unserer Finanz-AG eh schon im tiefsten Koma liegt) KANN diesen allseits staats-gepäppelten Giganten schwerlich Paroli bieten, gar dafür unter seinen Realkosten verkaufen (müssen). Das geht idR. nicht lange gut, dann droht Realwirtschaftlern die ganz reale, ehrlich verdiente Pleite.

      Die Konsumenten, die noch Geld verdienen (dürfen!), wären m. M. gut beraten, als zahlende Kunden JETZT endlich angemessen zu reagieren. Ehe sich die Geiz-ist-geil-Misere bei den Löhnen, - mit reger Unterstützung von Staat, Gemeinden und Gewerkschaften, - auch zu ihren eigenen, evtl. noch relativ gut dotierten Arbeitsplätzen durch zu fressen beginnt.

      Ich verzichte auch seit Monaten auf die "vertrauensvolle Zusammenarbeit" mit Amazon und eBay. Das geht. Ware, die ich heute bestelle, brauche ich ja nicht gestern im Haus. So viel Planung traue ich mir glatt noch zu. Jedenfalls halte ich das so, solange ich mir diesen "Luxus" einer freien Wahl noch leisten kann. Wer per Rechnung bezahlt, geht damit ja auch kein Risiko ein. Alternativ Abbuchung zuverlässig NACH Wareneingang.

      Ansonsten verärgert mich die Lage inzwischen so, dass ich auf Konsum immer mehr verzichte. Etwas schenken, das tu' ich halt noch zu gerne. Aus verärgertem, vertieftem Trotz ist aber auch das abstellbar, keine Frage.

      Volkswirtschaftlich betrachtet ist mir diese derzeitige Art des "Wirtschaftens", - mit all den negativen Folgen für uns laufend zwangsverhaftete Staatsbürgen, - viel zu teuer geworden. => Abschreiben, basta!

    • 26.11.2012, 09:52 UhrIch_bin_doch_nicht_bloed

      Dazu kommt noch, dass amazon die Gesachäfte über Junckers Steuerparadies Luxemburg abwickelt, wegen der riesiegen Steuerersparnis. Auch ebay, paypal und andere Großkonzerne haben ihr Geschäftsmodell auf diesen Grundlagen etabliert. Aber dem KONSUMENTEN ist das alles wurscht und scheissegal, er will nur billig und bequem.
      Zum Brötchenholen um die Ecke fährt der KONSUMENT ja auch mit dem SUV vor, anstatt zu Fuß zu gehen oder zu radeln. Huptsache keinen Schritt zu Fuß gehen, aber dann über die viel zu hohen Spritpreise herziehen.
      Bei DHL ähnliche Zustände. z. Bsp. der Onlinepaketschein für ein Paket bis 10 kg kostet 5,90, der Paketaufkleber in der Filiale 6,90 € (wird meist von Subunternehmern betrieben!). Diese erhalten beim Onlinepaketschein keine Provision, gehen somit leer aus. Wenn jetzt jeder nur noch per Onlinepaketschein verschickt, müssen die die Filiale über kurz oder lang dicht machen, weil es sich nicht mehr lohnt. Das Gleiche gilt für die Fachhändler, die in Konkurrenz zu den Großen stehen. Am Ende sparen wir uns alle weg.
      Pervers diese Gesellschaft und ihr Geschäftsmodell.

    • 26.11.2012, 10:41 UhrBringFrieden

      Ich sag es dir ins Gesicht, wie unsere Gesellschaft tickt: ICH WILL MEHR, NOCH MEHR, AUCH WENN ICH ES NICHT BRAUCHE, ICH WILL AM MEISTEN HABEN UND DABEI SCHEIß ICH AUF ALLE ANDERE. ES ZÄHLT NUR DAS ICH!!!!

      UND DAS IST BEI DIR NICHT ANDERS!

    • 26.11.2012, 10:47 UhrDM2012

      Hallo Tom ,
      sehr gut beobachtet , sehr gut interpretiert ,
      eine sehr passende Antwort gefunden und gestellt!

      Widerstand ist ein Freiheitsrecht .

      Leider haben wir diese Kraft nach den Wohlfühljahren verloren , und mit Gerhard Schröder wurde uns beigebracht , dass wir Arbeiter und Angestellte Schuld
      sind an dieser Situation .

      Heute wieder was Neues gelernt :
      In der BRD gibt es wieder Zwangsarbeiter .

      Gulag Amazon ?!

      Und was machen die Gewrkschaften ?!

      Was machen die Politiker ?

      NICHTS

      Aber unser hart erarbeitetes Vermögen nach Europa umverteilen
      und den Hauptschuldigen dieser Krise - den Banken-
      in den Rachen schieben .
      Diese genehmigen sich weiterhin Riesenbonis und
      Abstandszahlungungen für fragwürdige Eliten , Politiker und Managerleistungen!
      Was soll das ?

  • 26.11.2012, 08:28 UhrDie-Gewerkschaft

    amazon, Samsung, Dell, HP, alles scheinen unmenschlich zu sein. Doch was sind die Fakten, von denen auch das Handelsblatt nur einen Auszug kennt, um solch einen Beitrag zu erzeugen?

    Gewerkschaften können hervorragend kritisieren, doch selber NICHTS auf die Beine stellen, abgesehen von Streiks.

    amazon betreibt ein hervorragendes Geschäftsmodell! Wir alle lieben amazon eben genau für diese Attributen: schnell, günstig, flexibel, kulant.

    Wir sollten mal die Kirche im Dorf lassen. Ausnahmen gibt es überall. amazon macht einen exzellenten Job, finde ich als Kunde. Die Gewerkschaften haben schon so viele Geschäftsmodelle kaputt geredet und selber nichts hinbekommen. OK, kaputttreten, meckern und kritisieren ist die Kernkompetenz von Gewerkschaften. Manchmal wohl auch von Medien, um nur die eigene Auflage in die Höhe zu treiben. Alles ganz ohne Eigennutz? Wer ist wohl wieder als nächstes dran? HP, Dell oder Apple?

    Wahrscheinlich Apple, weil die mindestens genau so sehr die Aufmerksamkeit erregen, wie amazon.

    Meine Meinung: Gäääähhhhn, ist Euch, liebe redaktion nichts besseres eingefallen im Weihnachtstrubel, als diese olle Kamelle? Puh, ist das langweilig. So, jetzt kommt erst mal "Handelsblat" aus meinem täglichen Reader raus.

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